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Flächen vermieten reicht nicht

27. Mai 2020, 10:30 Uhr   |  Autor: Florian Sippel / Redaktion: Sabine Narloch | Kommentar(e)

Flächen vermieten reicht nicht
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Veraltete eigene Rechenzentren sind der Grund, warum sich immer mehr Unternehmen einen IT-Dienstleister suchen. Doch mit dem Anmieten von einer Colocation-Rechenzentrumsfläche ist es meist nicht getan. Der Service ist entscheidend.

Für Rechenzentrumsbetreiber gilt: Nur Fläche anbieten reicht nicht mehr, denn die Kunden stehen unter großem Druck. Schließlich brauchen sie einerseits zukunftssichere Kapazitäten für steigende IT-Anforderungen; andererseits müssen sie immer höhere Compliance-Anforderungen erfüllen. Der Rechenzentrumsbetreiber sollte deshalb nicht nur einen deutlichen Qualitätssprung in der Infrastruktur bieten, sondern darüber hinaus den Kunden bei der Weiterentwicklung seiner IT und der Zertifizierung seiner Prozesse unterstützen.

Infrastruktur mit Cloud-Option
Typische Beispiele für den Aspekt Infrastruktur sind physische Sicherheit oder Hochverfügbarkeit. An dieser Stelle soll jedoch anhand der Effizienz eine Linie von den baulichen Voraussetzungen zu den ausschlaggebenden Services gezogen werden: Strom bleibt nach wie vor ein wesentlicher Kostenfaktor in Rechenzentren. Doch moderne Systeme und RZ-Infrastrukturen bewirken deutliche Einsparungen: So wird beispielsweise beim Kyoto Cooling statt über enge Kanäle in doppelten Böden permanent ein großer Luftstrom zur indirekt freien Kühlung auf die Fläche gelenkt. Das reicht, um auf der ganzen Fläche Racks mit bis zu 60 Höheneinheiten für die High-Density-Nutzung zu kühlen. Das Ergebnis zeigt sich bei entsprechend ausgerüsteten Rechenzentren in stark verbesserten PUE-Werten (Power Usage Effectiveness). Lagen diese Werte früher bei 2,0 und höher, lassen sich Rechenzentren auf dem heutigen Stand im Endausbau mit PUE-Werten von unter 1,2 betreiben. Das schafft wiederum neue Möglichkeiten: Der erwärmte Luftstrom von der IT-Fläche kann über einen hohen Deckenraum in die Kyoto-Zellen zurückgeführt werden. In diesem begehbaren Zwischengeschoss lassen sich Racks voller Cloud-Server positionieren, die auch bei plus 40 Grad Celsius dauerhaft arbeiten. Ihnen reicht die Abluft der regulären Rechenzentrumsfläche zur Kühlung.

PaaS-Provider für Zeiten der Transformation
Eine solche Infrastruktur mit darüber gelagerten Cloud-Servern ermöglicht es dem Rechenzentrumsbetreiber, für den Kunden am gleichen Standort auch eine Cloud-Plattform zu betreiben. Migration in die Cloud ist heutzutage Teil fast jeder zukunftsweisenden IT-Strategie. Neue Applikationen werden „Cloud native“ konzipiert und Digitalisierungsprojekte zeichnen sich regelmäßig durch Forderungen nach skalierbaren Ressourcen aus. Weil nur wenige Unternehmen rein cloudbasiert arbeiten können, etablieren sich aber hybride Infrastrukturen. Wenn Unternehmen auf hybride Infrastrukturen setzen, benötigen sie meist einen Dienstleister, der nicht nur Erfahrung in beiden Bereichen hat, sondern auch über Rechenzentren verfügt, in denen neben Legacy-Systemen und klassischer IT auch Cloud-Infrastrukturen angeboten werden. Latenzen lassen sich so vermeiden und die Unternehmen können ihre Anwendungen schrittweise modernisieren beziehungsweise hybrid betreiben.

Neben rein technischen Anforderungen, wie zum Beispiel hochverfügbare Systeme aufzubauen und zu pflegen oder sich gegen Cyberbedrohungen abzusichern, gibt es einen weiteren wichtigen Grund, warum Unternehmen ihre IT auslagern können: Compliance. Organisationen und Unternehmen, die unter die KRITIS-Regelungen fallen, sind gezwungen, IT-Sicherheit auf dem neuesten Stand der Technik nachzuweisen. Genau dies können sie aber immer seltener mit eigenen Mitteln sicherstellen. Das Gleiche gilt für Unternehmen, die branchenspezifischen Vorschriften unterliegen – zum Beispiel dem TISAX (Trusted Information Security Assessment Exchange) der Automobilbranche.

Lassen Rechenzentrumsdienstleister ihren Betrieb nach den entsprechenden Normen ausrichten und zertifizieren, können sie Kunden gegebenenfalls entlasten; zum Beispiel, indem sie zumindest einen Großteil ihrer Verpflichtungen abdecken – etwa in Bezug auf den Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS). Für Unternehmen auf der Suche nach Rechenzentrumsflächen kann es sich also lohnen, nach Zertifizierungen für durchgängige Qualität sowie Sicherheit im Service- und Informationssicherheitsmanagement nach ISO/IEC 20000-1, ISO/IEC 27001 und ISO 9001 zu fragen. Im Bereich „Sicherheitsmanagement für bauliche Objekte“ gibt es Rechenzentren, die nach VdS-Richtlinie 3406 zertifiziert sind; diese können die maximalen Verfügbarkeits-, Schutz- und Energieeffizienzklassen ihrer Rechenzentren nach EN 50600 bestätigen.

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2. Aspekt: Service Management

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