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Datenaustausch

Gründe fürs Peeren

14. Juli 2020, 15:10 Uhr   |  Autor: Thomas King / Redaktion: Sabine Narloch | Kommentar(e)

Gründe fürs Peeren
© Shanna Korby - Fotolia.com

Der Zusammenschluss von gleichrangigen Computernetzwerken zum Datenaustausch, das so genannte Peering, kann Vorteile gegenüber anderen Alternativen bieten, wie Thomas King, CTO von DE-CIX, aufzeigt.

Unter Peering versteht man die Zusammenschaltung von Internet Service Providern, Content Providern, Netzwerk Service Providern und Unternehmen mit eigenem Netzwerk an einem Internetknoten. Aber warum eigentlich Peeren? Einige Aspekte, wo mögliche Vorteile gegenüber anderen Alternativen wie beispielsweise Transit liegen.

  1. Geringere Kosten, höhere Qualität
    Peering hilft dabei, die AS-Pfade zu anderen Netzen im Vergleich zum klassischen IP-Transit zu verkürzen. Dabei kann es vorkommen, dass das Zielnetz ein AS ist, hinter dem bis zum IP-Transit-Upstream etliche weitere AS liegen. Mit Peering lassen sich direkte oder nähere Routen zu interessanten (hochvolumigen) Netzwerken realisieren. Nicht nur wegen der erhöhten Kontrolle und verbesserten Qualität ist Peering die bessere Alternative zu Transit. Oftmals sind auch die Kosten, den Datenverkehr über einen Internetknoten zu routen, günstiger. Ausnahmen sind je nach Einkaufsregion und je nach Nutzungsvolumen der Peering- und Transit-Ports möglich. Aber jenseits der Kostendiskussion hat gepeerter IP-Datenverkehr in der Regel das bessere Qualitätsniveau.
     
  2. Sinkende Latenz
    Bei der Internetqualität geht es um Latenz, Paketverluste und Durchsatz. Kurze Pfade zu allem, was in der Nähe ist, sind entscheidend. Die Latenz ist einer der wichtigsten Faktoren in IP-Netzwerken im Hinblick auf Stabilität und Anwendungen wie VPN, MPLS, Gaming, Terminalserver-Nutzung, Sprachverbindungen, VoIP-Verbindungen, DNS, HTTP, Streaming und viele andere. Transit bedeutet in den meisten Fällen einen unbekannten, unvorhersehbaren und intransparenten Datenweg. Mit Peering erhalten Unternehmen die Kontrolle darüber, wo Ihr Netzwerk Daten mit anderen wichtigen Netzwerken austauscht. Sie kontrollieren die Übergabe des Traffics (welche Stadt/welcher Internetknoten) und haben die Kontrolle über ihren Backhaul und die Peering-Port-Nutzung. Da das korrespondierende Netzwerk ebenfalls Kontrolle über dieselben Parameter hat, gewährleistet dies eine kontrollierte Ende-zu-Ende-Abwicklung der Verkehrsströme.
     
  3. Gesteigerter Datendurchsatz
    Der Transport von Daten über Transit-Carrier erfolgt über eine private Netzwerkverbindung (PNI) zwischen den beteiligten Tier1- oder Tier2-IP-Carriern. PNIs bedeuten Kosten, Arbeit, Wartung und Organisation zwischen diesen Carriern. Daher erfolgen Upgrades von PNIs zwischen großen Carriern nicht immer rechtzeitig. Datenverkehr über überlastete PNIs zu senden wird trotzdem eine Zeit lang funktionieren, auch ohne merkliche Latenz oder Paketverlust. Aber das wird in jedem Fall eine begrenzte Datenrate pro User mit sich bringen. Wenn User also Videos oder Streamingdienste über das Internet nutzen, kann es zu vielen Unterbrechungen durch Buffering-Phasen und einer schlechten User Experience kommen. Bei der Nutzung von Peering-Diensten sorgt dagegen der Interknoten dafür, dass immer ausreichend Bandbreite zur Verfügung steht.
     
  4. Höhere Stabilität
    Während IP-Transit immer nur ein Best-Effort-Verfahren ist, bietet Peering direkten Zugang zu vielen Traffic Partnern, ohne dass andere Netzwerke dazwischen liegen. Peering-Präsenzen sind in vielen Netzen zentrale POPs des Netzes. Das bedeutet Redundanz bei Backhauling, Router-Hardware und Peering Ports. Die Präsenzen an Internetknoten sind das Herzstück der weltweit wichtigsten Content-, Gaming-, Streaming- und Social-Netzwerke und werden daher gut gepflegt. Durch die direkte Anbindung an Internetknoten sichern sich Unternehmen die Traffic-Routen zu diesen wichtigen Netzwerken. Wenn es einen Ausfall beim Peering gibt, kann man auf die IP-Transit-Anbindung zurückgreifen. Abgesehen davon erhalten Unternehmen in der Regel ein besser funktionierendes Netzwerk, dank weniger Latenz, weniger Jitter, weniger Paketverlust und mehr Durchsatz, was sich ebenfalls auf die Stabilität eines Netzwerkes auswirkt.
     
  5. Zusammenarbeit mit Partnern
    Unternehmen, die Peering nutzen, haben damit eine direkte Netzwerk-zu-Netzwerk-Anbindung. An Internetknoten ergibt sich so der Zugang zu etlichen Netzwerken. Das bedeutet wiederum eine entsprechend hohe Anzahl potentieller Partner für Kauf und Verkauf von MPLS-Verbindungen. Es gibt keine zusätzlichen Kosten für teure Glasfaser-Patchkabel oder Probleme durch nicht übereinstimmende Standorte von Rechenzentren.

Dr. Thomas King ist CTO von DE-CIX

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