Edge Computing

Mehr als eine Randerscheinung

8. März 2022, 8:00 Uhr | Lukas Steiglechner | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Den Netzwerkrand absichern

Paul Höcherl, Lenovo
Paul Höcherl, Product Manager und Edge-Computing-Experte bei Lenovo: „Als erste Maßnahme gilt es, den Schrank, in dem der Edge-Server montiert ist, gegen den Zugriff durch Unbefugte zu sichern.“
© Lenovo

In Rechenzentren gibt es zahlreiche etablierte Strategien und Lösungen, um die Sicherheit von Systemen und Daten zu gewährleisten: Zugangskontrollen, Videoüberwachung, Zugriffsrechte, Schlösser, Sicherheitspersonal. Im Falle von Edge Servern ist dies jedoch kaum abzubilden, wenn diese teils über die gesamte Stadt verteilt sind oder sich gar in unzugänglichen Regionen befinden. „Als erste Maßnahme gilt es, den Schrank, in dem der Edge-Server montiert ist, gegen den Zugriff durch Unbefugte zu sichern“, erklärt Paul Höcherl. Erfahrungen mit entsprechenden Konzepten gibt es jedoch bereits. Der Lenovo-Experte erinnert „an die Verteilerkästen von Telekommunikationsunternehmen, die bereits seit Jahrzehnten in jeder Stadt im öffentlichen Raum zu finden sind“. Hier gebe es mittlerweile sehr ausgefeilte und bewährte Angebote von spezialisieren Herstellern. Neben den Schränken sollte zudem auch die Hardware im Inneren zusätzlich gesichert werden. „Dies kann zum Beispiel durch ein spezielles, verschließbares Case erfolgen oder ganz einfach dadurch, dass die Hardware fest mit dem Schrank verschraubt wird“, erläutert Höcherl weiter.

Gefordert wird aber nicht nur die physische Sicherheit der Systeme, sondern vor allem auch die der Daten. „Sogenannte Angriffserkennungssysteme – auf Englisch Intrusion Detection Systems (IDS) – sind hier ein probates und weit verbreitetes Mittel“, so Höcherl. „Dabei handelt es sich in der Regel um softwarebasierte Lösungen. Diese lassen sich hardwareseitig durch einen Intrusion Detection Switch ergänzen, der erkennt, wenn ein Unbefugter versucht, einen Edge Server zu öffnen oder anderweitig die Hardware zu manipulieren, zum Beispiel indem eine der Schnittstellen missbräuchlich verwendet wird.“ Ein solcher Intrusion Detection Switch sei zudem dazu in der Lage, die Zerstörung des lokalen Schlüssels zur Datenverschlüsselung auszulösen, sollte es ein Notfall erfordern.

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Wichtig: zuverlässiges Monitoring

Darüber hinaus müssen Verantwortliche sicherstellen, dass Ausfallzeiten so gering wie möglich sind. Immerhin kann sich eine Wartung an zahlreichen verteilten Standorten als deutlich aufwendiger gestalten. Die Ausfallsicherheit der Edge-Server unterscheidet sich jedoch nicht maßgeblich von herkömmlichen Servern, die beispielsweise für kritische Infrastrukturen eingesetzt werden. So können bei entsprechenden Anwendungen Konzepte vergleichbar mit Hochverfügbarkeits-Clustern eingesetzt werden, die auf mehrere Knoten, Redundanzen und auf die schnelle Migration der Dienste setzen, sollte es zu einem Ausfall kommen. „Dieses Prinzip lässt sich auch auf Edge Computing anwenden, wenngleich hier die sonst häufige räumliche Trennung der Systeme unter Umständen ungleich schwerer fällt“, sagt Höcherl.

Damit es aber möglichst erst gar nicht zu Ausfällen kommt und die Server immer korrekt arbeiten, braucht es ein zuverlässiges Monitoring und eine regelmäßige Wartung. Meist können die Edge-Server aus der Ferne überwacht und gewartet werden sowie notwendige Software-Aktualisierungen erhalten. Bei einem Defekt der Hardware müssen sie aber vor Ort manuell gewartet werden. Das zu gewährleisten, könnte viele Unternehmen vor Herausforderungen stellen. Vor allem aufgrund des sich zuspitzenden Fachkräftemangels. Denn mit längeren Wegen für den Austausch eines Servers oder von Komponenten steigt auch der Aufwand. Um die IT-Teams so nicht noch zusätzlich zu belasten, „bietet sich die Zusammenarbeit mit lokalen beziehungsweise mobilen Dienstleistern an“, erklärt Höcherl. Zudem ist davon auszugehen, dass die Anwender „hier in Zukunft noch weitere, spezialisierte Service-Angebote am Markt sehen werden“.

Für Unternehmen gilt es daher, zahlreiche Aspekte vor dem Einsatz von Edge-Strukturen zu berücksichtigen. Sie haben in vielerlei Hinsicht andere Voraussetzungen als zentrale Rechenzentren und fordern gezielte Strategien. Sie könnten aufgrund ihrer Vorteile aber künftig zum zentralen Bestandteil in zahlreichen anspruchsvollen Digitalisierungs-Szenarien werden.


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