Statement: Cloud-Interoperabilität

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27. April 2011, 14:13 Uhr | Mathias Hein, freier Consultant in Neuburg an der Donau | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Komplexe Standardisierung

Bisher war die Frage offen, welche Gruppe die Definition von verbindlichen Normen für die Cloud übernimmt und welche Gruppe federführend die Hersteller und Anbieter von Cloud-Produkten und -Services einbindet. Die Anbietergruppen haben die Tendenz ihre eigenen "Standards" zu setzen. Bei diesen handelt es sich nicht wirklich um offene Standards und der Zugang zu diesen Gruppen erfolgt über teure Mitgliedschaften.

Beim Thema Cloud ist eine Standardisierung relativ kompliziert, da in diesem Bereich viele Teile der IT-Industrie zusammen kommen. Bereits jetzt zeigt sich, dass viele Normungsgremien zu bestimmten Aspekten der Cloud mitreden beziehungsweise die Federführung in der Normensetzung übernehmen wollen. Bekanntlich verderben zu viele Köche den Brei. Daher ist es erforderlich, dass im Interesse der Kunden die Cloud-Standards aus Sicht der Anwender als auch der Cloud-Anbieter festgelegt werden. Natürlich müssen sich auch die von der Cloud-Security-Alliance sicherheitstechnischen Aspekte in einer standardisierten Cloud wieder finden.

Langfristig kann es sich die Cloud-Industrie nicht leisten, dass Daten die beispielsweise in der Amazon-Cloud gehostet werden, nicht problemlos (ohne diese vorher aufwändig umzuformatieren) in eine Verizon-Cloud umgezogen werden kann. Die DMTF-OVF hat bereits für das Problem der Portabilität ein Import-Format festgelegt. Die entsprechend der OVF-Spezifikation formatierten Daten werden heute bereits von den drei großen Hypervisoren (Vmware-ESX-Server, Microsoft-Hyper-V und Citrix-Xenserver) unterstützt. Der OVF-Standard ermöglicht jedoch nur einen unidirektionalen Betrieb. Die in der Cloud abgelegten Daten können zwar von einer Cloud zu einer anderen Cloud bewegt werden, aber eine Umkehrung des Prozesses ist nur über einen Umweg möglich. Hierfür müssen die gesamten Daten wieder in das OVF-Format umgewandelt werden. Die Cloud-Anbieter unterstützen zwar diesen Lösungsansatz, bieten diesen für den Datenexport notwendigen Umwandlungsdienst jedoch nur als kostenpflichtigen Service an. Für die Umwandlung in die jeweiligen virtuellen Maschinenformate ist Expertise notwendig, denn die Formate variieren stark von Anbieter zu Anbieter. Bisher fehlt ein gemeinsamer Lösungsansatz, der die Grundlage für eine Portabilität und Interoperabilität der Cloud legt.

Das Konzept des Cloud-Computings ist nicht neu. Um das Cloud-Computing zu einem allgemein verfügbaren Service zu wandeln, welcher von vielen Anbietern angeboten wird, erfordert eine durchgehende Standardisierung. Die allgemeine Akzeptanz und das schnelle Wachstum des Cloud-Computings wird somit zu den bestimmenden Faktoren bei der Entwicklung von Cloud-Standards. Kommen die Standards zu spät, werden diese vielleicht nie umgesetzt oder die Cloud-Anbieter integrieren nur einen Teil der Standards. Eile ist somit bei der Standardisierung geboten, damit sich keine herstellerspezifischen Angebote zum Nachteil der Kunden durchsetzen.

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