SD-WAN

Sachte, sachte


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Weniger Komplexität durch Hybrid-Ansatz

Die Bedenken hinsichtlich der Komplexität und die Herausforderungen, die mit dem Umstieg auf ein SD-WAN verbunden sind, haben durchaus ihre Berechtigung. Sie richten sich jedoch vor allem auf den konventionellen Implementierungsansatz, der die vollständige Ersetzung aller vorhandenen Netzwerkkomponenten mit Geräten des neuen Anbieters vorsieht.

Jedoch gibt es mittlerweile verschiedene neue Bereitstellungsmodelle auf Basis moderner Technologien, die eine reibungslose Umstellung ermöglichen sollen. Mit anderen Worten: Bei dem häufig favorisierten klassischen Bereitstellungsmodell erhalten Kunden erst nach der Ersetzung und Neukonfiguration ihrer ganzen Routing- und Switching-Infrastruktur ein voll funktionsfähiges SD-WAN. Im Gegensatz dazu können entsprechende SD-WAN-Lösungen einen hybriden Ansatz und eine Overlay-Technologie nutzen, die transparent auf bestehende Netzwerk- und MPLS-Infrastrukturen aufgesetzt wird und auf diese Weise unternehmensweit SD-WAN-Funktionen bereitstellt. Dafür sind gegebenenfalls keine Modifikationen der Hardware und nur vergleichsweise wenige Konfigurationsänderungen erforderlich.

Umstieg nicht hinauszögern

MPLS-Infrastrukturen erfreuen sich derzeit noch großer Beliebtheit, werden in Deutschland jedoch bald ähnlich wie ISDN durch neue WAN-Lösungen abgelöst werden, zumal keine Anzeichen für eine geplante Weiterentwicklung dieser Technologie erkennbar sind. Deshalb sind zukunftsorientierte Unternehmen gut beraten, die Modernisierung ihrer WAN-Infrastruktur nicht allzu lange hinauszuzögern, sondern nach passenden Strategien und Lösungen Ausschau zu halten, mit denen sich der Umstieg „sachte, sachte“ und ohne Risiken bewältigen lässt.

Zabrina Doerck, Director of Product Marketing, Global Enterprise, Infovista

Fünf wichtige Voraussetzungen für den erfolgreichen Umstieg

Generell sollten Unternehmen bei der praktischen Umsetzung ihrer SD-WAN-Initiativen die folgenden fünf Punkte beachten.

  1. Erstens ist es von Vorteil, im Rahmen der Vorbereitung alle im Unternehmen auftretenden Probleme rund um Performance, Skalierbarkeit und Verfügbarkeit der geschäftlichen Anwendungen zu erfassen und zu katalogisieren. Dadurch wird deutlich, welche Defizite durch ein Upgrade der vorhandenen MPLS-Bandbreite gelöst und welche durch die Priorisierung bestimmter Arten von Datenverkehr behoben werden können.
  2. Zweitens sollten die Verantwortlichen ermitteln, welche anderen WAN-Technologien an den gewünschten Standorten angeboten werden und innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens bereitgestellt werden können. Beispielsweise hat die Covid-19-Krise dazu geführt, dass sich die Einrichtung von Breitbandverbindungen auch in Großstädten wie Berlin, Frankfurt und Köln stark verzögern kann. Außerdem unterscheiden sich die auf dem Markt verfügbaren Angebote im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit der wichtigen Funktionen zur Sicherstellung einer ansprechenden Nutzererfahrung bei Verteilung des Datenverkehrs auf verschiedene Verbindungstypen (Internet, WLAN usw.).
  3. Dabei sollte neben den Kostengesichtspunkten auch die Zukunftsfähigkeit der angebotenen SD-WAN-Lösungen geprüft werden. Hier ist unter anderem von Interesse, ob ein Produkt verschiedene Arten von Konnektivität unterstützt und künftig etwa die flexible Bereitstellung von 4G/5G an Remote-Standorten ermöglichen wird.
  4. Viertens empfiehlt sich die Durchführung eines begrenzten Tests, der ein Bild von den nach der flächendeckenden Bereitstellung der ausgewählten SD-WAN-Lösung zu erwartenden Vorteilen vermittelt und den Verantwortlichen die Möglichkeit bietet, wertvolle Erfahrungen für den späteren Implementierungsprozess zu sammeln. Ein solcher Machbarkeitsnachweis sollte im Allgemeinen von jedem SD-WAN-Anbieter unterstützt werden. Denn letztlich werden Kunden nur dann in eine Lösung investieren, wenn sie sicher sein können, dass sie durch diesen Schritt die festgestellten Defizite in Sachen Anwendungs- und Netzwerkleistung auch beheben können.
  5. Der fünfte und letzte Punkt betrifft die Standardisierung der Lösungen. Da es sich bei SD-WAN um eine relativ neue Technologie handelt, sind die einschlägigen Standards noch in der Entwicklung begriffen und nicht im selben Maße formalisiert wie BGP, ATM oder Frame Relay. Außerdem ist zu bedenken, dass der Begriff „SD-WAN“ kein neues Protokoll, sondern einen neuen Lösungsansatz bezeichnet. So lässt sich erklären, dass bislang jeder Anbieter proprietäre SD-WAN-Technologien mit einzigartigem Funktionsumfang anbietet. Allerdings ändert sich dies aktuell mit neuen Standards wie der SD-WAN-Zertifizierung MEF 3.0, die vom internationalen Branchenverbund Metro Ethernet Forum (MEF) entwickelt wurde und darauf hoffen lässt, dass die Produkte verschiedener Hersteller künftig miteinander kompatibel sein werden. Durch die Auswahl einer nach den neuen Standards zertifizierten Lösung kann das Risiko einer dauerhaften Bindung an einen Anbieter für das Anwenderunternehmen erheblich reduziert werden.

 


  1. Sachte, sachte
  2. Weniger Komplexität durch Hybrid-Ansatz

Das könnte Sie auch interessieren

Anbieterkompass