Platzbeschränkung

Kritik an Rechenzentrumsplänen der Stadt Frankfurt am Main

7. Juli 2022, 7:22 Uhr | Lukas Steiglechner | Kommentar(e)
Datacenter, Rechenzentrum, Serverracks
© Alexmit / 123rf

Ein Rechenzentrumsbeschluss der Stadt Frankfurt am Main sieht vor, dass sich Rechenzentren künftig nur noch auf wenigen kleinen Gebieten ansiedeln sollen. Kritik an den Plänen kommt unter anderem von der German Datacenter Association.

Frankfurt am Main ist Deutschlands Rechenzentrumshauptstadt. Dank der frühen Gestattung an Private zur Verlegung eines Glasfasernetzes wurde die Grundlage dafür gelegt, dass Frankfurt heute den weltweit größten Internetknoten hat und sich Datenzentren und Unternehmen, die auf eine gute digitale Infrastruktur angewiesen sind, hier ansiedeln. Das nun beschlossene Rechenzentrumskonzept der Stadt Frankfurt am Main könnte jedoch die Ansiedlung neuer Datenzentren in der Stadt erschweren, indem die Ansiedlung nur noch auf wenige kleine Gebiete beschränkt werden soll.

Anna Klaft, Sales Director EMEA CBRE und Vorstandsvorsitzende der German Datacenter Association (GDA), appelliert: „Rechenzentren bilden ein wesentliches Fundament der Digitalisierung in Deutschland. Das von der Stadt Frankfurt am Main beschlossene Rechenzentrenkonzept birgt die Gefahr, die Position der Stadt als Digitalstandort insgesamt zu gefährden. In der Folge wird Unternehmen die nötige digitale Infrastruktur fehlen, um Wachstum und digitale Innovationen voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit auch langfristig zu erhalten. Während die Rechenzentrumsbranche allein in Hessen rund 35.000 zukunftssichere Arbeitsplätze schafft und somit Sinnbild für Digitalisierung und Wirtschaftskraft in der Region ist, stellt das Konzept nun einen entscheidenden Einschnitt dar – nicht nur für die Digitalisierungsstrategie des Standorts Frankfurt, sondern potenziell für die gesamte deutsche Wirtschaft“.

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main sollte der Ausbau der digitalen Infrastruktur unterstützt statt ausgebremst werden. „Das Ergebnis einer künstlichen Flächenverknappung wäre eine Bodenpreissteigerung bei den verbleibenden Restflächen und damit eine massive Ansiedlungsbehinderung“, gibt IHK-Präsident Ulrich Caspar zu bedenken. „Der Wirtschaftsstandort würde so geschwächt, denn immer mehr Branchen und Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt von der digitalen Infrastruktur ab – insbesondere die Kreativbranche, die Finanzwirtschaft, Industrie und innovative Dienstleister bewirken mit immer neuen Ideen eine Dynamik, die erforderlich ist, um durch neue, zukunftsfähige Arbeit Wirtschaftskraft zu schaffen“. Vor allem sensible Branchen wie die Finanzbranche seien auf die Verfügbarkeit größter Datenmengen mit Zugriffszeiten von Bruchteilen von Sekunden angewiesen, so der IHK-Präsident. Diese Übertragungszeit werde durch die räumliche Nähe zu den Rechenzentren verkürzt. Außerdem leiste Frankfurt durch den Bau neuer Rechenzentren seinen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele bis 2030. „Knapp die Hälfte der dafür erforderlichen CO2-Einsparungen können durch den Einsatz digitaler Anwendungen erzielt werden, in dem klimaschädliche Produktion ersetzt und durch Energieeffizienz Ressourcen geschont werden“, so Caspar weiter.

„Rechenzentren sind das Herzstück der Digitalisierung und dieses Herz schlägt in unserer Region FrankfurtRheinMain“, betont Thomas Horn, Verbandsdirektor des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain. Damit dies so bleibe und die Region FrankfurtRheinMain ihre Position als internationaler Digital-Hub ausbauen könne, müsse ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass eine erfolgreiche Digitalisierung nicht ohne eine entsprechende Infrastruktur zur Datenübertragung, -verarbeitung und -speicherung voranschreiten kann, so Verbandsdirektor Horn. Der Regionalverband FrankfurtRheinMain begrüße daher die Ansiedlung von Rechenzentren in der gesamten Region. „Nahezu alle unsere 80 Mitgliedskommunen liegen in einem attraktiven 25-Kilometer-Radius um den Internetknotenpunkt DE-CIX herum und eignen sich daher hervorragend für die Ansiedlung von Rechenzentren. Unser aktuelles Flächenmonitoring zeigt zudem: Es stehen von Seiten der regionalen Flächennutzungsplanung noch ausreichend Gewerbeflächen in der Region zur Verfügung“, sagt Horn. „Gerne fördern wir einen offenen regionalen Dialog zwischen allen Akteuren, um gemeinsam die Herausforderungen bei der Ansiedlung von Rechenzentren anzugehen, die auch die Stadt Frankfurt zu ihrem Ansiedlungskonzept bewegt haben. Wenn wir die Ansiedlung von Rechenzentren in der Region willkommen heißen, erwarten wir auch die Einhaltung von Nachhaltigkeitsgrundsätzen sowie einen ökonomischen Nutzen für unsere Kommunen und die Region“, hebt Verbandsdirektor Horn hervor.

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