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Start-up Actyx

Die digital vernetzte Fabrik

15. Dezember 2020, 08:30 Uhr   |  Autorin: Diana Künstler / Redaktion: Alexandra Hose | Kommentar(e)

Die digital vernetzte Fabrik
© Actyx

Das Softwareprogramm ActyxOS wird direkt auf Tablets, Smartphones oder Gateways installiert. Es sorgt dafür, dass Daten automatisch zwischen den Endgeräten ausgetauscht und gespeichert werden.

Die Digitalisierung in Fabriken stellt hohe Anforderungen an die Steuerungssysteme, da alle Prozesse reibungslos ineinandergreifen müssen. Die Plattform von Actyx soll es Entwicklern ermöglichen, "fabriktaugliche" Apps programmieren zu können.

funkschau: Herr Fischer, geben Sie doch bitte einen kurzen Abriss zum Unternehmen Actyx. Wo liegen die Wurzeln des Start-ups?

Maximilian Fischer: Wir bieten eine Software-Plattform zur Digitalisierung von Fabrikprozessen an. Fabriken sind sehr komplexe Systeme, bei denen viele Maschinen und Menschen perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen, um ein Produkt zur richtigen Zeit in der richtigen Menge zu produzieren. Software ist dabei extrem nützlich, um Prozesse effizient und flexibel zu steuern. Bisher haben die meisten Fabriken allerdings wenig Software auf dem Shopfloor im Einsatz, da diese oft teuer und unzuverlässig ist. Das ändern wir mit unserer Plattform: Sie bietet die Basis für Entwickler, sehr schnell Apps zu programmieren, die Prozesse in der Fabrik digitalisieren.

Wir haben Actyx mit dem Ziel gegründet, eine Software-Plattform zu bauen, ohne aber im Detail zu wissen, was die Anforderungen an diese sind. Daher haben wir zunächst damit angefangen, kundenindividuelle Lösungen für erste Fabriken zu entwickeln und zu implementieren. So konnten wir lernen, was eine Software-Plattform können muss, damit Fabriken davon profitieren. Mittlerweile implementieren wir keine Lösungen für Fabriken selber, sondern bieten externen Entwicklern die Möglichkeit, relativ schnell Apps zu programmieren.

Actyx Gründer
© Actyx

Die Gründer von Actyx (v.l.n.r.): Roland Kuhn, Oliver Stollmann und Maximilian Fischer

funkschau: Für ein Start-up ist die Suche nach entsprechenden Geldmitteln unerlässlich und auch überlebenswichtig. Wie finanziert sich Actyx?

Fischer: Wir haben natürlich Kundenumsätze und greifen für ein beschleunigtes Wachstum auf Investitionskapital von Investoren und Business Angels zurück. Um sich als Plattformanbieter zu etablieren, muss man schnell wachsen, und das ist durch eine reine Finanzierung aus Kundenprojekten schwer zu realisieren.

funkschau: Und wohin soll dieses Wachstum das Unternehmen führen, was ist Actyx’ mittel- und langfristige Roadmap?

Fischer: Wir wollen die dominierende Plattform für Fabriksoftware werden. Es gibt 600.000 Fabriken auf der Welt mit mehr als 50 Mitarbeitern – in denen wir mit unserer Software gerne dabei sein wollen. Ein wichtiger nächster Schritt für uns ist die Etablierung eines Marktplatzes, auf dem Fabriken Standard-Apps von unseren Partnern beziehen können. Dadurch wird es deutlich einfacher für Fabriken, Softwarelösungen zu beziehen.

funkschau: Wie gut ist Ihrer Meinung nach die Industrie in Sachen Digitalisierung hierzulande aktuell schon aufgestellt?

Fischer: Wir haben in Deutschland eigentlich sehr gute Voraussetzungen. Es gibt viele Industrieunternehmen mit sehr tiefem Know-how über Fertigungsprozesse und auch sehr viele gut ausgebildete Softwareentwickler. Die Digitalisierung der Industrie hat aber gerade erst begonnen, auch andere Länder stehen erst am Anfang. Wir brauchen aber mehr Risikofreude und Geschwindigkeit in der Umsetzung. Südkorea plant beispielsweise in den nächsten Jahren 30.000 Smart Factories zu bauen; die Ambition ist schon beeindruckend. Man sieht aber, dass sich in Europa etwas tut, allen voran bei VW und der Cloud-Kooperation mit AWS. Das wird definitiv ein positiver Beschleuniger sein. 

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1. Die digital vernetzte Fabrik
2. "Technologie sollte nie ein Selbstzweck sein"

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