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Wie funktioniert eigentlich...?

Das Zusammenspiel aus SD-WAN und KI

24. September 2020, 08:30 Uhr   |  Autor: Zeus Kerravala / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Das Zusammenspiel aus SD-WAN und KI
© Daniil Peshkov-123rf

Ist Künstliche Intelligenz in eine SD-WAN-Lösung eingebettet, erhält das Netzwerk umfangreiche Funktionen zur Datenverarbeitung und ein besseres Verständnis der Netzwerk- und Anwendungsleistung.

Die parallele Einparkhilfe eines modernen Autos ist eine großartige Erfindung, die Zeit spart, aber keine intelligenten Entscheidungen darüber treffen kann, wo geparkt werden soll und Faktoren wie Parkzonen oder Straßenreinigungstage nicht berücksichtigt. Ein Fahrer muss daher noch anwesend sein und Entscheidungen treffen, bis vollständig autonome Fahrzeuge Realität werden. Selbstfahrende Autos müssen Straßenverkehrsregeln verstehen und durch Künstliche Intelligenz Entscheidungen ohne den Fahrer treffen. Dafür werden dem Automobil permanent Daten zugeführt, sodass sich bei veränderten Bedingungen auch die KI-basierten Entscheidungennändern. Gleiches gilt für autonome Netzwerke. Ein KI-gestütztes SD-WAN kennt alle Regeln und geschäftlichen Anforderungen und kann sich entsprechend an Änderungen anpassen. SD-WANs ebnen den Weg für die Konvergenz von Netzwerk, Sicherheit und KI und können Unternehmen die Migration in die Cloud erleichtern. Anders ausgedrückt: Cloud-basierte Anwendungen erfordern intelligentere Netzwerke, die einfach funktionieren.

Den Status quo überwinden

Das manuelle Betreiben eines Netzwerks ist ein zeitintensiver, fehleranfälliger Prozess, bei dem aufwendige manuelle Konfigurationen von Personen durchgeführt werden. Legacy-Netzwerke sind schwierig und mit viel Aufwand zu verwalten und viele Unternehmen haben weiterhin Probleme damit. Daten von ZK Research zeigen, dass Unternehmen durchschnittlich vier Monate benötigen, um Änderungen in einem Netzwerk umzusetzen. Das ist für die heutigen Unternehmen zu langsam, insbesondere wenn es um Sicherheit geht. Mit mobilen Geräten, dem Internet der Dinge und Cloud-Computing, die viele neue Einstiegspunkte schaffen und sich an den Netzwerk-rand verlagern, setzen sich Unternehmen einem Risiko aus, wenn sie nicht schneller auf Änderungen reagieren.

Die Zeit, die zum Erkennen und Beheben von Problemen benötigt wird, ist einer der größten Nachteile bei der Wartung älterer Netzwerke. Eine von ZK Research durchgeführte Studie ergab, dass 30 Prozent der IT-Mitarbeiter mindestens einen Tag pro Woche ausschließlich damit verbringen, Probleme zu beheben. Im weiteren Sinne fließen mehr als 70 Prozent des Netzwerkbudgets eines Unternehmens in die Aufrechterhaltung des Status quo. Durch die Modernisierung des Netzwerks und die Verwendung von KI für den Netzwerkbetrieb können diese 70 Prozent erheblich gesenkt werden, sodass Unternehmen mehr in Innovationen statt in den Status quo investieren können. Menschliche Fehler sind die häufigste Ursache für ungeplante Netzwerkausfälle. Die Automatisierung kann Unternehmen dabei helfen, dies zu vermeiden und dadurch mehr Zeit der Mitarbeiter für übergeordnete Aufgaben einzusetzen. Die Automatisierung allein kann jedoch Fehler nicht vollständig beseitigen, da Menschen immer noch die Entscheidungen treffen.

Der einzige Weg, um ein autonomes Netzwerk zu erreichen, das mit minimalem menschlichem Eingriff überwacht, korrigiert, gesichert und analysiert werden kann, geht über Automatisierung und KI. Wenn Künstliche Intelligenz in eine SD-WAN-Lösung eingebettet ist, erhält das Netzwerk umfangreiche Funktionen zur Datenverarbeitung und ein besseres Verständnis der Netzwerk- und Anwendungsleistung. Man stelle sich einen Netzwerkadministrator vor, der die Bandbreite einer App erhöhen möchte, was in bestimmten Ländern verboten sein könnte. Ein autonomes Wide-Area-Netzwerk würde die Regeln kennen und Änderungen automatisch und nur dort vornehmen, wo es erlaubt ist. Das gleiche Netzwerk kann Probleme vorhersagen, bevor sie auftreten und Administratoren benachrichtigen. Möglicherweise wird das Problem sogar gelöst, bevor die User davon betroffen sind.

Zeus Kerravala, ZK Research
© ZK Research

Der Autor, Zeus Kerravala, ist Gründer und Principal Analyst des Beratungshauses ZK Research. Er verfasst unter anderem Artikel für WAN Speak, einen Blog von Silver Peak.

Um noch einmal auf das Beispiel der selbstfahrenden Autos zurückzukommen: KI ist in Bereichen, in denen Menschen leicht Fehler machen, unverzichtbar. Mit Hilfe einer Kombination aus KI-Software, Echtzeitdaten von IoT-Sensoren, Kameras, GPS und Mobilfunkverbindungen können autonome Autos tote Winkel aktiv überwachen, mit Ampeln synchronisieren oder im Notfall Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Ein Mensch würde in manchen Situationen nicht schnell genug reagieren, genau wie ein Netzwerkadministrator nicht in der Lage wäre, schnell auf alle Netzwerkänderungen manuell zu reagieren. Anstatt sich vor KI zu fürchten, sollten Netzwerkadministratoren diese als Chance erkennen. Ein SD-WAN mit KI kann das Netzwerkmanagement transformieren und ermöglicht es Administratoren, sich auf die Bereitstellung von Diensten zu konzentrieren und deren Qualität sicherzustellen, anstatt sich in den täglichen Details zu verlieren.

Aus Fehlern lernen

Gespräche mit IT-Verantwortlichen, die bereits KI-Systeme eingesetzt hatten, haben gezeigt, dass KI wieder abgeschafft wurde, sobald Fehler passieren. Man sollte dennoch bedenken, dass KI-Systeme, wie selbstfahrende Autos, nicht perfekt sind und ebenfalls Fehler machen können. Dennoch sollte dafür als Maßstab die menschliche Fehlerhäufigkeit angewendet werden, nicht die Perfektion. Maschinen werden im Netzwerkbetrieb weniger Fehler machen und aus diesen lernen, um so jeden Tag intelligenter zu werden.

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