SD-WAN

Routing mit Anwendungsbewusstsein

27. August 2020, 9:11 Uhr | Autor: Bernd Wilhelm / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Lösungsansätze

Application Routing
Schematische Darstellung Application Routing
© EfficientIP

Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Lösungen, die solche kostspieligen Ausfälle verhindern könnten. Eine davon ist eine eigens entwickelte Multi-WAN-Anbieter-Routing-Vielfalt; dies ist jedoch eher für große Unternehmen mit entsprechenden Ressourcen wie IP-Netzwerkexperten und Infrastructure und Operations-Abteilung (I&O) geeignet.

Eine einfachere Lösung bietet SD-WAN (Software-Defined Wide Area Network). SD-WAN wählt automatisch den Pfad zu einem IP-Ziel aus. Wie jede andere IP-Routing-Lösung auch wählt SD-WAN jedoch nicht das Ziel selbst aus. Kurz: Es sagt Nutzern wie sie zum Ziel kommen, nicht wohin sie gehen sollen. SD-WAN ist eine beliebte Option für viele Unternehmen, da es eine ausgezeichnete Effizienz und Redundanz bietet und über das technische IP-Routing hinaus auch politische oder finanzielle Routing-Regeln anwenden kann. Ein wesentlicher Nachteil besteht jedoch darin, dass SD-WAN beim Ausfall einer Komponente auf dem gewählten Pfad einfach den Application-Traffic aussetzt. Es kann keinen neuen Pfad vorschlagen, um die gleiche Anwendung zu erreichen, die auf einem anderen Server oder in einem anderen Rechenzentrum gehostet wird. Daher reicht SD-WAN allein nicht aus, um die Kontinuität der App-Bereitstellung zu gewährleisten. SD-WAN kann zwar den Zugriff auf Anwendungen kontrollieren, aber nicht garantieren, dass die angeforderte Anwendung für den Benutzer erreichbar ist. Hierzu ist eine anwendungsbezogene Routing-Lösung zur Ergänzung des Netzwerks erforderlich.

Hier kommt DNS-basiertes Routing ins Spiel: Ehe man weiß, wie man zum Ziel kommt (mit SD-WAN), muss das Ziel definiert werden. DNS übernimmt bereits die Rolle der Zielauswahl. Der beste Weg, die Erreichbarkeit einer App zu erkennen, ist aus der Perspektive der Nutzer. Intelligente Routing-Entscheidungen sollten daher so nah wie möglich an Nutzern erfolgen, um "anwendungsbewusstes Routing" zu ermöglichen. Rekursives DNS ist daher idealerweise nah bei Unternehmensnutzern angesiedelt.
Tatsächlich ist es sinnvoll, die Routing-Steuerungsfunktionalität von Anwendungen in DNS am Netzwerkrand zu integrieren. Im Wesentlichen ist dies die Funktionsweise eines DNS Global Server Load Balancer (GSLB) an der "Edge": Er überprüft kontinuierlich die Verfügbarkeit von App-Ressourcen, wobei derselbe Netzwerkpfad verfolgt wird, den auch Nutzer verwenden, um die App zu erreichen. DNS-GSLB kann einen Fehler beim Zugriff auf eine Anwendung schnell erkennen und ein alternatives Ziel (eine neue IP-Adresse für denselben Anwendungsnamen) “erzwingen”. Eine frühzeitige Fehlererkennung, gefolgt von automatischem Failover, stellt sicher, dass Benutzer immer zu der Anwendung in einem zugänglichen Rechenzentrum geleitet werden. Dies kann die Verfügbarkeit der Anwendung durchgehend garantieren.
 
Durch Ergänzung der DNS-GSLB-Fähigkeit am Netzwerkrand werden Szenarien abgedeckt, die SD-WAN für sich genommen nicht bewältigen kann. Dazu gehört das Erkennen von Fehlern beim Zugriff auf Anwendungen (IP-Pfad, Server-Infrastruktur oder -Konfiguration), das Reagieren im Namen des Benutzers bei einem WAN-Ausfall und das Auswählen des besten Zielorts basierend auf der Reaktionszeitmetrik der Anwendung. Im Endeffekt verwendet jeder bereits DNS; daher ist es sinnvoll, die GSLB-Funktionalität zu integrieren und am Netzwerkrand bereitzustellen. DNS GSLB und SD-WAN ergänzen sich gegenseitig. SD-WAN wählt das "Wie", DNS wählt das "Wo" - und die Integration der DNS-GSLB-Funktionalität so nah wie möglich am Nutzer bietet zusätzliche Informationen über das "Wo". Die Verlagerung von DNS GSLB an den Netzwerkrand bietet einen intelligenteren Ansatz zur Steuerung des Routings von App-Traffic, der einfach zu implementieren und effizient in der Anwendung ist.

Bernd Wilhelm, Senior Presales Consultant DACH und Ost-Europa bei EfficientIP


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