Zukunftstechnologie

Bund startet erstes konkretes Quantencomputer-Projekt

15. November 2021, 18:04 Uhr | Quelle: dpa / Redaktion: Lukas Steiglechner | Kommentar(e)
Quantencomputer
© Pixabay

Die deutsche Bundesregierung investiert zwei Milliarden Euro in ihr erstes Projekt im Bereich Quantencomputing. Das Projekt sieht vor, einen Quantencomputer in das Leibniz-Rechenzentrum in Garching zu integrieren. Dabei soll das deutsch-finnische Unternehmen IQM den Quantencomputer bereitstellen.

Zum Ausbau der Quantencomputer-Technologie in Deutschland hat das Bundesforschungsministerium am 15. November einem Konsortium über 40 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt. Ein Großteil der Mittel fließt in einen Quantencomputer, den das deutsch-finnische Unternehmen IQM bereitstellt. Die Anlage wird in den nächsten Monaten und Jahren in das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching integriert. „Wir legen damit den Grundstein für die Arbeiten in den nächsten drei Jahren“, sagte die noch amtierende Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Die Förderung ist der erste Schritt eines größer angelegten Plans, um bei der Zukunftstechnologie im internationalen Wettlauf Schritt halten zu können. Dafür hatte die Bundesregierung im Mai insgesamt zwei Milliarden Euro freigegeben. 1,1 Milliarden Euro vergibt das Bundesforschungsministerium, 878 Millionen Euro stammen aus dem Etat des Bundeswirtschaftsministeriums. Der Rechner in Garching soll über 20 Qubits verfügen. Innerhalb der fünf Jahre soll ein wettbewerbsfähiger deutscher Quantencomputer mit mindestens 100 individuell ansteuerbaren Qubits ausgestattet sein – skalierbar auf mindestens 500 Qubits. Zum Vergleich: Der IBM-Quantenprozessor „Eagle“, der noch in diesem Jahr live gehen soll, verfügt über 127 Qubits.

Karliczek sagte, mit dem Projekt in München entstehe in den nächsten Jahren einen „Quantencomputer made in Europe“ für NutzerInnen aus Forschung und Industrie in Deutschland. „Wir müssen auf diesem Zukunftsfeld eigenes Know-how und eigene Technologien auch in Deutschland entwickeln.“ Es dürften keine Abhängigkeiten auf diesem Schlüsselgebiet entstehen. „Es reicht nicht aus, sich nur auf den Infrastrukturen von Dritten auszuruhen, dessen Zugang uns am Ende auch jederzeit wieder versperrt werden kann.“

Mit dem Konzept der Quantencomputer reagiert die Forschung und Industrie auf die Tatsache, dass die bislang übliche Entwicklung von Hochleistungscomputern an ihre physikalischen Grenzen stößt. Ein Quantencomputer speichert Informationen nicht in Form von Bits, die nur zwei mögliche Zustände annehmen können, nämlich Eins oder Null. Ein Qubit eines Quantencomputers kann stattdessen beides gleichzeitig sein, also Eins und Null. Das Quantenteilchen hält solange beide Zustände inne, bis man es sich ansieht oder misst. Damit können Quantencomputer theoretisch um ein Vielfaches schneller und leistungsfähiger sein als herkömmliche Rechner.

Anbieterkompass Anbieter zum Thema

zum Anbieterkompass

Verwandte Artikel

Leibniz-Rechenzentrum (LRZ), Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Anbieterkompass