Speicherkapazität

Bis 40 Terabyte und noch viel weiter

9. August 2022, 11:12 Uhr | Lukas Steiglechner | Kommentar(e)
Festplatte, HDD
© Stillfx / 123rf

Im Frühjahr 2022 hat Toshiba in einer Roadmap seine Ziele für die künftige Entwicklung von Festplatten-Technologien bekanntgegeben. Demnach werden die Kapazitäten weiter steigen, selbst 100 Terabyte könnten bald keine Hürde mehr darstellen.

Immer mehr Scheiben, kleinere Schreib-Lese-Köpfe, neue Recording-Methoden oder die Befüllung der Gehäuse mit Gasen wie Helium, um Reibung zu minimieren: Die mittlerweile wenigen noch am Markt agierenden Hersteller finden immer wieder neue Wege, um die Speicherkapazität von Festplatten weiter zu erhöhen – ein Ziel, das sich auch Toshiba gesetzt hat. Der japanische Konzern arbeitet aktuell an künftigen Technologien und Produkten, die er im März 2022 in einer Roadmap für die kommenden Jahre vorgestellt hat. Diese skizziert, wann genau die neuen Nearline-Modelle für Rechenzentren mit welcher Speicherkapazität auf den Markt kommen sollen – und welche Technologien dabei jeweils verbaut sind. Die klare Ausrichtung der Strategie: Dem rasanten Datenwachstum im Markt mit immer mehr Speicherplatz begegnen.

Die erste Wegmarke ist die Veröffentlichung einer 20-Terabyte-Festplatte. Toshiba schließt mit dieser HDD zu anderen Herstellern auf, die vergleichbare Modelle mit 20 Terabyte bereits anbieten. Erreicht wird diese hohe Speicherdichte durch zehn verbaute Scheiben. In Vorgängermodellen waren es noch neun. Hinzu kommt die „Flux Controlled-Microwave Assisted Magnetic Recording“ (FC-MAMR)-Technologie, die auf einen Mikrowellengenerator setzt, der den magnetischen Fluss des Schreibens bündelt. So sollen die magnetischen Bits auf kleinerer Fläche implementiert werden können.

Im Fiskaljahr 2022 folgt laut der Roadmap von Toshiba dann ein Modell mit 26 Terabyte, das erstmals „Microwave Assisted Switching-Microwave Assisted Magnetic Recording (MAS-MAMR)“ einsetzt. Dabei handelt es sich um eine Technologie, die bereits auf zwei Mikrowellen-Sender in den Schreibköpfen setzt und die Datendichte nochmals steigern soll. Der nächste Kapazitätssprung kommt anschließend im Zuge von HDDs mit 30 (zwischen Fiskaljahr 2023 und 2024) beziehungsweise 35 Terabyte (Fiskaljahr 2025). Sie enthalten auf Basis der „Multi Stacking“-Technologie erstmals elf Scheiben und zumindest das größere Modell verfügt über die „HAMR“-Technologie, Heat Assisted Magnetic Recording. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine miniaturisierte Laserdiode, die kurzzeitig das zu beschreibende Medium erhitzt, was abermals eine höhere Speicherdichte ermöglicht.

Den vorläufigen Abschluss der Roadmap bildet ein Ausblick auf Modelle, die mit 40 Terabyte und mehr nochmals eine Speicherschippe drauflegen. Sie sollen ab dem Fiskaljahr 2026 und später auf den Markt kommen. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeite man bereits heute an Technologien, „die Kapazitäten von 40 plus Terabyte im 3,5-Zoll-Formfaktor“ ermöglichen, verrät Rainer Kaese, Senior Manager HDD Business Development bei Toshiba Electronics Europe.

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Kein Kapazitätsende in Sicht

Toshiba, Rainer Kaese
Rainer Kaese, Senior Manager HDD Business Development bei Toshiba: „Eine 100-TB-Festplatte ist von der Physik und vom Bedarf her möglich und nötig.“
© Toshiba

Das Ende soll aber selbst an diesem Punkt noch nicht erreicht sein. Denn laut Kaese ist physikalisch grundsätzlich auch eine wesentlich höhere Speicherkapazität von Festplatten möglich. Nur stellt sich die Frage, ob sich eine Festplatte mit beispielsweise 100 Terabyte überhaupt kosteneffizient produzieren ließe. Sie sei „von der Physik und vom Bedarf her möglich und nötig. Aber es wird nur dann eine 100-Terabyte-Festplatte geben, wenn sie zu dem Preis verkauft werden kann, den der Markt hergibt“, gibt der Toshiba-Manager zu bedenken. Doch ein Blick auf die rasant wachsenden Datenmengen lässt kaum Zweifel daran, dass die Nachfrage nach Festplatten und vor allem nach Festplatten mit hohen Speicherkapazitäten künftig weiter anwachsen wird – und das obwohl sich mit Flash-Speicher in den vergangenen Jahren ein starker technologischer Wettbewerber etabliert hat, der sich preislich annähert. „Seit etwa einem Jahrzehnt fallen die Preise pro Kapazitätseinheit von HDD und SSD im gleichen Maße, mit einem Faktor von circa zehn zwischen den beiden Technologien. Zwischendurch hatte man sich mal auf Faktor sieben angenähert, heute sind wir aber wieder eher bei neun“, berichtet Kaese. „Mit den prognostizierten Entwicklungen in den nächsten Jahren ist nicht abzusehen, dass es jemals ein Crossover von beiden Technologien geben wird“.

Noch – und das wohl über viele Jahre hinweg – muss die klassische Festplatte also nicht um ihren Platz in Rechenzentren bangen. Im Gegenteil. Die von Toshiba und anderen Herstellern in Aussicht gestellten hohen Speicherkapazitäten machen sie im Preis-Leistungs-Verhältnis weiterhin hoch interessant. Und immerhin könnten laut Kaese selbst 100 Terabyte pro Festplatte in wenigen Jahren keine Hürde mehr darstellen.


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