Energieverbrauch

Wie grün sind die Telekommunikationsnetze wirklich?


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Zugangstechnologie in Glasfasernetzen

Aus den Ergebnissen des Obermann-Gutachtens schließt der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO), der das Gutachten veröffentlicht hat, dass sich in Glasfasernetzen pro Gigabit bis zu 1.100 MW an elektrischer Leistung gegenüber VDSL- und HFC-Netzen einsparen ließe, gäbe es hierzulande eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser. Ganz so einfach ist die Rechnung dann aber doch nicht, denn in Glasfasernetzen spielt die Zugangstechnologie eine wichtige Rolle. Entscheidend ist die Verwendung der Zugangs-Ports in den Optical Line Terminals (OLTs). Während bei der P2P-Technologie an einen Port des OLTs nur ein Nutzer angeschlossen werden kann, sind es bei den PON-Technologien mehrere Nutzer pro Port. So können zum Beispiel an den 16 Ports des „SI3000 Lumia G16“ von Iskratel mehrere Tausend Nutzer angeschlossen werden.

Nimmt man nun einen Breitbandanschluss mit 250 MBit/s, verbraucht ein mittels GPON angeschlossener Nutzer 5,2 kWh pro Jahr. Bei der Verwendung von XGS-PON erhöht sich der Verbrauch auf 5,5 kWh. Wird stattdessen aber P2P genutzt, steigt der Verbrauch auf 19 kWh. Eine Million per GPON angeschlossene Nutzer würden demnach pro Jahr 2.100 Tonnen CO2 verursachen. Der CO2-Ausstoß von ebenso vielen P2P-Nutzer läge schon bei 7.700 Tonnen. Das ist aber immer noch weniger als bei einem HFC-Anschluss mit 250 Mbit/s. Hier liegt der Verbrauch bei 110 kWh, was einem Jahresausstoß an CO2 von 44.000 Tonnen entspricht.

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Einsparpotenziale bei CPE

Was Netzbetreiber jedoch gerne außen vorlassen ist der Energiebedarf der Teilnehmerendgeräte (CPE beziehungsweise NT). „Der CPE-Stromverbrauch wird häufig unterschätzt“, sagt Wissenschaftler Obermann. Die Netzbetreiber würden diesem Stromverbrauch wenig Aufmerksamkeit schenken, da er vom Kunden verursacht und bezahlt wird. Ein modernes CPE verbraucht zwischen 15 und 25 W. Würde der Stromverbrauch um ein Watt reduziert werden, verringert sich der Energieverbrauch pro Nutzer und Jahr um 8,8 kWh. Bei 100.000 Nutzern wären das 877 MWh/Jahr oder umgerechnet 350 Tonnen CO2. Zum Vergleich: Ein Auto, das auf 100 km sieben Liter Benzin verbraucht und 15.000 km im Jahr fährt, erzeugt jährlich 2,44 Tonnen CO2.
Obermann nennt als Option zur Reduzierung des CPE-Energiebedarfs die Verwendung von Sleep-Modi. So gibt es beispielsweise Geräte, die mittels Smart Energy Management nur zu vordefinierten Zeiten aktiv geschaltet werden können. Fortschrittliche CPEs sind sogar in der Lage, einzelne Module automatisch in den Sleep-Modus zu versetzen, wenn sie nicht gebraucht werden. Obermann geht von Einsparungen bis 40 Prozent aus.

Die grüne Alternative

Von der in der anfangs zitierten „verstärkten Aufmerksamkeit“ kann angesichts der geringen FTTH-Penetration in Deutschland keine Rede sein. Das Fraunhofer-Institut empfahl der Regierung auch, den Energiebedarf der Netzbetreiber erfassen zu lassen. Das könnte zum Beispiel die Bundesnetzagentur bewerkstelligen. Auch andere Vorschläge wie Mindestanforderungen bei der Produktbeschaffung oder standardisierte Energieeffizienztests in der Forschung und Entwicklung von Produkten blieben in der Politik ungehört. Das nutzen die Glasfasernetzbetreiber nun zu ihrem Vorteil und präsentieren sich als die grüne Alternative zu VDSL und HFC.

M-net will bis 2025 vollständig klimaneutral werden, was dann auch die indirekten Emissionen mit einbezieht. Dafür setzt das Unternehmen im Netzausbau auf Glasfaser. Aber auch mit modernen CPE-Lösungen können Netzbetreiber gegenüber ihren Kunden deutlich machen, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht nur leere Parolen für sie sind.

Tomo Bogataj, Head of Broadband Marketing bei Iskratel


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