HPE-Umfrage zur Cloud-Nutzung

Rechenzentrum am Großstadtstrand

20. April 2021, 14:30 Uhr | Autor: Wilhelm Greiner | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Die Cloud kommt zum RZ

Die Umfrage fand nicht nur vor dem Hintergrund der Coronakrise statt, sondern auch zu Zeiten, in denen große IT-Ausrüster wie HPE, Dell und Cisco, ebenso die Hyperscaler wie Microsoft und Amazon, verstärkt daran arbeiten, Cloud Computing und lokale IT-Nutzung zu verschmelzen. Bei Microsoft und Amazon bedeutet dies, Cloud-Services auf beim Kundenunternehmen (am „Edge“) installierter Hardware zu betreiben – also mittels Azure Stack oder AWS Outposts. HPE, Dell und Cisco hingegen propagieren in letzter Zeit verstärkt die Nutzung nicht nur ihrer Softwareangebote, sondern selbst ihrer Hardware im Cloud-typischen „As a Service“-Modell (LANline berichtete schon mehrfach) – also in einem Mietmodell mit garantierter Bereitstellungszeit und Bezahlung nach tatsächlich eingesetzten Kapazitäten.

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Laut der HPE-Umfrage nutzt bereits jedes dritte Unternehmen „Private Cloud as a Service“ – ein überraschend hoher Wert.
Laut der HPE-Umfrage nutzt bereits jedes dritte Unternehmen „Private Cloud as a Service“ – ein überraschend hoher Wert.
© HPE

Dieses Nutzungsmodell, das HPE als „Private Cloud as a Service“ bezeichnet und unter dem Namen „Greenlake“ vermarktet, kommt laut der Umfrage bereits bei 33 Prozent der Unternehmen zum Einsatz. Dieser überraschend hohe Wert könnte teils darin begründet liegen, dass bei der Umfrage große Unternehmen überproportional stark vertreten waren: Zwei Drittel der Befragten stammten aus Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten, das restliche Drittel der Unternehmen beschäftigt mehr als 250 Leute. Zudem ist zu vermuten, dass viele Befragte zwischen „ Private Cloud as a Service“ und klassischen Managed Services keine klare Trennlinie ziehen.

Insgesamt stehen die deutschen Befragten dem Prinzip Private Cloud as a Service noch einigermaßen unentschlossen gegenüber: 47 Prozent würden dieses Nutzungsmodell der Public Cloud vorziehen, 31 Prozent hingegen nicht. 22 Prozent hatten dazu keine Meinung. Ein nicht minder uneinheitliches Bild bietet sich bei der Frage, ob man Private Cloud as a Service gegenüber dem traditionellen Kauf von Hardware und Software bevorzugen würde: 39 Prozent stimmten zu, 36 Prozent nicht. Die restlichen 25 Prozent machten keine Angabe. Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass man bei Private Cloud as a Service ein offenes Modell (67 Prozent Zustimmung) wünscht. Ein geschlossenes Modell – damit also Bindung an nur einen Ausrüster oder Cloud-Provider – würden hingegen nur 28 Prozent begrüßen.

Nur knapp die Hälfte der Befragten würde Private Cloud as a Service der herkömmlichen Public Cloud vorziehen.
Nur knapp die Hälfte der Befragten würde Private Cloud as a Service der herkömmlichen Public Cloud vorziehen.
© HPE

„Corona gilt als Digitalisierungsbeschleuniger, aber deutsche Firmen gehen dabei sehr reflektiert mit dem Thema Cloud um – sie wissen: die Cloud ist ein Motor für ihre digitale Transformation, gleichzeitig wollen sie Herr im eigenen Hause bleiben“, kommentierte Ulrich Seibold, Vice President HPE Greenlake Cloud Services DACH. Es sei an der Zeit, den Begriff „Cloud“ neu – nämlich ortsunabhängig – zu definieren: „Der Schlüssel zur Erhöhung des Cloud-Nutzungsgrades sind die eigenen Rechenzentren der Firmen“, so Seibold. „Sie können selbst zu Clouds werden, die über hybride Plattformen oder künftige Infrastrukturen wie GAIA-X miteinander und mit der Public Cloud verknüpft werden.“

„Private Cloud as a Service“ soll also ermöglichen, die diversen Technologie-Stacks auf intelligente Weise zusammenzuführen: einerseits einfache, agile Nutzung inklusive Betrieb durch externe Fachleute, andererseits Technologie- und Datensouveränität sowie Kontrolle über lokale Ressourcen – und dadurch die oft ebenfalls wichtigen kurzen Latenz am Network Edge. Das RZ der Zukunft soll damit, in Tucholskys Worten, glänzen „mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn.“

Für die digitale Fusion ländlicher Idylle mit pulsierender Urbanität findet sich eine wachsende Fülle von Angeboten. Damit diese wirklich den Namen „Private Cloud as a Service“ verdienen, müssen es natürlich Angebote sein, die über reines Leasing von Hardware und über klassiche Managed Services hinausgehen. Mitunter fehlt neben der Verfügbarkeit von Equipment auf Kommando auch noch die flächendeckende breitbandige Glasfaser- und/oder 5G-Mobilfunkabdeckung. Schließlich wollen Ostseestrand und Friedrichstraße performant und verlässlich miteinander vernetzt sein.

Und zu guter Letzt ist die unternehmensinterne IT-Organisation gefordert, sich neu zu erfinden, will sie weiter relevant bleiben, wenn der IT-Betrieb eines Tages ausschließlich automatisiert und/oder als Service läuft. Bis dies alles reibungslos funktioniert, gilt weiterhin der Schluss jenes Tucholsky-Gedichts: „Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten. Dass einer alles hat: das ist selten.“

Zuerst erschienen auf lanline.de.


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