Start-up Q.ANT

Trumpf investiert in die Entwicklung von Quantencomputer-Chips

16. September 2021, 14:22 Uhr | Lukas Steiglechner | Kommentar(e)
Trumpf, Q.ANT, photonischer Chip
Q.ANT hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sie hochspezielle Lichtkanäle auf gewöhnliche Silizium-Chips aufbringen konnten. Die photonischen Chips sollen künftig zur Datenübertragung in Quantencomputern zum Einsatz kommen.
© TRUMPF

Quantencomputer-Chips will das Unternehmen Trumpf über eine Tochtergesellschaft entwickeln. Diese sollen Einsatz in gewöhnlichen Großrechnern finden. Das soll Quantentechnologie ermöglichen, ohne dass die äußeren Bedingungen für Quantencomputing etabliert werden müssen.

Das Technologieunternehmen Trumpf will die Entwicklung von Chips für Quantencomputer vorantreiben. Dafür investiert das Unternehmen einen nicht weiter bestimmten zweistelligen Millionenbetrag in seine hundertprozentige Tochtergesellschaft Q.ANT. Damit soll das Start-up in die Entwicklung und Produktion einsteigen.

Q.ANT hat ein Photonik-Chip-Verfahren entwickelt, wodurch sich hochspezielle Lichtkanäle auf gewöhnliche Silizium-Chips aufbringen lassen. Dadurch sollen sich die etablierten elektronischen Großrechner um Prozessoren erweitern lassen, die mit Quantentechnologie arbeiten.

„Den Entwicklern von Q.ANT ist es gelungen, die optische Welt der Quanten an die elektronische Welt anzubinden. Unser erneutes Investment ist daher der logische nächste Schritt, um den Weg für die Entwicklung und Produktion von Quantencomputer-Chips made in Germany zu ebnen“, sagt Peter Leibinger, Chief Technology Officer von Trumpf. Ziel sei es, in spätestens fünf Jahren einen voll funktionsfähigen Quanten-Chip zu entwickeln, der heutige Computer ergänzen und leistungsfähiger machen soll.

Vom Labor ins Rechenzentrum

„Wir konnten in verschiedenen Testszenarien belegen, dass sich mit unserer Technologie Quantencomputer-Chips in Zukunft auch in gewöhnlichen Rechenzentren einsetzen lassen, weil sie weder eine besonders aufwändige Kühlung noch eine vibrationsfreie Umgebung benötigen“, sagt Michael Förtsch, CEO von Q.ANT. „Unser Herstellungsverfahren ist im Vergleich zu anderen Quantencomputer-Plattformen einfach und ermöglicht die Erzeugung von vielen Quantenbits. Diese elementaren Recheneinheiten brauchen die Quantencomputer in großer Anzahl, um besonders leistungsfähig zu sein.“ Das Start-up arbeitet dafür mit Chipherstellern, IT-Ausrüstern und internationalen Industrieunternehmen zusammen. Bis Ende nächstes Jahr will Q.ANT 120 MitarbeiterInnen beschäftigen, heute sind es rund 20.

Quantencomputer sind zu einer weitaus höheren Rechenleistung in der Lage als herkömmliche Supercomputer. Doch bisher brauchen Quantencomputer außergewöhnliche Bedingungen, um zu funktionieren – wie etwa Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt und absolute Dunkelheit. Neben der noch umzusetzenden technologischen Weiterentwicklung können sie dadurch nicht weiträumiger eingesetzt werden.

Weitere Investitionen für Chips der Zukunft

Trumpf will auch in sein hundertprozentiges Tochterunternehmen Trumpf Photonic Components investieren. Dort sollen die Quantencomputer-Chips von Q.ANT später in Produktion gehen. Dafür plant Trumpf die in Ulm bereits bestehenden Reinraumproduktionsanlagen für Laserdioden um Maschinen und Anlagen zur Herstellung von Quantencomputer-Chips zu ergänzen. „Als etablierter Hersteller von Komponenten für die Halbleiterbranche besitzen wir fundiertes Know-how, ein starkes Partnernetzwerk und eine hochmoderne Fertigungsumgebung. Wir bieten damit die optimalen Voraussetzungen für die Produktion von Quantencomputer-Chips“, sagt Berthold Schmidt, Managing Director von Trumpf Photonic Components. Bis Ende des Geschäftsjahrs im Juni 2022 soll es Q.ANT gelingen, Chip-Komponenten für Quantencomputer zu entwickeln, die jeweils Quanten erzeugen, führen und manipulieren können. Im Anschluss soll der erste Prototyp eines Quantencomputer-Chips entstehen.


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