Zukunft der Mobilität

Mobilfunk für das Connected Car

22. Januar 2020, 10:24 Uhr | Autorin: Yvonne Schmitz / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Auch große Updates per UMTS oder LTE

Ein weiteres Szenario, das ohne 5G auskommt, sind Over-the-Air-Updates (OTA): Per Mobilfunk werden daher Firmware- und Software-Updates von bis zu einem Gigabyte vom Hersteller-Backend an das Auto übertragen. Trotz der hohen Datenmenge ist die Latenz unkritisch, und eine schmalbandige Übertragung per UMTS oder LTE reicht aus. Um jedoch sicherzugehen, dass ein Update im Fahrzeug keine höher priorisierte Datenübertragung stört, ist eine definierte Servicequalität per Network Slicing hilfreich.

Einen hohen Bedarf an 5G-Funk gibt es dagegen in der direkten Funkkommunikation zwischen Fahrzeugen (Vehicle-to-Vehicle, V2V) aus, denn diese findet auf kurzen Strecken von wenigen hundert Metern statt. Entsprechend schnell werden die Daten übertragen. Beispiel Platooning: Mehrere Lastkraftwagen fahren mit einem Abstand von nur wenigen Metern dicht hintereinander als Kolonne, um Kraftstoff und Platz zu sparen. „In diesem Szenario brauche ich hochzuverlässige Kommunikation“, sagt Wietfeld. „Wenn ein Hindernis auftaucht, muss der ‚Platoon-Leiter‘ diese Information in Millisekunden an die anderen Fahrzeuge weitergeben.“ Kein Problem für den 5G-Mobilfunk oder Cellular-V2X (C-V2X), wie die Technologie in der V2V-Kommunikation heißt. Die Lkw teilen miteinander jedoch nicht nur wenige ereignisgesteuerte Daten, sondern die volle Rohdaten-Masse aus ihren Sensoren. So können sie quasi durch alle Fahrzeuge des Platoons hindurchschauen. Auch für solch hohe Bandbreitenanforderungen ist 5G-V2X gerüstet.

Höchste Bandbreiten mit LTE und 5G
Eine hohe Bandbreite wird auch benötigt, wenn in einer Mobilfunkzelle viele Mitfahrer im Auto datenintensive Internetdienste wie Musik- oder Videostreaming nutzen. Mit 5G New Radio sollen sich laut Standardisierung der 3GPP perspektivisch in der Spitze 10 GBit/s im Upload und 20 GBit/s im Download pro Zelle übertragen lassen. Extrem hohe Datenraten lassen sich allerdings auch mit LTE realisieren: mit zusätzlichen kleineren Funkstationen, sogenannten Smart Cells.  

Viele Szenarien sind also auch mit bestehenden Standards möglich. Und die LTE-Abdeckung ist bereits sehr hoch: In Bayern zum Beispiel versorgt die Deutsche Telekom nach einer Messung im Auftrag des bayerischen Wirtschaftsministeriums 98 Prozent der Autobahnkilometer mit LTE. „Das vernetzte oder selbstfahrende Auto ist nicht darauf angewiesen, dass 5G New Radio flächendeckend verfügbar ist“, sagt Telekom-Experte Springer. „Das Straßennetz braucht nur dort 5G-Antennen, wo eine besonders hohe Bandbreite, geringe Latenz oder die Unterstützung sehr vieler Geräte gefordert sind.“ Und selbst wenn diese Antennen schnell zur Verfügung stehen – zunächst werden sie nur wenige Autos nutzen, denn dafür brauchen sie ein 5G-NR-Telematikmodul (TCU). Die heute verbauten GSM-, UMTS- oder LTE-Module lassen sich meist nicht auf 5G-Funk upgraden. Fahrzeuge mit diesen Modulen profitieren aber trotzdem schon von 5G: Die Innovationen im Kernnetz wie Mobile Edge Computing und Network Slicing werden überall verfügbar sein – unabhängig davon, ob ein Auto als Funkprotokoll 5G oder 4G nutzt.

Yvonne Schmitz ist Autorin mit Sitz in Köln

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  1. Mobilfunk für das Connected Car
  2. Mehr Bandbreite, geringere Latenz
  3. Auch große Updates per UMTS oder LTE

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