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Microsoft-Datacenter im Atlantik

U-Boot? U-Rechenzentrum!

16. September 2020, 10:00 Uhr   |  Lukas Steiglechner | Kommentar(e)

U-Boot? U-Rechenzentrum!
© Microsoft

Die raue See, in der das Unterwasser-Rechenzentrum von Microsoft abgetaucht ist, hat in der zweijährigen Dauer des Projekts dafür gesorgt, dass der weiße Zylinder mit einer Schicht aus Algen und Seepocken überzogen war. Die Seeanemonen, die sich dort festsetzten, wurden so groß wie Zuckermelonen.

Microsofts Project Natick umfasst eins der modernsten Rechenzentren des Tech-Giganten. Dies wurde im Juni 2018 in einer zwölf Meter langen Röhre vor der schottischen Küste im Atlantik versenkt. Das Ergebnis: logistisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.

Ein Unterwasser-Rechenzentrum. Was zunächst absurd klingt, beweist als ein innovatives Konzept für einen nachhaltigen Rechenzentrumsbetrieb. So hat das Microsoft-Forschungsteam gezeigt, dass ein solches Datacenter wesentliche Vorteile gegenüber einem Rechenzentrum an Land bieten kann.

Die ursprüngliche These für Project Natick war, dass der Meeresboden eine stabile Umgebung liefert. Des Weiteren leiden die Rechenzentrumskomponenten nicht an Korrosion, da sie weder Sauerstoff noch Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Eine weitere Fehlerquelle, die vermieden wird, sind Temperaturschwankungen. Nach der Bergung des versunkenen Datacenters bestätigt Projektleiter Ben Cutler die Annahmen: "Unsere Ausfallrate ist achtmal geringer als an Land." Dies erlaubt die Implementierung solcher Rechenzentren für weltweit taktische und kritische Einsätze. Des Weiteren wird Microsoft seine Erkenntnisse aus dem Projekt nutzen, um seine Nachhaltigkeitsstrategie für Rechenzentren zu optimieren.

Die Grundidee für das Rechenzentrum auf Tauchstation wurde als Möglichkeit gesehen, um schnelle Cloud-Dienste für die Kundenbevölkerung bereitzustellen und Energie zu sparen. Die Röhre, die von Microsoft vor den schottischen Orkney-Inseln versenkt wurde, umfasst dabei zwölf Racks mit 864 Servern. Die Atmosphäre in der Anlage besteht aus trockenem Stickstoff, damit die IT-Infrastruktur vor Korrosion geschützt ist. Es gilt noch zu zeigen, welchen Einfluss die Gase haben, die mit der Zeit von Kabeln und Geräten freigesetzt werden. Doch das primäre Ziel ist es, herauszufinden, warum die Server unter Wasser zuverlässiger gearbeitet haben als an Land. Die Hypothese: Die Stickstoffatmosphäre ist weniger korrosiv, was sich auf die Anwesenheit von Menschen auswirkt, die Erschütterungen und Berührungen verursachen können.

Die Nachhaltigkeitsbestrebungen des Projekts zeigen sich in der Verwendung von Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen. Die Rechenzentrumskühlung wird dabei durch das Meerwasser gewährleistet. Die Server werden dabei nur alle fünf Jahre ausgetauscht und diejenigen, die früher ausfallen, werden einfach vom Netz genommen. Der Plan für die Zukunft ist, mehrere Unterwasser-Rechenzentren zu errichten und miteinander zu vernetzen. Das soll den Bedarf an Edge-Computing mit vielen kleinen Datacentern abdecken.

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