Datenmanagement

Die Datenflut von übermorgen

11. Dezember 2019, 13:35 Uhr | Autorin: Natalie Lauer / Redaktion: Sabine Narloch | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Ökonomie sticht Technologie

Insbesondere bei großen Kapazitäten spielt der Kostenfaktor eine bedeutende Rolle. Markus Leberecht, Senior Cloud Solutions Architect bei Intel, sieht die Krux in den immer günstigeren Preisen der verschiedenen Speichermedien selbst: „Von den Trends der Vergangenheit kann man schon davon ausgehen, dass Speicherkapazität mehr und günstiger pro Bit werden wird, und das auf absehbare Zeit hin. Das ist wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum überhaupt so viele Anwendungen entstanden sind, dass wir überhaupt eine Art Datenflut bekommen konnten. Würden die Preise anders aussehen, würde man gar nicht erst so viele Daten transportieren, speichern und verarbeiten wollen.“ In puncto Kosten pro Kapazität hat der Offline-Speicher Tape zweifellos die Nase vorne, gefolgt von Festplatten. „Wir sehen in Kosten pro Kapazität zwischen Festplatten und SSDs immer noch einen Faktor acht bis zehn. Die Schere hat sich in den letzten Jahren nicht besonders geschlossen und wird es voraussichtlich auch in nächster Zeit nicht tun,“ so Kaese. SSDs bieten zwar viele Vorteile, aber sie werden den Festplatten vermutlich auch künftig aus Kostengründen nicht den Rang ablaufen. So sieht das auch Olaf Dünnweller, Area Vice President EMEA Central bei Commvault: „Der Markt zeigt, dass sich Unternehmen immer mehr darauf fokussieren, essentielle Daten auf schnellere Medien abzuspeichern. SSD-Speichersysteme sind schnell, zuverlässig, zeichnen sich durch eine geringe Latenz aus und wir haben im Grunde genommen eine Faktorisierung an Datendurchsatz. Auf der anderen Seite müssen wir auch den damit verbundenen Kostenfaktor in Betracht ziehen.“

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„Potenziell kann das Ergebnis von der Technologie und der Methode, wie Daten damit kreiert werden, die komplette Speicherindustrie noch vor ungeahnte Herausforderungen stellen“, so Rainer Kaese, Senior Manager Business Development Storage Products bei Toshiba Electronics Europe.
© Toshiba Electronics Europe

Doch mit einem überschaubaren Preis allein ist es nicht getan. „Selbst wenn der Fall einträte, dass SSDs pro Kapazität plötzlich dasselbe Preisniveau wie Festplatten aufweisen, haben wir ein Problem,“ meint Kaese. Im Jahr 2018 produziert die Festplattenindustrie 800 Exabyte. Im gleichen Zeitraum lieferte die SSD-Industrie 100 Exabyte an Datenträgern. Bereits eine Anhebung des SSD-Anteils auf 20 Prozent kommt einer Verdopplung des gegenwärtigen Bestands gleich. „Verschiedene Firmen investieren zugunsten eines Anstiegs des SSD-Anteils in Summe etwa um die 100 Milliarden Euro,“ so Kaese weiter. Die Kosten bei einer hundertprozentigen Umstellung auf SSDs würden jedoch den Rahmen des Möglichen sprengen. Das Ganze ist neben der Kosten- aber auch eine Zeitfrage, meint Kaese: „Vielleicht wäre der SSD-Bedarf schneller produziert und installiert als ein Hauptstadtflughafen, aber ein, zwei oder drei Jahre würde das sicher in Anspruch nehmen. In dieser Zeit müssen wir nicht nur 800 Exabyte bewältigen, sondern vielleicht, wie die IDC sagt, 3.000 oder 4.000 Exabyte. Das sind umgerechnet dann etwa 3.000 bis 4.000 Milliarden, die hierfür an Investitionen anfallen. So viel Geld kann man für Speicher gar nicht aufbringen.“ Nicht zuletzt deshalb werden Festplatten weiterhin ein fundamentaler Bestandteil der Datenspeicherlandschaft bleiben.

Daten sind Energiefresser
Die Festplattenkapazitätsraten von Rechenzentren weltweit verdoppeln sich in der Regel alle zwei Jahre. Waren es im Jahr 2014 noch rund 100 Exabyte, stiegen die Kapazitäten 2016 auf 200 Exabyte an. 2018 verzeichnen die Statistiken 400 Exabyte und für das Jahr 2020 wird von etwa 800 Exabyte ausgegangen, 2022 erhöhen sich die Kapazitäten vermutlich auf 1200 Exabyte. Dementsprechend steigt der Energieverbrauch an. Kaese beziffert die gesamte jährliche Verlustleistung der Festplatten auf etwa 500 Megawatt. Zum Vergleich: Ein mittleres Atomkraftwerk hat eine Nennleistung von etwa 1.400 Megawatt. „Allerdings hat sich die Energieaufnahme der Festplatten in den letzten Jahren um bis zu 50 Prozent verringert, da die Industrie mittlerweile über Festplatten verfügt, die nicht mehr mit Luft, sondern mit Helium gefüllt sind“, meint Kaese. Die neuartige Befüllung hat den Nebeneffekt, dass sie eine geringere Reibung bedingt und weniger Energieaufwand zum Drehen der Festplattenspindel nötig ist. Mit fortscheitender Ausmusterung der alten Festplatten sinkt daher auch die Verlustleistung, wodurch die Energiebilanz günstig beeinflusst und der Kapazitätenanstieg bis zu einem gewissen Maß ausgeglichen wird.  


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