Öffentlicher Sektor

Ziel: eine souveräne Verwaltungscloud für Deutschland

20. April 2022, 10:18 Uhr | Interview: Sabine Narloch | Kommentar(e)
Cloud-Sicherheit
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Anfang Februar haben SAP und Arvato Systems angekündigt, in eine souveräne Cloud-Plattform für die deutsche Verwaltung zu investieren. Zoltan Albrecht von SAP im funkschau-Interview zum Stand der Dinge im öffentlichen Sektor und über die Notwendigkeit und Anforderungen einer solchen Cloud-Plattform.

funkschau: Was sind in der öffentlichen Verwaltung hierzulande die sensibelsten Bereiche, wenn es um den Cloud-Einsatz geht? Welche spezifischen Bedarfe gibt es und wo liegen bislang die Defizite?
Zoltan Albrecht: Mobilitätswende, Onlinezugangsgesetz und New Work stellen hohe Anforderungen an die Verwaltung. Dementsprechend ist im öffentlichen Sektor, in der Verwaltung, in Sachen Digitalisierung vieles ins Rollen gekommen. Nun gilt es, die während der Corona-Pandemie oft mit heißer Nadel gestrickten digitalen Prozesse in den Normalzustand zu überführen. Das Problem dabei: Deutsche Verwaltungen setzen zum Großteil noch auf On-Premises-Software, deren Anpassung an die neuen Gegebenheiten enge Grenzen gesetzt sind. Dieses Innovationspotenzial ist inhärent für Cloud-Lösungen. Außerdem läuft bei vielen On-Premises-Angeboten in naher Zukunft der Support aus und Lösungsanbieter wie die SAP verlagern ihren Entwicklungs- und Forschungsschwerpunkt zunehmend in die Cloud. Höchste Zeit, über einen Umstieg in die Cloud nachzudenken.

funkschau: Nun haben SAP und Arvato Anfang Februar eine souveräne Cloud-Plattform für den öffentlichen Sektor in Deutschland angekündigt. Zudem soll für dieses Unterfangen ein eigenes Unternehmen gegründet werden. Was ist unter dieser speziellen Cloud-Plattform konkret zu verstehen?
Albrecht: Wir möchten mit der Plattform die erste vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) abgenommene souveräne Cloud Deutschlands schaffen. Microsoft Azure dient dabei als zugrundeliegende Infrastruktur, über die Microsoft, SAP und weitere vom BSI zertifizierte Drittanbieter ihre Anwendungen bereitstellen können. Bedeutet: Sowohl der Technologie-Stack als auch sämtliche darüber betriebenen Lösungen und Anwendungen werden den hohen Datenschutz-, Sicherheits- und Stabilitätsanforderungen des BSI gerecht.

funkschau: Warum ist dafür ein neues Unternehmen erforderlich?
Albrecht: Gemäß den Vorgaben des BSI, wird die neue Organisation juristisch als eigenständiges deutsches Unternehmen operieren. Die Infrastruktur wird vollständig im Besitz des neuen deutschen Rechtsträgers sein, der sie in einer isolierten, unabhängigen Systemlandschaft betreiben wird. Die strikte Entkopplung der souveränen Cloud-Plattform von normalen Microsoft- und SAP-Netzwerk- und Betriebsprozessen ermöglicht dem öffentlichen Sektor, die notwendige technische Kontrolle über ihre Technologie- und Datenverarbeitungsschichten zu wahren.

funkschau: Wie werden die Rollen von Microsoft, SAP und Arvato bei dem Projekt verteilt sein?
Albrecht: Microsoft liefert die Infrastruktur, Arvato Systems kümmert sich um den Betrieb, SAP ist vor allem für den Vertrieb verantwortlich. Neben Microsoft 365 und anderen Kollaborationswerkzeugen wird SAP über die Infrastruktur eine umfangreiche Suite eigener Cloud-Lösungen anbieten.

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