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Über 10.000 Server zerstört

Bittere erste Bilanz nach dem OVH-Brand

16. März 2021, 10:28 Uhr   |  Autor: Lars Bube | Kommentar(e)

Bittere erste Bilanz nach dem OVH-Brand
© Twitter @catsuka

Eine Woche nach dem Großbrand in seinem Rechenzentrums-Cluster in Straßburg hat OVH zwei der vier Rechenzentren wieder hochgefahren. Eine erste Untersuchung der Umstände des Feuers und der Schadensbilanz fallen düster aus.

Für den französischen Cloud-Anbieter OVH und einige seiner gut 1,5 Millionen Kunden waren die vergangenen Tage eine einzige Zitterpartie. Bei einem Großbrand am Mittwochmorgen war eines von vier Rechenzentren am Standort Straßburg komplett abgebrannt und ein weiteres teilweise. Zur Sicherheit waren auch die anderen beiden Datacenter vor Ort heruntergefahren worden. Seither bangen alle Betroffen, vom Anbieter über seine Kunden bis zu deren Kunden, wie groß die bleibenden Schäden und Verluste wohl sind. Inzwischen hat sich der erste Rauch verzogen und zumindest eine erste Schadensbilanz lässt sich abschätzen. Insgesamt gab es am Standort rund 100.000 Server, verteilt auf die vier Rechenzentren. Davon standen zwar nur etwa 12.000 im abgebrannten Datacenter SBG2, allerdings war ein Großteil davon französischen Medien zufolge das europäische Rückgrat des Angebots OVH Hosted Private Cloud, das von vielen mittelgroßen Unternehmen bis hin zu Großkonzernen genutzt wird. Insofern ist klar, dass die von OVH genannte Zahl von rund 15.000 betroffenen eigenen Kunden nur die Spitze des Eisbergs ist, da an deren bei OVH gehosteten Angeboten zahlreiche weitere Unternehmen hängen.

Direkt sichtbar waren die unmittelbaren Folgen bei einigen Websites, vor allem aus Frankreich, die nach dem Brand nicht mehr erreichbar waren und es teils bis heute nicht oder nur eingeschränkt sind. Allen voran war das die Seite data.gouv.fr der französischen Regierung, auf der auch die wichtigsten staatlichen Informationen zur Corona-Pandemie, den Maßnahmen und Impfungen zu finden sind. Auch die Onlineauftritte vieler Städte, Kommunen und kultureller Einrichtungen wie des Centre Pompidou liefen auf den abgebrannten Servern. Und auch die Versicherungsgesellschaft Maif war online eine Zeitlang nicht mehr erreichbar. Aber auch zahlreiche Kunden im Ausland sind betroffen, wie beispielsweise das staatliche britische KFZ-Zulassungsregister. Der Internet-Analyst Netcraft verzeichnete direkt nach dem Feuer und dem Not-Shutdown Ausfälle von mehr als 3,5 Millionen Webseiten und fast einer halben Million Domains. Nach einer ersten Schätzung sind weit mehr als die Hälfte davon zwar inzwischen wieder online, oft jedoch nur mit eingeschränkter Funktionalität und in älteren Versionen.

Wenn OVH heute wie geplant die beiden nicht direkt vom Feuer betroffenen Nachbar-Rechenzentren und am Freitag die acht unbeschädigten Serverräume im teilweise abgebrannten Gebäude wieder hochfährt, wird sich in den nächsten Tagen ein noch genaueres Bild ergeben. Klar ist aber schon jetzt, dass viele Unternehmen und Behörden erhebliche Datenverluste verkraften müssen. Dass ihnen OVH nun anbietet, ihre Daten kostenfrei auf anderen Servern zu speichern und schnell neue Kapazitäten bereitzustellen, kann da, wenn überhaupt, nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

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