SD-WAN

Sachte, sachte

Flexibilität Daten, Netzwerke
© Norbert Preiß, funkschau

Ein moderner Ansatz für den Umstieg auf SD-WAN

Aktuell steigt die Nachfrage nach Technologien aus dem Bereich Software Defined Wide Area Networking (SD-WAN), da immer mehr Unternehmen nach neuen Möglichkeiten suchen, um Leistung, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit der Datenverbindungen ihrer On-Premises- und Cloud-Umgebungen zu verbessern. Das ist durchaus bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass viele SD-WAN-Technologien erst nach der kompletten Ersetzung sämtlicher Router, einer flächendeckenden Anpassung der Konfiguration sowie fundamentalen Modifikationen des Netzwerks zum Einsatz kommen können.

Laut einer Prognose der Analysten der International Data Corporation (IDC) wird der Markt für SD-WAN-Infrastrukturen im Zeitraum bis zum Jahr 2023 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 30,8 Prozent verzeichnen und schließlich ein Volumen von 5,25 Milliarden US-Dollar erreichen. Dieser Aufwärtstrend wird von Rohit Mehra, IDC Vice President für den Bereich Network Infrastructure, im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückgeführt: „Zum einen erfüllen viele herkömmliche Enterprise-WANs nicht länger die Anforderungen moderner digitaler Unternehmen, die besonderen Wert auf die Unterstützung von SaaS-Anwendungen sowie Multi-Cloud- und Hybrid-Umgebungen legen. Zum anderen suchen potenzielle Kunden nach Lösungen zur einfacheren Verwaltung der verschiedenen Datenverbindungen in ihrer WAN-Infrastruktur sowie zur Verbesserung der Anwendungsleistung und Nutzererfahrung.“

Die Ablösung von MPLS

SD-WAN-Lösungen ermöglichen die Erweiterung – und in zunehmendem Maße auch die Ablösung – von auf Multiprotocol Label Switching (MPLS) basierenden Netzwerken. Diese stellen besonders in Großunternehmen immer noch die bevorzugte WAN-Infrastruktur dar, obwohl der MPLS-Standard seit 2011 nicht weiterentwickelt worden ist und die Preise für MPLS-Verbindungen immer noch über den Kosten für DSL-basierte Alternativen liegen. Der Grund: Viele Verantwortliche sträuben sich trotz gestiegener Bandbreiten- und Leistungsanforderungen gegen die Ersetzung ihres MPLS-Netzwerks durch eine kostengünstigere SD-WAN-Infrastruktur, weil sie diese Umstellung als zu riskant betrachten.

MPLS-Lösungen haben sich aufgrund der zuverlässigen Konnektivität und garantierten Dienstgüte ihrer dedizierten Netzwerkverbindungen berechtigterweise eine dominante Stellung auf dem Markt erobert. Inzwischen gibt es in Deutschland jedoch ein breites Spektrum an Ethernet-Standleitungen, SDSL-Services und kabelgebundenen Enterprise-Breitbanddiensten, das von einigen Anbietern bereitgestellt wird und unter anderem QoS-, Upstream- und Downstream-Garantien beinhaltet. Ein auf diese Dienste aufgesetztes SD-WAN kann Unternehmen wiederum Kostenvorteile bieten sowie die Überwachung und Kontrolle des Datenverkehrs und der Nutzererfahrung von Geschäftsanwendungen in allen Netzwerk- und Filialinfrastrukturen mithilfe verschiedener Managementfunktionen ermöglichen. Dadurch lassen sich in vielen Fällen die bei der Anwendungsnutzung auftretenden Latenzen minimieren, während die Rendite der Investitionen in Cloud-Lösungen und andere digitale Technologien gegebenenfalls gesteigert wird. Darüber hinaus erweist sich die neue WAN-Infrastruktur meist als robuster, da mehrere voneinander unabhängige Pfade für die Datenübertragung zur Verfügung stehen.

Ein Blick unter die Haube

Aus der Sicht eines Technikers betrachtet, kann eine intelligente SD-WAN-Lösung dynamisch das Routing des Anwendungs-Traffics auf der Grundlage von geschäftlichen Leistungsvorgaben und aktuellen Daten zur verfügbaren Konnektivität optimieren. So können beispielsweise latenzkritische Transaktionsdaten gegenüber den Datenpaketen eines Back-up-Prozesses priorisiert (und Letztere vielleicht sogar über eine ansonsten kaum genutzte DSL-Verbindung statt über das stark frequentierte MPLS-Netzwerk geleitet) werden. Obwohl dieses Konzept bereits vor über einem Jahrzehnt entwickelt und vielfach erfolgreich umgesetzt wurde, hegen viele Netzwerkadministratoren die Sorge, dass sich eine SD-WAN-Implementierung in ihrem Unternehmen allzu kompliziert gestalten würde. Sie befürchten, dass Bereitstellung und Konfiguration neuer Netzwerkkomponenten ihre ohnehin schon an der Belastungsgrenze arbeitenden IT-Teams überfordern und somit fehlerbedingte WAN-Störungen, Netzwerkausfälle und Unterbrechungen des Geschäftsbetriebs nach sich ziehen könnten.

Diese Aussicht schreckt besonders die Verantwortlichen in großen Unternehmen mit vielen Standorten und Einrichtungen ab, die über eine komplexe Infrastruktur miteinander verbunden sind. Das liegt unter anderem daran, dass derartige Netzwerke meist aus Komponenten verschiedener Anbieter bestehen, weil sie organisch über einen langen Zeitraum gewachsen sind oder im Zuge von Übernahmen oder Modernisierungsinitiativen in mehreren Phasen erweitert wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ersetzung der alten Hardware und die Umgestaltung des Netzwerks im Rahmen einer SD-WAN-Initiative mehrere Monate oder sogar mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen können. Das bedeutet eine lange Umbauphase, in der zusätzlich komplexe Ausweichinfrastrukturen bereitgestellt werden müssen, da das Unternehmens-WAN rund um die Uhr verfügbar sein muss. Aufgrund des damit verbundenen Aufwands versäumen viele Unternehmen die Gelegenheit, im Rahmen des Umstiegs den Kommunikations- beziehungsweise den Datenfluss neu auszurichten, sodass das SD-WAN am Ende nur marginale Verbesserungen statt der erhofften fundamentalen Vorteile bringt und lediglich eine magere Rendite erzielt. Abgesehen davon, muss nach der Umstellung noch viel Zeit zur Realisierung der gewünschten Funktionalität aufgewendet werden.


  1. Sachte, sachte
  2. Weniger Komplexität durch Hybrid-Ansatz

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