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Neue Geschäftsmodelle mit 5G-Campus-Netzen

15. Februar 2021, 13:37 Uhr   |  Autor: Sebastian Solbach / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Drohnen, Nothelfer, Fußball

Nicht ohne Grund kommen die ersten Anwendungen für Campus-Netze aus der Fertigungsbranche, allen voran aus der Automobilindustrie. Die Campus-Netze dort basieren bisher allerdings noch auf 4G oder kombinierter 4G/5G-Technik. Viele weitere Branchen entwickeln sich gerade erst und es gibt jede Menge interessanter Ideen. So steuert Airbus sein unbemanntes Luftschiff ALtAIR aus bis zu 250 Kilometern Entfernung, Drohnen können etwa zur Inspektion von Pipelines über 5G gesteuert werden. Autonom fahrende Autos werden via 5G mit einem Parkhaus kommunizieren und autonom eingeparkt.

Recht schnell wird 5G im Gesundheitswesen einziehen. So könnte zum Beispiel eine Ärztin einem Nothelfer bei einem Unfall aus der Ferne Anweisungen geben. In Kliniken werden künftig Daten befördert statt der Patientinnen und Patienten. Die Ultraschallaufnahme erfolgt dann mit einem kleinen Handsensor am Krankenbett, die Ergebnisse laufen in die Cloud ins Klinikinformationssystem.

Ganz neue Ideen tun sich in der Computerspieleindustrie und im Sport auf – oder in der Kombination von beiden. Der VFL Wolfsburg hat die Volkswagen-Arena mit 5G ausgerüstet, um dem Publikum ein neues Live-Erlebnis zu bieten. Zuschauer können ihr Smartphone auf einen Spieler richten und bekommen als Augmented Reality Echtzeitinformationen zu diesem Spieler eingeblendet, etwa seine Zweikampfwerte. Live-Event und E-Gaming verschmelzen zu einer neuen Form des Sports. Weitere ähnliche Anwendungen erwarten die Zuschauerinnen und Zuschauer bei den olympischen Spielen in Tokio (sofern sie stattfinden). Netzbetreiber NTT Docomo hat bereits ein Feuerwerk an Ideen mit Augmented und Virtual Reality angekündigt, die derzeit aber noch nicht öffentlich sind.

Die Corona-Pandemie hat zu einem Digitalisierungsschub geführt und zum Beispiel den Trend zur Cloud noch beschleunigt. Für Remote-Arbeit ist die Cloud unerlässlich, aber auch schnelle Datenverbindungen sind notwendig. 5G wird das mobile Arbeiten auf ein neues Niveau heben, aber auch das Arbeiten im Büro des Unternehmens. Wo viele Daten mit der Cloud ausgetauscht werden, können kleine 5G-Campusnetze – zum Beispiel in einem Gebäude oder vielleicht auch nur innerhalb einer Etage – die starre Vernetzung mit LAN-Kabeln ersetzen und für mehr Flexibilität sorgen.

Das Netz wird virtuell

Eine Technologie, die derzeit in Deutschland verstärkt diskutiert wird, sind virtuelle Netze. Bei den früheren Mobilfunkgenerationen wurden die Netze aus spezialisierter Hardware und Software aus einer Hand aufgebaut. Ein virtuelles 5G-Netz ist dagegen nur eine Software, die auf Standardservern läuft. Das hat die gleichen Übertragungseigenschaften, ist aber preiswerter und gerade bei Campus-Netzen auch schneller betriebsbereit. Und es reduziert die Abhängigkeit der Nutzer von den Systemlieferanten. Vor allem in Japan setzt man auf diese Technologie. Eines der ersten cloud-native 5G-Campusnetze in Deutschland beispielsweise hat das Co-Creation-Space Ensō in München, das europäische Innovationszentrum der NTT Group.

Sebastian Solbach, Head of Industry Telecommunications, Media & Entertainment für DACH bei NTT Data

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