Software Defined Everything

Setzkasten fürs Rechenzentrum

17. November 2016, 9:53 Uhr | Autor: Thomas Fischer von Noris Network, Redaktion: Markus Kien | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Neue Geschäftsmodelle und Abrechnungsformen

Zudem muss der RZ-Betreiber sein Geschäftsmodell anpassen. Wenn einfach per API Leistungen zugeschaltet werden, braucht man mit dem Schreiben klassischer Angebote und dem Verfassen von Dienstleistungsverträgen gar nicht mehr anfangen. Sinnvolle Abrechnungskonzepte für moderne Rechenzentren sind daher beispielsweise Punktesysteme für Leistungseinheiten, die vom Kunden innerhalb eines Monatskontingents beliebig verschoben werden können.

Beispiel: ein GByte HDD-Speicher: ein Punkt, ein GByte SSD-Speicher: zehn Punkte. Soll eine Datenbank auf einer schnelleren Plattform betrieben werden, verschiebt der Kunde sie in seiner Steuerkonsole auf SSD-Storage. Die zusätzlichen Kostenpunkte kann er derweil möglicherweise an einer anderen Stelle durch eine „bescheidenere“ Konfiguration einsparen. Wichtig: Das On-Demand-Prinzip, das man vom Cloud-Computing kennt, wird auf diese Weise perfektioniert: mit Pay per Use und Pay as you grow sowie minutengenauer Abrechnung tatsächlich belegter Ressourcen. Unter Experten wird das Thema Software Defined Datacenter oft auf Technologien verengt: Fehlertolerante Storage-Plattformen, skalierbare Datenbanken und standortverteilte Applikationen. In der Praxis, bei den Gesprächen zwischen Kunden und Rechenzentrumsdienstleister, stehen aber andere Themen im Mittelpunkt: Der Kunde erwartet heute flexible Dienste, eine beliebig auf Knopfdruck skalierbare Performance.

Rechenleistung wird  zur Commodity – im Kern geht es dabei um das Versprechen des Cloud-Computings, eingelöst von Hochsicherheitsrechenzentren. Die IT muss neue Mechanismen annehmen, um den vollen Nutzen daraus ziehen zu können. Auch die Abstimmung zwischen Kunden und Rechenzentrum – Stichwort DevOps – und die Abrechnungsmodelle müssen angepasst werden. Unternehmen, die diesem Trend folgen, bieten sich hohe Kosteneinsparpotenziale. Aber das gilt nur dort, wo höchste Skalierbarkeit und maximale Change-Rate auch wirklich gefordert ist. Bei aller Euphorie für die Industrialisierung des IT-Betriebs: In vielen Bereichen bleibt die Technik, wie sie war. Denn: Nicht überall ist diese Performance gefordert und nicht alle Anwendungen lassen sich wirtschaftlich vertretbar umstellen.

Viele Kunden werden über Jahre mehr brauchen als reine “Cloud Enabler”, um ihre Legacy-Systeme weiter zu pflegen. So schön die Welt von Software Defined Everything auch ist: RZ-Anbieter werden über viele Jahre Kompetenz für den Betrieb heterogener IT-Landschaften vorweisen und auch individuelle Managed Services anbieten müssen. Eine gesunde Koexistenz von alt und neu, die uns die nächsten Jahre in der IT sicher noch begleiten wird.

Thomas Fischer ist Principal Architect bei Noris Network

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