Abwärme für Heizung und Warmwasser

Bitkom empfiehlt: Mit Rechenzentren heizen

27. Juli 2022, 11:00 Uhr | Autorin: Michaela Wurm | Kommentar(e)
Rechenzentrum, Datacenter, Server, Mitarbeiter
© Mark Agnor / 123rf

Angesichts der drohenden Gas-Knappheit rät der IT-Branchenverband Bitkom dazu, die Abwärme von Rechenzentren für Heizung und Warmwasser zu nutzen. Rund 350.000 Wohnungen könnten so versorgt werden.

Angesichts der aktuellen Sorge vor einer drohenden Gas-Knappheit sollte die Abwärme von Rechenzentren in Deutschland viel stärker als bislang für Heizung und Warmwasser genutzt werden. Dafür setzt sich der Digitalverband Bitkom ein. Durch die direkte Anbindung von Rechenzentren an öffentliche und private Fernwärmenetze könnte nicht nur ein direkter Beitrag zur Grundversorgung geleistet werden, sondern auch die Energiebilanz der stark wachsenden Rechenzentrums-Branche selbst deutlich verbessert werden.

In der Praxis wird die anfallende CO2-freie Wärme der Rechenzentren aktuell meist ungenutzt an die Umwelt abgegeben. „Die Abwärme der Rechenzentren kann für die Fernwärmeversorgung von kommunalen Einrichtungen wie Schwimmbädern, für Privatwohnungen und auch Gewerbegebäude eingesetzt werden“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Dieses Potenzial sollten wir nicht weiter brachliegen lassen.“ Nach Bitkom-Berechnungen könnten mit der Nutzung der Rechenzentrumsabwärme jährlich rund 350.000 Wohnungen versorgt werden – das entspricht fast dem Bestand im Stadtstaat Bremen. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 42,8 Mio. Wohnungen.

Für die Nutzung von Abwärme kommen vor allem mittlere und größere Rechenzentren ab einer jährlichen IT-Anschlussleistung von mehr als 5 Megawatt in Betracht. Diese befinden sich in Deutschland vor allem in den Regionen Frankfurt/ Main, Berlin, Hamburg und München und kommen zusammen auf eine Anschlussleistung von 965 MW, wie die Bitkom-Studie „Rechenzentren in Deutschland“, durchgeführt vom Borderstep Institut, ergeben hat. Davon kann rund die Hälfte für die reale Abwärmenutzung herangezogen werden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden in privaten Haushalten in Deutschland jährlich 131 Kilowattstunden pro Quadratmeter für Heizen und Warmwasser verbraucht. Bezogen auf 24 Stunden und 365 Tage ließen sich per Rechenzentrumsabwärme also 31,9 Mio. Quadratmeter versorgen. Wo kein Fernwärmenetz anliegt, könnte die Abwärme der Rechenzentren genutzt werden, um die umliegenden Gebäude zu versorgen.

Dieses Potential liegt weitgehend brach, da Wärmenetze meist fehlen oder nicht nutzbar sind. Die Abwärme der Rechenzentren erreicht in aller Regel nicht ganz die Temperatur der Fernwärmenetze.  Daher werden meist spezielle, hocheffiziente Wärmepumpen eingesetzt, um die Temperatur auf das Niveau des Wärmenetzes zu bringen und Schwankungen beim Anfall von Abwärme auszugleichen. Um diesen Markt anzuschieben, fordert Bitkom, den netzdienlichen Einsatz von Wärmepumpen in Kombination mit anderen Wärmeerzeugern von den Netzentgelten zu befreien. „Um unabhängig von russischem Gas zu werden und den Klimaschutz weiter voranzutreiben, sollten alle verfügbaren Quellen ausgeschöpft werden“, betont Bitkom-Präsident Berg.

Zuerst erschienen auf ict-channel.com.

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