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Edge Computing

Spielerei oder schon real?

10. Dezember 2019, 11:21 Uhr   |  Autor: Sascha Giese / Redaktion: Sabine Narloch

Spielerei oder schon real?
© Karsten Neglia | 123rf

Ein Überblick über aktuelle Einsatzszenarien von Edge Computing.

Es ist ruhiger geworden um Edge Computing (EC) in den letzten Monaten. Üblicherweise ist das ein Zeichen für den Zeitpunkt, an dem eine neue Technologie die Hype Phase verlässt, ohne wirkliche Anwendungsfälle erzeugt zu haben. Das „Problem“ bei Edge Computing ist, dass die meisten Use Cases zum jetzigen Zeitpunkt möglicherweise noch zu sehr nach Zukunftsmusik klingen oder im wahrsten Sinne des Wortes als Spielerei eingestuft werden.

Edge Computing kann sich überall dort sinnvoll einbringen, wo Daten gesammelt, lokal verarbeitet und zusammengefasst werden können, und wo Antwortzeiten und Bandbreite ein potenzielles Problem darstellen. Simpel betrachtet kann EC ein bidirektionaler Puffer sein, der nicht nur Daten bereithält wie in den frühen Tagen von Content Delivery Networks, sondern auch Logik, Automatismen und Entscheidungen.

Vielfältige Einsatzszenarien
Ein selbstfahrendes Auto ist ein gutes  Beispiel, um sich mit dem Thema vertraut zu machen. Die Daten verschiedenster Sensoren wie Radar, Ultraschall, Lichterkennung und Kameras erfordern Korrelation in Echtzeit und können nicht erst in die Cloud gesendet werden, weil die zusätzliche Latenz schlicht und einfach Menschenleben gefährden würde. Was definitiv in die Cloud gesendet werden kann – und schon seit langem wird –, sind Daten zum allgemeinen Verkehrsfluss sowie spezifische Telemetriedaten.

Hoch spezialisierte Algorithmen und ein Minicomputer stellen das „Edge“ innerhalb des Autos dar. Entscheidungen werden von der Maschine lokal getroffen. Das minimiert die Antwortzeiten und nur die Resultate einiger Auswertungen werden weitergeleitet, was wiederum die Bandbreiten-Auslastung minimiert. Das ist ein recht spezielles Szenario, geht jedoch Hand in Hand mit weiteren Technologien wie zum Beispiel 5G.

5G ist das Stichwort für einen weiteren Use Case – Features wie Network Slicing sind Software-gesteuert und sitzen am Rand des Netzwerkes. Das dynamische Verändern von Prioritäten kann, und muss, lokal durchgeführt werden. Der Einsatz von Edge Computing bei 5G, oder SDN im Allgemeinen, ist dabei weniger kritisch als bei selbstfahrenden Autos. Ebenso reicht theoretisch die Rechenleistung eines Raspberry Pi und die Überwachung und Steuerung erfordert nicht zwingend proprietäre Software, sondern kann von der Stange bezogen werden. Trotzdem ist EC hier durchaus sinnvoll.

Ein weiteres Beispiel ist eine Reederei, die IT-Dienste auf Schiffen bereitstellt. Auch eine Verbindung über einen Low-Orbit-Satelliten bietet im besten Fall eine Latenz von 200 Millisekunden. Die gesammelten Daten sind immens, die Bandbreite jedoch limitiert und kostspielig. Eine ideale Umgebung für hyperkonvergente Infrastrukturen, die in diesem Falle das Edge darstellt. Tatsächlich ist es unerheblich, ob es sich um ein Containerschiff oder eine Kreuzfahrt handelt. Die Unterschiede liegen lediglich in der Art der verarbeiteten Daten und der Ziel- beziehungsweise Kundengruppe. Somit kann EC branchenübergreifend von Interesse sein.

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