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Infrastrukturverkabelung rezertifizieren

Nobody is perfect

06. März 2020, 10:35 Uhr   |  Autor: Alfred Huber, Softing IT Networks | Redaktion: Cornelia Meier | Kommentar(e)

Nobody is perfect
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Wie intelligente Auswertesoftware dabei hilft, Einstellungsfehler beim Einmessen von Datenstrecken zu korrigieren, erklärt Alfred Huber, Leiter Technik bei Softing IT Networks.

Um eine Infrastrukturverkabelung normkonform zu zertifizieren, wird ein Verkabelungszertifizierer benötigt, der die entsprechenden technischen Anforderungen erfüllt. Vor allem was Genauigkeit, Messfrequenzen und Geschwindigkeit angeht, werden diese Messgeräte kontinuierlich weiterentwickelt, was dazu führt, dass auch die Nachfrage nach einer entsprechend umfangreichen, aber dennoch leicht bedienbaren Datenmanagementsoftware immer größer wird. Diese soll dabei nicht mehr nur Daten verwalten und ausdrucken, sondern hat sich heute zu einem essenziellen Werkzeug im Workflow eines Messtechnikers entwickelt.

Ein zeitaufwendiges Problem beim Einmessen von Kupfernetzwerken ist etwa die falsche Einstellung der Bewertungsstandards und des NVP-Wertes (Verkürzungsfaktor). Hat der Messtechniker die Anlage auf einer zu niedrigen Leistungsklasse geprüft, ist unter Umständen die komplette Vermessung unbrauchbar. Wurde der falsche NVP-Wert eingestellt, stimmen die Längenwerte und dadurch eventuell die Längenabrechnung nicht. Diese Fehler konnten bislang oftmals nur mit einer Neu-Vermessung der Anlage behoben werden und so Stunden an vorangegangener Messarbeit zunichtemachen.

Mithilfe einer Datenmanagementsoftware ist es allerdings möglich, Messungen mit falschen Grundeinstellungen ohne großen Aufwand zu korrigieren. Bei der sogenannten Re-Zertifizierung kann vom Nutzer der richtige Messstandard nachträglich über die Messdaten gelegt werden. Dabei bleibt die Datenintegrität erhalten, weil lediglich die neu gewählten Grenzwerte auf die bereits gemessenen Strecken angewandt werden und die Messwerte selbst unberührt bleiben. Das Datum der Messung wird dabei ebenfalls nicht verändert. Neu ist die Möglichkeit, den NVP-Wert nachträglich zu berichtigen und damit die Längenmessungen nachzuziehen.

Eine Frage des Standards

Die Bewertung einer Verkabelung geschieht gegen feste Grenzwerte, die von den Normen vorgegeben sind. Die Erfüllung der jeweiligen Grenzwerte garantiert den Betrieb der entsprechenden Anwendung. Eine falsche Einstellung der Messstandards kann die geforderte Bewertung ruinieren. Nachfolgend einige typische Beispiele für Fehlmessungen basierend auf falsch gewählten Standards.

Hat der Messtechniker die Anlage beispielsweise auf Klasse E (bis 250 MHz) nach ISO/IEC 11801-1 beziehungsweise EN 50173 1 geprüft, anstatt wie gefordert auf Klasse EA (bis 500 MHz), ist die komplette Vermessung als Leistungstest unbrauchbar. Anstatt eine Aussage über die Verwendung von 10 Gigabit Ethernet zu erhalten, reicht der Messbereich nur für eine Bewertung von bis zu 5 Gigabit Ethernet aus. Manchmal werden auch Topologien falsch gedeutet. Zum Beispiel wird ein Messstandard verwendet der für einen 3-Connector-Link (z. B. Installationstrecke mit Sammelpunkt) gedacht war und daher weichere Grenzwerte besitzt als der entsprechende Standard für den 2-Connector-Link, der tatsächlich gebaut worden wäre. Zwar schauen durch die höheren Reserven die Messwerte besser aus, aber geben eben nicht die Realität wieder. Ein weiteres Beispiel wäre, wenn der Messtechniker sich dazu verleiten lässt, durch “Kategorie“-Aufdrucke auf Kabel und Komponenten das Messgerät auf amerikanische ANSI/TIA-568-Standards einzustellen, die auch die Gesamtstrecken in “Kategorien“ einteilen, anstelle von Leistungsklassen wie in unseren Standards üblich. Eine solche Verwechslung macht zum einen keinen guten Eindruck beim Kunden und könnte außerdem kritische Nachfragen nach sich ziehen.

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