Fehlerkultur in der IT

IT-Abteilungen brauchen ein gesundes Maß im Umgang mit Fehlern

19. November 2018, 10:36 Uhr | Autor: Holger Engelland / Redaktion: Axel Pomper | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Fehler akzeptieren durch Vorbereitung

Unterstützen kann man den Prozess hin zu einer offenen Fehler- oder Lernkultur, wenn man Fehlern grundsätzlich ihre Brisanz nimmt. Etwa, indem man sie als normal akzeptiert und niemanden deswegen sanktioniert. Die emotionale Seite ist nicht zu unterschätzen. Wenn man weiß, dass einen niemand rügt, wenn etwas schiefläuft, agiert man viel entspannter. Zur Vorbereitung sollten wichtige Fragen vorab geklärt werden: Wen kann ich im Notfall hinzuziehen? Mit welchen Spezialisten arbeiten wir zusammen? Welches Zeitfenster sollte ich beachten, wenn Störungen das Tagesgeschäft einschränken und womit kann ich überbrücken? Solche und weitere Fragen gehören zu einem Plan B und sind wichtig zu beantworten. Je besser eine Abteilung auf Zwischenfälle vorbereitet ist, desto weniger fürchtet sie diese. Im Ernstfall hat man dadurch einen kühleren Kopf. In der Praxis ist etwa jede zweite IT-Abteilung nicht ausreichend auf den Ernstfall vorbereitet. Nur 45 Prozent haben einen klar definierten Prozess zur Behebung von Datenverlust.

Rechtzeitig Hilfe holen: Wann externe Hilfe gebraucht wird

Nicht nur die Frage, wen man zur Hilfe holt, sollte vorab geklärt werden, sondern auch wann. Hat das Backup versagt und die Daten bleiben trotz Serverneustart verloren, kann meist nur noch ein Data-Recovery-Spezialist helfen. Vor allem, wenn die Ursache des Datenverlustes unklar ist, sollten Unternehmen von Selbsthilfemaßnahmen absehen. Denn eine Datenrettung erfordert hohes technisches Wissen sowie einen voll ausgestatteten Reinraum oder ein Datenrettungslabor, das nicht einmal große Unternehmen mit einer eigenen IT-Abteilung besitzen. Sie sind auch die letzte Station für physisch zu Schaden gekommene Hardware.

Experten zu Rate ziehen: Darauf sollten Sie achten

Bei mechanischen Defekten, Fehlern in virtuellen Festplatten oder wenn Festplatten vom Server nicht mehr erkannt werden, sind Do-it-yourself-Lösungen zur Wiederherstellung wirkungslos. Doch weil bei Datenrettungsversuchen viel falsch gemacht werden kann, sollte der Experte mit Bedacht engagiert werden. Bei der Auswahl eines Datenrettungsspezialisten hilft folgende Checkliste:

  • Ausstattung prüfen: Verfügt der Dienstleister über einen voll ausgestatteten Reinraum und ein Datenrettungslabor zur Reparatur von Festplatten und Flash-Speichern?
  • Expertise prüfen: Hat der Profi Erfolge vorzuweisen? Hat er viel Erfahrung mit verschiedenen und komplexen Systemen? Hier lohnt sich auch ein Blick auf die Erfolgsquote. Normalerweise lassen sich 90 bis 95 Prozent der Daten wiederherstellen.
  • Angebot prüfen: Wie schnell kann der Experte die Daten rekonstruieren und gerettete Datenbestände an Kunden liefern? Oftmals lässt sich die Zeit ohne Daten nur wenige Tage lang gut überbrücken. Dauert die Wiederherstellung zu lange, kann das geschäftskritische Auswirkungen haben. Ein guter Datenrettungsdienstleister ist in den meisten Fällen in der Lage, innerhalb weniger Tage die Daten zu liefern. Er bietet außerdem eine Express-Lieferung in wenigen Stunden an.
  • Datenschutz prüfen: Liefert der Dienstleister die Daten verschlüsselt an den Kunden? Erfüllt er die neuesten Datenschutzrichtlinien? Meist werden ihm äußert sensible und geschäftskritische Daten anvertraut, mit denen er gewissenhaft umgehen sollte.

Wenn alle Punkte mit „Ja“ beantwortet werden können, ist der Spezialist wahrscheinlich geeignet für den Job. Denn bei der Herstellung von Daten bleibt meist nur ein Versuch – schlägt dieser fehl, weil der Dienstleister einen Fehler macht, können Daten auf ewig verloren bleiben.

Auch an dieser Stelle zeigt sich wieder, wie wichtig eine gute Fehlerkultur ist. Denn es ist nicht nur ein ganz wichtiger Bestandteil, sich Fehler einzugestehen, sondern auch zu wissen, wie man sich rechtzeitig Hilfe holt, bevor man die Situation verschlimmbessert. In Zeiten, in denen Daten von immer größerer Bedeutung für den Fortbestand eines Unternehmens sind, wird früher oder später auch die Relevanz von Backup-Strategien und Notfallplänen zunehmen. Wer hier intern keinen gesunden Umgang mit Fehlern pflegt, dem wird das Thema auf die Füße fallen.

Holger Engelland ist Leiter des Datenrettungslabors bei Ontrack

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