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Der Grund für die Übernahme von Xilinx durch AMD

11. Oktober 2020, 21:24 Uhr   |  Autor: Frank Riemenschneider | Kommentar(e)

Der Grund für die Übernahme von Xilinx durch AMD
© Elektronik | G. Stelzer

Dr. Lisa Su, President und CEO von AMD.

x86-Prozessorhersteller AMD übernimmt den FPGA-SoC-Hersteller Xilinx für 35 Mrd. Dollar. Der Grund ist, dass Xilinx große Investitionen in Beschleuniger- und SmartNIC-Produkte für Rechenzentren und 5G-Implementierungen getätigt hat und AMD damit Marktanteile von Intel gewinnen kann.

Xilinx Produkte zielten traditionell auf verschiedene Märkte wie Telekommunikation und Automotive, seit 2 Jahren gibt es jedoch eine klare Strategie „Data Center First“, um sich ein größeres Stück vom lukrativen Rechenzentrumsmarkt abzuschneiden, welcher derzeit immer noch von Intel dominiert wird.

Auf Xilix Entwicklerkonferenz 2018 in San Jose wurden eine Reihe von Alveo-Beschleunigerkarten vorgestellt, um Anwendungen von der Datenspeicherung und Datenanalyse bis hin zu maschinellem Lernen und Video-Streaming unterstützen zu können.

Neben dem Rechenzentrum ist die Telekommunikation und 5G ein weiterer strategischer Bereich für Xilinx. Im September 2020 kündigte man ein neues Produkt mit der Bezeichnung T1 Telco Accelerator Card für verteilte O-RAN-Einheiten und virtuelle Basisbandeinheiten in 5G-Netzen an. Die Abkürzung „O-RAN“ (Open Radio Access Network) steht für das Konzept eines offenen Funkzugangsnetzes (RAN) mit interoperablen und standardisierten RAN-Elementen, einschließlich eines einheitlichen Vernetzungsstandards für Hardware ohne eigene Software („White-Box“), sowie offenen Quellsoftware-Elementen von unterschiedlichen Anbietern. Die O-RAN-Architektur kombiniert die Softwaremodule einer Basisstation mit handelsüblicher Hardware, sodass die Basisband-Einheit (BBU) und Funkkomponenten (RRU) mehrerer Zulieferer reibungslos miteinander kommunizieren.

Als Dr. Lisa Su im Jahr 2014 den x86-Prozessorhersteller AMD übernahm, stand das Unternehmen kurz vor der Pleite – Massenentlassungen und nicht konkurrenzfähige Produkte im Vergleich zu dem damals auch noch über seine Fertigung überlegenen Chipriesen Intel ließen nichts Gutes erahnen, der Marktanteil im Rechenzentrumsbereich lag für AMD unterhalb von 5 %. Durch seine neuen Zen-CPUs und die darauf basierenden EPYC-Server-Prozessoren verbunden mit Intels aktuellen Fertigungsproblemen konnte AMD mittlerweile einen zweistelligen Prozentsatz Marktanteil im Rechenzentrum gewinnen, die Marktkapitalisierung beläuft sich derzeit auf rund 100 Mrd. Dollar. Der Aktienkurs von AMD ist alline 2020 um 90 % gestiegen - Corona und der damit einhergehenden Virtualisierung mit Skype, Zoom & Co. sei Dank. Xilinx Börsenwert beträgt aktuell 26 Mrd. Dollar, mehr war u.a. dank des Handelskriegs zwischen den USA und China und dem Wegbrechen des größten Kunden Huawei nicht möglich.

Wenn AMD Xilinx übernimmt, hat man endlich die Produkte, um mit Intels Programmable Solutions Group zu konkurrieren, in der die eigenen FPGA-Produkte und Beschleunigerkarten des Chipriesen angesiedelt sind, die durch die Übernahme von Altera im Jahr 2015 ins Haus kamen. Xilinx hat seine Alveo-Karten auch als konkurrenzfähig gegenüber den GPUs von Nvidia für Rechenzentren positioniert, dort, wo AMD mit seinen GPUs gegen Nvidia derzeit ganz klar den kürzeren zieht.

Was offenbar nur wenige Marktbeobachter wissen – jedenfalls konnte ich es bisher auf keiner deutschen Wirtschaftsseite finden - Xilinx war bereits in den letzten Jahren ein strategischer Technologiepartner von AMD im Rechenzentrum. Als AMD die zweite Generation von EPYC-Prozessoren auf den Markt brachte, war man damit das erste Unternehmen, das CPUs mit PCIe 4.0-Konnektivität auf den Markt brachte, wodurch die PCIe 4.0-kompatiblen Alveo-Beschleunigerkarten von Xilinx endlich ihren höheren Datendurchsatz auch in der Praxis nutzen können.

Man entwickelte gemeinsam eine Xilinx Deep Learning-Lösung, die auf einem EPYC-basierten Server optimiert wurde. AMD schätzt die FPGA-Produkte von Xilinx so ein, dass die eine zehnfache Beschleunigung in einer "breiten Palette von Anwendungen" liefern können mit der Möglichkeit, die FPGAs neu zu konfigurieren, so dass sie "ideal für die wechselnden Arbeitslasten im modernen Rechenzentrum geeignet sind".

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2. Win-Win-Situation

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