Ein Kommentar von Adacor Hosting

Die sechs Irrtümer über DIE Cloud

4. Oktober 2016, 10:20 Uhr | Thomas Wittbecker | Kommentar(e)
Thomas Wittbecker  Adacor Hosting
Thomas Wittbecker kennt sich als CEO der Adacor Hosting mit Theorie und Praxis der Cloud aus.
© Adacor

Cloud-Anbieter verändern den Umgang mit IT. Aber nicht jede Vision oder jede Marketingaussage bewährt sich in der Praxis. Thomas Wittbecker, CEO der Adacor Hosting, listet die häufigsten Irrtümer in Bezug auf die Cloud auf.

Ein Kommentar von Thomas Wittbecker, CEO der Adacor Hosting: “Eines gleich vorneweg: Ein grundlegender Irrtum besteht in dem Eindruck, es gebe ‘DIE Cloud’. Selbst wenn in allen möglichen Medien von der Cloud die Rede ist, handelt es sich in Wahrheit um ganz unterschiedliche Serviceangebote. Und diese haben nur wenig gemeinsam. So sind Softwareas-a-Service-Angebote wie Wunderlist oder Evernote ebenso Cloud-Services wie Amazon Cloud (AWS) oder Microsoft Azure. Es gibt tausende Angebote, die unterschiedlichste Dienste über das Internet zur Verfügung stellen.

Konkret möchte ich in diesem Artikel primär Infrastruktur- oder Plattform-as-a-Service-Anbieter wie Amazon, Microsoft oder Google ansprechen. Natürlich gibt es mittlerweile viele Anwender, die sich wirklich gut mit Cloud-Diensten auskennen und damit sinnvolle und tolle Sachen machen. Aber genauso gut begegnen mir – besonders im Management – Vorstellungen, die eher von den Visionen aus Marketing und Presse, denn von der Praxis geprägt sind.”

1. IRRTUM: Günstigster Preis ist gleich bestes Angebot.

Auf den ersten Blick erscheint die Auswahl eines Cloud-Anbieters recht einfach. Man vergleicht Preis und Leistung, wie viel RAM, CPU und Storage bekomme ich für welchen Preis. Damit fängt das Dilemma an.

Wir leben in einer virtualisierten IT-Welt. Virtualisierte Server, Storage und Netzwerk sind nicht greifbar. Es gibt keine einheitlichen Leistungsparameter, über die ich Preis und Leistung vergleichen kann. Wie viel CPU-Leistung meine virtuelle Maschine (VM) im praktischen Einsatz besitzt und ob diese immer bereitsteht, wenn ich sie brauche, erfahre ich nur in der Praxis oder durch umfangreiche Tests. Gleiches gilt für die Input- und Output-Performance meines Speichers. Eines wird damit klar: Es braucht viel praktische Erfahrung, um das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für ein Projekt zu bestimmen.

Sobald die Projekte komplexer werden, wird auch das Preismodell komplizierter. Gerade bei AWS gibt es unglaublich viele den Preis beeinflussende Parameter. Das führt zu der Situation, dass selbst erfahrene Cloud-Nutzer nicht mehr in der Lage sind, die Projektkosten im Vorhinein präzise zu bestimmen.

2. IRRTUM: Die Cloud ist immer günstiger.

Die Erwartungshaltung eines Einkäufers oder Entscheiders lautet üblicherweise: Ich gehe in die Cloud und alles wird billiger. Das kann so sein, muss es aber nicht. Der Vorteil der IaaS-Anbieter (Infrastructure as a Service) liegt in der flexiblen Nutzung von Ressourcen und deren Skalierung. Damit kann man beim passenden Szenario in der Tat Kosten sparen. Wenn man aber keine flexiblen Anforderungen hat (und das ist überraschend häufig der Fall), keine Skalierungsszenarien, sondern durchgehend und längerfristig eine bestimmte Performance benötigt, dann kann ein klassischer Betrieb auf eigener Hardware deutlich günstiger sein. Gerade dann, wenn das Unternehmen ein eigenes oder gemietetes Rechenzentrum einsetzt und über ein Team aus guten Administratoren verfügt.

Ein Beispiel: Eine klassische interne Business-Anwendung mit leistungsfähiger Datenbank wird auf zwei oder drei gleichbleibend, leistungsfähigen Servern installiert und steht sieben Tage die Woche rund um die Uhr zur Verfügung. Das muss so sein, damit man auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten darauf zugreifen kann. Wird eine solche Konstellation in die Cloud verlagert, müsste man sie genauso abbilden. Dadurch würde man weder von der Flexibilität, noch von den Skalierungsmöglichkeiten profitieren. Wenn Rechenzentrum und Administratoren schon vorhanden sind, bin ich mir sicher, dass der Betrieb auf eigener Hardware mit eigener Infrastruktur günstiger ausfällt.

Adacor verfügt als Hosting-Unternehmen über das komplette Instrumentarium. Dennoch setzen wir nicht alles mit Cloud-Technologien um. Häufig bietet der klassische Ansatz einfach ein besseres Preis-/Leistungsverhältnis. Auch wenn das den Einkauf manchmal irritiert.

 

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