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Netzwerkautomatisierung

Mitarbeiter weg, Know-how weg?

11. März 2020, 15:00 Uhr   |  Autor: Christian Lorentz / Redaktion: Diana Künstler

Mitarbeiter weg, Know-how weg?
© Alphaspirit / 123rf

Es stellt sich die Frage, wie kritisches Wissen in modernen IT-Netzwerken nutzbar bleibt und wie IT-Entscheider mit dem steigenden Bedarf an Netzwerktechnikern umgehen.

Gesunde Volkswirtschaften bedeuten für Unternehmen zumeist eine positive Entwicklung der Geschäftsbereiche. Während höhere Absatz- und Umsatzzahlen oftmals zu größeren Investitionen in die Netzwerkinfrastruktur, in Tools sowie in Technologien führen, erwachsen für das IT-Management daraus zahlreiche neue Herausforderungen. Mit dem Wachstum eines Unternehmens steigen oft auch die Investitionen in dessen Firmen-IT, deren Dreh- und Angelpunkt das Netzwerk ist – ein steigender Bedarf an hochqualifizierten Netzwerktechnikern ist die Folge. Genau hier stoßen IT-Entscheider auf die ersten Probleme.

Knappes Gut: Netzwerk-Know-how
Gute wirtschaftliche Zeiten bedeuten auch eine niedrige allgemeine Arbeitslosigkeit und somit ein limitiertes Angebot an hochqualifizierten Fachkräften, die fest in Lohn und Brot stehen und sich ihren Arbeitgeber quasi aussuchen können. Gleichzeitig steigt während der Digitalen Transformation gesamter Wirtschaftszweige die Nachfrage nach talentierten, gut ausgebildeten IT-Experten und nach tiefem Netzwerk-Know-how rapide an. Für Unternehmen gilt mehr denn je, beides zu finden, erfolgreich für sich zu gewinnen und langfristig an sich zu binden. Gelingt dies im unternehmerischen Kampf um die Talente nicht und ein hochqualifizierter Mitarbeiter verlässt das Unternehmen, geht tiefes Fachwissen verloren – das für jede Art von Nischen-IT-Themen und -Tools benötigt wird.

Barrierefreies Fachwissen entscheidend
Um diese Situation zu verhindern, müssen Unternehmen alles da-ransetzen, nicht nur gutes Personal an sich zu binden, sondern auch deren tiefes Fachwissen einem möglichst breiten Mitarbeiterkreis zugänglich zu machen. Erst dieser barrierefreie Wissensaustausch verhindert im Falle eines Abgangs, dass wertvolles Wissen aus dem Unternehmen abfließt. So können die erwirtschaften Überschüsse gezielt und effektiv in die Administration und Weiterentwicklung des Netzwerks investiert werden. Da jedes Netzwerk seine ganz eigenen Spezifika hat – obwohl es bezüglich der Technologie, auf der es basiert, anderen Netzwerken ähnlich sein müsste – gestaltet sich die Einarbeitung neuer Experten in ein neues Netzwerk relativ komplex. Ob in Rechenzentren, auf dem Campus, in Niederlassungen oder beim Einsatz von Netzwerk-Virtualisierung beziehungsweise SDN-Systemen – es sind stets die Nuancen der Netzwerkkonfiguration und -leistung, die das Know-how der Ingenieure erfordern.

Ein kleiner Kreis von Eingeweihten
Das für den Betrieb eines komplexen Unternehmensnetzwerks notwendige tiefgreifende Fachwissen beschränkt sich in der Praxis jedoch oft auf einen kleinen Personenkreis. Dies ist meist das Resultat aus einer Arbeitsweise, in der einzelne Techniker oder kleine Abteilungen isoliert für sich arbeiten und wenig reger Austausch mit anderen Kollegen oder Fachabteilungen besteht. Manchmal ist diese Entwicklung im Interesse der Personen, die über das Know-how verfügen, für Unternehmen ist diese sie allerdings äußerst problematisch. In der Umfrage “State of the Network Engineer”, die NetBrain jährlich durchführt, gaben dieses Jahr 57 Prozent der Netzwerkingenieure an, dass nur Eingeweihte in ihren Unternehmen wüssten, wie Probleme der Netzwerksicherheit zu beheben sind. Wenn diese Wissensträger nun das Unternehmen verließen, würde sämtliches Know-how mit ihnen verschwinden.

Single Point of Failure
Wenn es darum geht, eine leistungsstarke Mannschaft von Technikern zu erhalten, ist diese Begrenzung des Know-hows auf wenige Personen gleich aus mehreren Gründen schädlich. Zunächst wird ein Single Point of Failure geschaffen. In dieser Situation möchte sich kein Unternehmen wiederfinden, denn ein Netzwerkingenieur kann ein „Netzwerkheld“ sein, der in der Lage ist, alles instand zu setzen. Fällt er allerdings aus, ist es schwierig bis unmöglich, sein Wissen auf einen Nachfolger zu übertragen. Dadurch erhöht sich das Gesamtrisiko deutlich – für das IT-Team wie für die gesamte Organisation.

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