Interview

Das RZ wird nicht überflüssig

25. Juli 2022, 17:00 Uhr | Autor: Jörg Schröper | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Individuelle Schulungsprogramme zu Normen und Richtlinien

LANline: Gilt das auch für die eingesetzten Lösungen?
Wermke: Wir können sagen, dass unsere Kunden immer mehr Produktstandards setzen wollen. Ziel ist hier sicher die Sicherstellung von gleichbleibender Qualität, aber vor allem auch die Sicherung von Verfügbarkeit. Mit der Produktion made in Germany können wir diesem Anspruch gut gerecht werden. Die Projekte ändern sich aber zunehmend auch durch Compliance-Anforderungen sowie die Abhängigkeit von der IT bei den Geschäftsprozessen. Der Stellenwert beim Bau oder der Sanierung von Server-Räumen und Rechenzentren steigt. Der Augenmerkt liegt nicht mehr nur auf immer größeren und leistungsfähigeren Servern und den Applikationen, sondern inzwischen auch auf einer zeitgemäßen Heimat der IT-Umgebung.

LANline: Spielen Normen wie die EN 50600 dabei eine Rolle?
Wermke: Je größer der Kunde ist, umso häufiger wird die Norm als Kriterium bei Anforderungen und Ausschreibungen herangezogen. Dies ist sicher auch ein wichtiger Aspekt, um einen einheitlichen und hohen Qualitätsanspruch an Rechenzentren gerecht zu werden. Zukünftig kommt es zunehmend auf die Qualität der Planer, Hersteller, Rechenzentrumserrichter und -betreiber an. Wir stehen hier vor einem Paradigmenwechsel, was beispielsweise auch der Wechsel zu natürlichen Kältemittellösungen zeigt. Im Mittelstand wird oft auf die Normen referenziert, aber über die Schlagworte hinaus ist die Norm oft in den IT- oder Technikabteilungen nicht bekannt und relevant. Anders sieht es natürlich aus, wenn Planer in Projekte mit eingebunden sind. Unsere Erfahrung zeigt, dass ein gut geplantes Projekt sehr häufig viele Probleme der Umsetzung bereits im Vorfeld löst.

LANline: Personalmangel ist derzeit eines der Kennzeichen der Branche. Wie geht Schäfer IT-Systems damit intern um?
Wermke: Selbstverständlich spüren wir den Mangel an Fachkräften. Dies macht auch vor einem Unternehmen wie Schäfer nicht halt. Ob zur Aufrechterhaltung der eigenen IT oder zum Wachstum, Personal ist nicht an jeder Ecke zu finden. Hinzu kommt, dass wir im Westerwald nicht unbedingt zu den attraktivsten Regionen in Deutschland gehören. Vor allem die nachfolgende Generation stellt hier zunehmende Ansprüche an die Arbeitgeber. Wir versuchen hier, die Fachkräfte im eigenen Haus auszubilden und im Anschluss zu fördern und zu entwickeln. Des Weiteren nutzen wir die neuen Möglichkeiten des mobilen Arbeitens, um die Fachkräfte aus Deutschland für uns zu gewinnen und zu begeistern.

LANline: Gibt es ausreichend Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen?
Wermke: Das ist schwer zu beurteilen. Es gibt sicher einige recht erfolgreiche und bekannte Akademien, die etwa Zertifizierungsworkshops anbieten. Wir nutzen oft Partner, mit denen erfolgreich Projekte umgesetzt wurden. Mit diesen werden dann individuelle Schulungsprogramme zu Normen und Richtlinien aufgesetzt. Dies ist uns sehr wichtig, da auch dem Hersteller, also auch Schäfer IT-Systems, eine wichtige Rolle zufällt, da wir vor allem im RZ Umfeld vor einem Paradigmenwechsel in Richtung Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Umweltschutz stehen. Unsere Erstberatung beim Kunden kann wegweisend für den Bau eines RZs und der technischen Lösung sein. Wenn wir sowohl technisch wie auch kaufmännisch gut ausgebildet sind, stellen wir einen echten Mehrwert für unsere Kunden dar.

LANline: Was unternimmt Ihr Haus in dieser Frage?
Wermke: Wir setzen auf Inhouse-Schulung. Gerade aktuell haben wir alle Kollegen im Vertrieb, aber auch der Konstruktion und des Produkt-Managements auf die EN50600 geschult. In drei Workshops haben wir auch Konzepte aus aktuellen Kundenanforderungen bewertet und Lösungen erarbeitet. Es geht uns darum, die Anforderungen und Herausforderung der Kunden zu verstehen, aber auch um das
an unsere Produktentwicklungsprozesse. Schäfer IT-Systems ist kein Planer oder Errichter von Rechenzentren. Diese Entscheidung haben wir bewusst getroffen, was auch den Respekt und die Anerkennung der RZ-Planer und RZ-Errichter widerspiegelt.

LANline: Braucht die Branche einen Ausbildungsberuf RZ-Techniker oder einen RZ-Ingenieur?
Wermke: Einen eigenständigen Ausbildungsberuf kann man diskutieren, interessanter wäre aber zum Beispiel ein Masterstudium oder Fortbildung für TGA-Ingenieure oder alternativ eine Technikerausbildung auf einer entsprechenden Ausbildung im Bereich Elektro- oder Klimatechnik. Die Basis ist die Elektro- oder Kältetechnik, deshalb ist aus unserer Sicht eine aufbauende Ausbildung sinnvoller, anstatt das Rad neu zu erfinden.

LANline: Wie soll man junge Menschen – dediziert auch junge Frauen – für die RZ- und Infrastrukturbranche gewinnen?
Wermke: Die RZ-Branche wird leider oft stiefmütterlich behandelt, da für viele der Bewohner, also die IT, im Vordergrund steht und die Hülle, also die Infrastruktur, als gegeben hingenommen wird. Es ist wichtig zu vermitteln, dass ohne fundierten Unterbau kein stabiler IT-Betrieb möglich ist und dies die Voraussetzung für eine Digitalisierung ist.

LANline: Herr Wermke, vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

Zuerst erschienen auf lanline.de.


  1. Das RZ wird nicht überflüssig
  2. Gemeinsames Handeln
  3. Individuelle Schulungsprogramme zu Normen und Richtlinien

Verwandte Artikel

funkschau

Professional Datacenter

Matchmaker+