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Ein Klimasünder, ohne den es nicht geht

Datacenter
© Iakov Filimonov / 123rf

Rechenzentren sind zu einem integralen Bestandteil der heutigen Lebensrealität geworden. Doch damit geht auch eine Abhängigkeit einher. Abhängigkeit bedeutet aber nicht gleich Machtlosigkeit.

Anfang Oktober 2021 sind Facebook, Instagram und WhatsApp für mehrere Stunden ausgefallen. Der Grund: eine Fehlkonfiguration, die die Verbindung mit den Rechenzentren des Facebook-Konzerns blockierte. Viele NutzerInnen kompensierten den Ausfall notgedrungen mit SMS und Telefonaten, um in einer eigentlich vernetzten Welt weiterhin in Kontakt bleiben zu können. Spannend ist jedoch vor allem die erneute Erkenntnis, wie abhängig die Gesellschaft und damit auch die Wirtschaft von der digitalen Welt sind — und somit auch von Rechenzentren.

Mit dieser Abhängigkeit stellt sich aber auch die Frage der Verantwortung. Denn die Rechenzentren sind nicht nur das Rückgrat, sondern auch einer der größten Klimasünder der digitalen Welt. Durch immensen Stromverbrauch, riesige Mengen an Elektroschrott sowie Energieverlust durch mangelnde Abwärmenutzung können sie in puncto Nachhaltigkeit oft keine gute Bilanz vorweisen. Doch wie lässt sich in diesem Spannungsfeld aus zunehmender Abhängigkeit und steigendem Ressourcenbedarf Druck ausüben, um mehr Nachhaltigkeit zu erreichen?

Unternehmen können ihre Ansprüche laut machen. Denn Abhängigkeit bedeutet nicht gleich Machtlosigkeit. Wie bei jedem Produkt und jeder Dienstleistung können Nutzer ihre Kriterien ansetzen, um so die Nachfrage nach klimafreundlicheren Rechenzentren zu stärken. Das kann Energieeffizienz beinhalten, aber auch Langlebigkeit von Hardware sowie eine gewinnbringende Abwärmenutzung. Der Druck der Nutzer kann Rechenzentren auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeit beeinflussen – doch ist er nicht der einzige Aspekt. Sind Rechenzentrumsbetreiber nicht klimaneutral oder wollen es nicht werden, stehen Unternehmen in der Verantwortung, dies zu fordern oder schlimmstenfalls den Anbieter zu wechseln. Gleichzeitig müssen sich Betreiber ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Da Rechenzentren mittlerweile dazu beitragen, ein Grundbedürfnis zu erfüllen, haben vor allem die großen Betreiber auch die soziale Verantwortung, ihr Geschäftsmodell möglichst nachhaltig zu gestalten.

Das wohl wichtigste Argument für viele Unternehmen, das für ein klimafreundliches Rechenzentrum spricht, ist jedoch die Wirtschaftlichkeit. Denn letztlich führen Maßnahmen zur Klimaneutralität im Rechenzentrum, nach anfänglichen Investitionen, meist zu einer besseren Energieeffizienz. Das gilt nicht nur für den Verbrauch von Servern und Speichereinheiten. Auch entsprechende Kühlmethoden und Konzepte zur Abwämrenutzung sind für eine nachhaltige Strategie essenziell. Am Ende profitiert immer wieder der Betreiber – nicht nur durch seine Reputation, sondern in vielen Belangen auch finanziell .

Mittlerweile sind Begriffe wie „Nachhaltigkeit“ oder „Klimaneutralität“ in der Datacenter-Branche angekommen, viele Betreiber rücken sie in ihren Marketing-Kampagnen in den Fokus. Im Zuge des aktuellen Diskurses ist das kaum verwunderlich. Aber sind die vielen Klimaversprechen gerade in dieser Zeit Zufall? Marketing? Oder doch nur konkurrierendes Kalkül im Markt? So oder so wird es immer schwieriger, die ernsten Klimaschutzmaßnahmen von den Greenwashing-Phrasen zu trennen. Umweltsiegel wie der „Blaue Engel“ legen allerdings den Grundstein, um es Datacenter-Kunden zusehends leichter zu machen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

In Hinblick auf das Datenwachstum der kommenden Jahre sowie den steigenden Bedarf an Rechenleistung im Zuge von Trends wie Künstlicher Intelligenz und Big Data steht aber außer Frage: Die Datacenter-Branche kann es sich nicht leisten, das Thema Nachhaltigkeit auszuklammern oder die Umsetzung nur halbherzig anzugehen. Nachhaltigkeit muss von allen Seiten mitverantwortet und mitgedacht werden.

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