Digitalisierungsbremsen

Sand im IT-Getriebe identifizieren

3. November 2021, 15:42 Uhr | Sabine Narloch | Kommentar(e)
Mann mit Fernglas und Daten
© Kurhan - 123RF

Software-Anwendungen aus früheren Digitalisierungsphasen haben ihre beste Zeit meist hinter sich – und können die Digitalisierung im heutigen Sinne ausbremsen. Eine Übersicht, was hier wie Sand im Getriebe wirken kann.

In den letzten Jahrzehnten gab es bereits einige Digitalisierungsphasen in Unternehmen. Doch Software-Anwendungen aus diesen Zeiten werden heutigen Ansprüchen und Erfordernissen der Geschäftswelt oft nicht mehr gerecht. Daher sollten diese einer genauen Prüfung unterzogen werden. „Die Modernisierung von Altanwendungen ist ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Digitalisierung. Vor allem große Unternehmen können aber unmöglich alle IT-Bereiche modernisieren", sagt Nadine Riederer, Geschäftsführerin bei Avision. „Deshalb ist es umso wichtiger, die Anwendungen zu identifizieren, auf die es wirklich ankommt. Unternehmen sollten zuallererst auf ihr Business schauen und analysieren, wie sie ihr Geschäft durch Modernisierung weiterbringen können.“

Avision, IT-Dienstleister, der auf Software Revivial spezialisiert ist, hat eine Checkliste zusammengestellt, wie sich kritische Anwendungen identifizieren lassen:

  • Durch Weiterentwicklungen aus der Vergangenheit kann es sein, dass der Sourcecode einer Software inzwischen unüberschaubar ist. Dadurch, so Avision, sei er nur noch sehr schwer lesbar und die Software lasse sich nicht mehr unkompliziert, schnell und kostengünstig um neue Funktionen erweitern.
  • Eine Anwendung verfügt über keine standardisierten Schnittstellen für modernere Komponenten. So könne eine Software für die Lagerverwaltung beispielsweise aus diesem Grund nicht an einen Online-Shop angebunden werden.
  • Eine Software ist nicht performant oder ausfallsicher genug oder nutzt keine modernen Sicherheitsfeatures; das führe dazu, dass sie aktuellen Sicherheitsanforderungen und Datenschutzregularien nicht mehr genügt.
  • Es handelt sich bei einer Software um eine Einzelplatzlösung ohne zentrale Datenhaltung. Avision weist darauf hin, dass sich dadurch die Daten nicht sinnvoll für Digitalisierungsprojekte nutzen lassen.
  • Eine Anwendung ist nicht oder nur zu unvertretbar hohen Kosten auf moderne Hardware-, Software- oder Netzwerkumgebungen portabel, etwa weil sie nicht die erforderlichen Kommunikationsstandards unterstützt.
  • Eine Anwendung basiert auf veralteten Rechnern und Servern und kann deshalb nicht in moderne, etwa Cloud-basierte Umgebungen integriert werden.
  • Eine Software verwendet Komponenten wie Betriebssysteme, Datenbanken oder Bibliotheken, die von ihren Herstellern nicht mehr mit Support unterstützt werden. Dadurch, so Avision, drohen Systemausfälle und Sicherheitslücken.
  • Es ist kein Know-how mehr für eine Anwendung vorhanden, weil die Programmierer, die sie erstellt haben, das Unternehmen inzwischen verlassen haben und keine ausreichende Dokumentation vorliegt.
  • Der Sourcecode einer Anwendung, die das Unternehmen vor längerer Zeit selbst entwickelt hat beziehungsweise entwickeln ließ, ist in der Zwischenzeit verloren gegangen. Dadurch kann die Software nicht mehr weiterentwickelt werden.

Einen Tipp für die Umsetzung hat Nadine Riederer ebenfalls; so empfiehlt sie eine „Strategie der kleinen Schritte“. Ihre Erfahrung zeige, dass kleinere Veränderungen von den Beteiligten besser akzeptiert werden.


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