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Cloud vs. Edge

David und Goliath

15. Oktober 2018, 10:56 Uhr   |  Redaktion: Axel Pomper


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Losstech: Wieso Micro-Rechenzentren in Zukunft große Datacenter (weitgehend) ablösen werden

Boris Hajek, Geschäftsführer von Losstech
© Losstech

Boris Hajek, Geschäftsführer von Losstech

Als Micro-Rechenzentrum (kurz microRZ) oder auch Edge-Rechenzentrum (kurz Edge-RZ) verstehen unsere Kunden und Partner heute IT-Systeme, die alle Teile eines großen Datacenters auf kleinstem Raum stationär oder sogar transportabel in einer tragbaren Box mit sich bringen. Dazu zählen die Speichersysteme (Storage), die Serversysteme (Compute) und alle benötigten Transportsysteme (Switching) für die Kommunikation untereinander und mit der Außenwelt.

Die Anforderungen an die Robustheit, Ausfallsicherheit, den Betrieb und das Notfallmanagement sind dabei genauso hoch, wie an einen Betrieb in einer professionellen Cloud oder in dem bisherigen lokalen Rechenzentrum.

In den letzten Jahren sind kleine und mittelständische Betriebe  dazu übergergangen, Anwendungen wie Bürosoftware (beispielsweise Office 365, Datev Online), Email- und Kalenderlösungen und Sicherheitslösungen (Webfilter, Mail Hosted Security) nicht mehr lokal in den eigenen Räumen zu betreiben, sondern diese aus der Cloud in einem monatlichen Abrechnungsmodell zu beziehen. Für diese Anwendungen, in denen Daten geteilt und zusammen verarbeitet werden, ist die Cloud eine durchaus sinnvolle Wahl.

Was passiert jedoch, wenn die Datenleitungen von einem Standort in die Cloud-Rechenzentren nicht ausreichend sind, um eine verzögerungsfreie Be- und Verarbeitung zu gewährleisten? Was passiert, wenn die Datenmenge an einem Standort so groß wird, dass eine Übertragung an eine zentrale Stelle, die Auswertung und das Rücksenden einfach zu lange dauern würde?

Wo die Edge ihre Stärken ausspielt

Ich möchte jetzt gar nicht auf das Argument der selbstfahrenden Autos abzielen. Hier ist klar: benötigt eine Information aus einer Messung zu lange in das RZ und zurück, kann es zu Fehlsteuerung und Unfällen kommen. Eine Verarbeitung am Punkt der Datensammlung und eine lokale Auswertung ohne Latenz mit hoher Datensicherheit ist hier klar die bessere Alternative.

Ein weiteres Kundenbeispiel aus dem Landhandel: Hier kommt es während der Ernte darauf an, dass die Wiegestationen tadellos nonstop arbeiten können. Auch ein nur geringer Ausfall oder eine Verzögerung beim Speichern und Verarbeiten der Wiegedaten kann großen Schaden für den Händler und lange Staus und Wartezeiten für die wartenden Traktoren erzeugen. Aus diesem Grunde haben sich unsere Kunden für ein lokales Edge-RZ entschieden, das diese Aufgabe unabhängig von der Zentrale 24/7 ausfallsicher und latenzfrei erledigen kann.

Ähnliches gilt für Produktionsmaschinen – das Schlagwort hier: Industrie 4.0. Vor wenigen Jahren hat ein Kunde seine IT über drei Standorte zentralisiert und neue, leistungsfähige Produktionsmaschinen angeschafft und implementiert. Durch die Intelligenz der Maschinen, die eigenständig Entscheidungen schnell treffen müssen, war eine Übertragung an die Zentrale (oder auch in die Cloud) nicht mit ausreichender Geschwindigkeit möglich. Da am Standort auch die IT-Abteilung und die Rechenzentren abgebaut waren, stellt ein Micro-RZ auch eine sinnvolle Alternative dar. Die temporär anfallenden Daten bleiben an dem Ort wo sie entstehen, belasten die Netzwerke nicht und werden ohne Verzug verarbeitet und stehen den Maschinen zur Verfügung – auch hier: entkoppelt von der IT der Zentrale und damit auch im Notfall autark ohne Unterbrechung. Ein Vorteil des Edge-RZ beziehungsweise des Edge Computing ist eine dezentrale autarke hochverfügbare und sichere IT-Einheit, die zentral verwaltet werden kann, aber dabei dezentral operiert. Als weitere Vorteile werden gesteigerte Verarbeitungsgeschwindigkeit, hohe Performance durch geringere Latenzzeiten sowie die Verarbeitung großer Datenmengen auch bei geringer oder instabiler Internetbandbreite genannt.

Beim Edge Computing ist es wichtig, erhöhte Anforderungen an die verwendeten Systeme zu stellen. Anders als in der Cloud, wo sich ausgebildetes Personal ausschließlich um den sicheren Betrieb der Hardware rund um die Uhr kümmert, sind bei einem Micro-RZ meist keine sicheren Zugangsräume mit besten Betriebsumgebungen für IT machbar. Zum einen gibt es oft nicht die Möglichkeit einer Klimatisierung und daraus resultierend einer extra gesicherten Fläche.

Das Micro-RZ wird oft in den normalen Büroräumen betrieben und ist neben den Umwelteinflüssen (wie beispielsweise Stromschwankungen, Hitze, keine Staubfreiheit) auch den möglichen Angriffen von Menschen und anderen Maschinen ausgesetzt. Hier müssen in
Zukunft durch integrierte Sicherheitsmechanismen eine möglichst umgehende Alarmierung und danach ein Eingreifen über ein sogenanntes Operation Center erfolgen – so wie es heute bei gemanagten Firewalls schon praktiziert wird. Edge-RZs stehen damit durch einen Managed Service einer Cloud nicht nach und bilden die perfekte Ergänzung zu Cloud, zentralisierten IT-Systemen und dezentralen Anforderungen. 

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3. Spacenet: Große Rechenzentren werden auch künftig gebraucht

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