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Schulen als Ausgangspunkt für Breitbandausbau

07. Januar 2021, 07:30 Uhr   |  Autor: Süleyman Karaman / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Schulen als Ausgangspunkt für Breitbandausbau
© wklzzz-123rf

Die Corona-Pandemie zeigt – wie in einem Brennglas – die Bedeutung des Breitbandausbaus für eine Informationsgesellschaft. Wären wir dabei in Deutschland schon weiter, ließen sich Homeoffice und Schulschließungen als Folge von Lockdowns leichter bewältigen. Ein Plädoyer für die Glasfaser.

Die aktuelle Situation zeigt, dass Glasfaser die einzige zukunftssichere Technologie für diesen Ausbau ist. Nicht mehr allein der Download, sondern auch der Upload ist eine maßgebende Kennzahl für die Leistungsfähigkeit eines Internetanschlusses. Denn die Menschen, die Zuhause arbeiten und lernen sollen, wollen keine Filme streamen, sondern müssen an Videokonferenzen teilnehmen und über Cloud-Anwendungen auf Unternehmensdaten zugreifen und damit arbeiten. Das bedeutet, dass sie eigentlich eine Upload-Geschwindigkeit benötigen, die mit der aktuell in Privathaushalten verfügbaren, die auf Medienkonsum und damit Download ausgerichtet ist, nicht vergleichbar ist. DSL-Anschlüsse können diese Anforderung nicht erfüllen. Mit deren Standards ist kein symmetrischer Datenverkehr mit den benötigten Übertragungsraten möglich. Dazu kommt, dass die Mehrheit der DSL-Anschlüsse laut der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur vom März 2019 nach wie vor die vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsraten nicht erreichen.

Vorhandene Leitungen stoßen an Grenzen

Alle Varianten von DSL nutzen die vorhandenen Kupferleitungen. Der wesentlichste Vorteil von DSL liegt also darin, dass keine neuen Leitungen verlegt werden müssen. Mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der DSL-Standards wurde versucht, die Datenübertragungsrate immer weiter zu steigern. VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) ist dabei der Standard, der derzeit in Deutschland ausgerollt wird. Damit sind theoretisch Datenübertragungsraten von bis zu 100 MBit/s möglich, mit VDSL2 Vectoring sogar Downloadraten rund um 250 MBit/s. Die tatsächlich nutzbare Übertragungsbandbreite sinkt aber durch die Leitungsdämpfung mit der Länge der jeweiligen Anschlussleitung recht stark. So kommt bei doppelter Länge der Leitung nur noch ein Viertel der Leistung an. Darüber hinaus begrenzt das Übersprechen, die Beeinflussung durch Signale von benachbarten Leitungen, die Übertragungsrate. Das Vectoring reduziert durch eine spezielle Kanalkodierung diese gegenseitigen Störungen und kann so die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Netze noch einmal steigern. Da es beim Vectoring technisch notwendig ist, alle Einzelleitungen in einem Hauptkabelstrang zu kontrollieren, berührt der Einsatz dieser Technologie darüber hinaus auch regulatorische Fragestellungen.

Aus der Praxis: Das Ausbauprojekt für die saarländischen Schulen

In den kommenden beiden Jahren werden alle saarländischen Schulen durch das landesweite Projekt „Gigabitpakt Schulen Saar“ gigabitschnelle Glasfaseranschlüsse bis ins Schulgebäude erhalten. Der Zweckverband eGo-Saar beauftragte den Netzbetreiber Inexio, der nach dem Zusammenschluss mit Deutsche Glasfaser inzwischen den Geschäftsbereich Inexio Deutsche Glasfaser Business gegründet hat, im Oktober 2020 mit dem Bau des Netzes. Geplant ist die Verlegung von 342 Kilometer Glasfaserkabel, um 316 Standorte, die insgesamt 327 Schulen beherbergen, mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen. Trotz der hohen Bauaufwände und knapper Tiefbaukapazitäten hat sich Inexio Deutsche Glasfaser Business vertraglich verpflichtet, die Ausbaumaßnahme binnen zwei Jahren abzuschließen. Damit bestehe für alle Schulen eine belastbare Perspektive, die neuen Anschlüsse noch im Laufe des Jahres 2022 nutzen zu können.
Im November 2018 hatte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ein Förderprogramm für Kommunen aufgelegt, um den Gigabitausbau an bereits grundversorgten Schulen zu beschleunigen. Auf dieser Basis hat die Landesregierung den Schulträgern angeboten, die Schulen im Saarland mit zusätzlichen Fördermitteln der Staatskanzlei an das Glasfasernetz anzuschließen und den Zweckverband gebeten, eine zentrale Ausbaumaßnahme umzusetzen. Der Ausbau in einem zentralen Projekt entlastet die Kommunen nicht nur organisatorisch, sondern dank umfassender Förderung durch Bund und Land auch finanziell. Als Hauptförderbehörde trägt das BMVI rund 14,3 Millionen Euro. Das Saarland steuert weitere 10,5 Millionen Euro Landesmittel bei. Die übrigen 1,2 Millionen Euro verbleiben als kommunaler Eigenbeitrag. Für die Schulen sind die Glasfaseranschlüsse dank der Förderung kostenfrei.

 

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2. Leistungsfähige und zukunftssichere Infrastruktur

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