Hyperkonvergente Infrastruktur

Das gesamte Rechenzentrum als virtualisierter Service

26. Januar 2021, 13:30 Uhr | Autor: Henrik Hasenkamp / Redaktion: Sabine Narloch | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Checkliste: wichtige Überlegungen vorab

Trotz aller Vorteile eignen sich HCI-Umgebungen nicht für jedes Szenario – es sollten einige Vorüberlegungen angestellt werden. Die folgenden gehören dazu:

Der konkrete Anwendungsfall
Die Anwendungsszenarien sind vielfältig, besonders dann, wenn ein Unternehmen sowieso mehr Virtualisierung im Rechenzentrum plant. HCI-Systeme sind eine gute Basis für virtuelle Desktop-Infrastrukturen (VDI) und CAD-Anwendungen – vor allem wegen des Zugriffs auf eine einheitliche Datenbasis und die bedarfsgerechte Ressourcen-Zuteilung. Die hohe Performance und die gute Skalierbarkeit machen sie zudem für DevOps-, Internet-of-Things (IoT)- und Big-Data-Anwendungen interessant. Wichtig ist es, den Business Case und dessen Ziele vor der Anschaffung zu kennen. HCI-Systeme sind Universal-Lösungen und decken nicht immer alle individuellen Anforderungen ab. Es können Überdimensionierungen entstehen, die sich eventuell durch ergänzende Cloud-Optionen günstiger abdecken lassen.

Integration mit vorhandener Infrastruktur
Abseits des konkreten HCI-Anwendungsfalls wird es in jedem Unternehmen weitere Infrastrukturteile geben, die integriert werden müssen. Es ist deshalb wichtig, Trans-parenz über den gesamten Stack hinweg herzustellen, notwendige Interaktionen zu dokumentieren und Inkompatibilitäten rechtzeitig zu erkennen. Möglicherweise sind weitere Management-Tools notwendig.

Technologie-Know-how
Dass die Komplexität der IT sinkt und sich das HCI-System einfacher managen lässt, weil dies über ein übergreifendes Control Panel geschehen kann, stimmt. Doch während sich die Hardware-Situation vereinfacht, wird die Software eher komplexer: Im Unternehmen wird nun Virtualisierungs-Know-how benötigt. Auch der Betrieb einer verteilten Speicher-Lösung ist mit dem eines traditionellen Storage Arrays nicht vergleichbar.

Die Wahl des Anbieters und des Hypervisors
Die Gesamt- und Universal-Lösung HCI wird in der Regel von einem Anbieter komplett angeboten. Das bietet Vorteile hinsichtlich der Integration, macht aber zugleich abhängig. Das Risiko des Vendor-Lockin gilt als einer der Haupt-Nachteile des HCI-Konzepts. Unternehmen müssen hier sorgfältig abwägen – die Wahl des passenden Anbieters und der geeigneten Hypervisor-Technologie sind geschäftskritisch.

Die Kosten
Ob sich HCI lohnt, hängt nicht zuletzt von den Kosten ab. Dank der beschriebenen Vorteile sinken die Betriebskosten zum Teil deutlich. Aber die hyperkonvergenten Systeme müssen zunächst auch beschafft werden – was mit beträchtlichen Investitionskosten verbunden sein kann. Ob ein Technologie-Wechsel sinnvoll ist, entscheiden der konkrete Anwendungsfall und eine ROI-Rechnung.

Sourcing-Optionen prüfen
HCI-Systeme können auch als Infrastruktur-Service zum Einsatz kommen. Hohe Anfangsinvestitionen fallen dann nicht an und die Dimensionierung des Systems ist insgesamt flexibler. Vor allem für mittelständische Unternehmen und solche, die den Nutzen von HCI-System zunächst testen wollen, eignen sich solche Cloud-Modelle.

Hyperkonvergente Infrastrukturen gewährleisten höchste Skalierbarkeit und effizientes Management bei geringen Betriebskosten und stehen zudem bei Bedarf schnell zur Verfügung. Unternehmen sollten dennoch vorab kritisch hinterfragen, ob die Technologie die beste Option ist und welches Sourcing-Modell sich positiv auf die Kosten und die Flexibilität auswirkt.

Henrik Hasenkamp ist CEO von Gridscale

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