Data Driven Company

Dauerbaustelle Datenintegration

27. September 2022, 7:42 Uhr | Autor: Daniel Gehring / Redaktion: Lukas Steiglechner | Kommentar(e)
Daten
© Krulua / 123rf

Es braucht eine verlässliche Grundlage, um datenbasierte Entscheidungen treffen zu können. Große Datenmengen entstehen zwar in allen Geschäftsbereichen, doch es braucht eine passende Plattform, um die Daten effektiv zu nutzen. Die Integration muss verschiedene Systeme, Tools und Prozesse vereinen.

Unternehmen treffen ihre Geschäftsentscheidungen im Optimalfall auf Basis von Daten und Fakten. Will beispielsweise ein Einzelhandelsunternehmen neue Produkte in sein Sortiment aufnehmen, müssen sich die Verantwortlichen verschiedenste Daten anschauen und analysieren, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Dazu gehören Verkaufszahlen, Marketingdaten, Kenntnisse über die Lieferketten ebenso wie sozioökonomische Informationen oder Wetterdaten. Auf einer solchen Grundlage lässt sich einschätzen, welche Produkte künftig nachgefragt werden und wie das Sortiment entsprechend angepasst werden kann.

Ein solcher Prozess verläuft jedoch in vielen Unternehmen eher kompliziert. Denn wie die IDC-Studie „Data Driven Intelligence in Deutschland“ aus dem Jahr 2021 zeigt, kommt die unternehmensweite Datenintegration in Deutschland nur langsam voran. So verfolgen zwar immerhin knapp drei Viertel der befragten IT- und Fachentscheider eine abgestimmte Vorgehensweise bei der Datenintegration, das geschieht aber vor allem auf Abteilungsebene. Der notwendige übergreifende Blick ist so allerdings nicht möglich.

Gegen manuellen Aufwand und Silodenken

Die Schwierigkeiten beginnen damit, dass sich Daten meist in mehreren Systemen befinden und von unterschiedlichen Teams verwaltet werden. MitarbeiterInnen benötigen viel Zeit, um die benötigten Daten manuell herauszusuchen, umzuwandeln und in einem weiteren System miteinander zu verknüpfen, um aus ihnen wichtige Erkenntnisse ziehen zu können. Oft wissen Mitarbeiter nicht genau, über welche Daten sie überhaupt verfügen und wo sie sich befinden. Auch fehlt bisweilen das technische Know-how, um die Daten entsprechend bereitzustellen. Dies kann zu Verzögerungen führen, sodass die Daten zum Zeitpunkt der Analyse bereits als veraltet gelten und an Relevanz verlieren. Gleichzeitig sind die Daten in solchen Datensilos womöglich nicht in der erforderlichen Qualität vorhanden, da sie nicht ausreichend gepflegt werden. Falsche oder alte Informationen können die Analyse einschränken und sogar Prozesse, etwa für die Personalisierung von Produkten und Dienstleistungen, verhindern. Zusätzlich ist die manuelle Pflege von Daten mit personellem und zeitlichem Aufwand verbunden. Diese Ressourcen werden in den Augen der Verantwortlichen oft an anderer Stelle dringender gebraucht.

Der wohl am häufigsten auftretende Grund dafür, dass Unternehmen eine organisationsweite Datenintegration scheuen, sind die vermeintlich hohen Investitionskosten. Was dabei allerdings nicht beachtet wird: Auch die Kosten für die laufenden manuellen Prozesse summieren sich weiter, wenn alles so bleibt wie es ist. Und je länger gewartet wird, desto aufwendiger wird die Datenintegration. Denn die Menge der Unternehmensdaten nimmt jeden Tag zu.  Überdies ist der Prozess der Datenintegration mit Veränderungen in oft lang bewährten Geschäftsabläufen verbunden, was Widerstände verursachen kann. Auch ist eventuell die Entwicklung neuer Integrations-Tools notwendig. Zudem existieren in manchem Unternehmen nicht nur Datensilos, sondern auch Silodenken in den einzelnen Abteilungen. Wer die volle Kontrolle über die eigenen Daten behalten möchte, hat wenig Interesse an einer unternehmensweiten Zusammenführung von Daten. Ohne die Unterstützung der Mitarbeiter ist ein solches Vorhaben aber von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Deshalb ist es für eine erfolgreiche unternehmensweite Datenintegration essenziell, alle beteiligten Mitarbeiter in den Prozess einzubinden und ihnen die Weitsicht und die Vorteile daraus näher zu bringen: Dazu gehört nicht nur weniger manuelle Arbeit, wie bei der Datenpflege oder der Erstellung von Reportings, sondern beispielsweise auch die Möglichkeit, Trends und Entwicklungen schneller zu identifizieren, Entscheidungen auf Basis von mehr Kontext zu treffen oder die Option, externe Quellen anzubinden. Darüber hinaus kann sich für ein Unternehmen die Skalierung vereinfachen, wenn nicht mehr so viele unterschiedliche Datenbanken, Systeme und Tools im Einsatz sind.

Daten zentral zusammenführen und verarbeiten

Im nächsten Schritt geht es an die praktische Umsetzung der Datenintegration. Dafür benötigen Unternehmen einen zentralen Ort, auf dem alle Daten erfasst, verarbeitet, analysiert und präsentiert werden können. Eine solche Datenplattform sollte in der Lage sein, große Datenmengen aufzunehmen, ohne die internen Systeme und Netzwerke zu überlasten. Vor der Wahl einer entsprechenden Lösung müssen Unternehmen darüber hinaus herausfinden, über welche Funktionen sie verfügen sollte, um für ihre Zwecke geeignet zu sein. Welche Systeme und wie viele unterschiedliche Datenquellen wollen sie beispielsweise anbinden? Und werden in Zukunft weitere hinzukommen? Sind es ausschließlich strukturierte Daten oder auch unstrukturierte? Inwieweit sollen Datenprozesse, wie die Datenbereinigung und -umwandlung, automatisiert werden?

Zudem sollten Unternehmen sicherstellen, dass ihre Plattform Data-Governance-Funktionen bietet, um Daten umfassend verwalten und überwachen zu können. Gerade im Hinblick auf Datenschutz- und Compliance-Anforderungen wie die DSGVO müssen sie in der Lage sein, sensible Daten schnell aufzufinden, zu löschen, den Zugriff auf berechtigte Personen zu beschränken und Änderungen nachzuvollziehen.

Unternehmen können es sich aber grundsätzlich nicht mehr leisten, das Potenzial ihrer Daten weitgehend ungenutzt zu lassen. In ihnen stecken wichtige Informationen zu aktuellen und künftigen Entwicklungen und sie helfen den Verantwortlichen dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen. Um sie sich aber effektiv zunutze zu machen, können entsprechende Lösungen unterstützen, die alle vorhandenen Daten zusammenführen und analysieren. So erhalten Unternehmen trotz immer größerer Datenmengen und einer Vielzahl von Systemen sowie Tools im Idealfall eine 360-Grad-Sicht auf ihre in der Organisations verfügbaren Daten.

Daniel Gehring, Chief Delivery Officer, Digitall


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