Cloud-Videoüberwachung

Worauf es ankommt, damit die Leitung steht

3. Februar 2022, 7:33 Uhr | Autor: Rishi Lodhia / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)
Videoüberwachung
© kritchanut / 123rf

Eine cloudbasierte Managementplattform macht für viele Betriebe eine Videoüberwachung erst möglich und erschwinglich. Doch sie stellt besondere Anforderungen, damit die Daten zuverlässig und sicher übertragen und verwaltet werden.

Überwachungskameras produzieren umfangreiches Material und verursachen damit einen hohen Datenverkehr. Managementsysteme  müssen daher bereits vor Ort entscheiden, was überhaupt zu übertragen ist. Cloud-verwaltete Rekorder speichern die Bilder dabei zunächst lokal und senden sie nur im Alarmfall über das Netz an die Zentrale. Das senkt den Datenverkehr. Durch niedrigere Auflösung sowie Framerates oder eine höhere MPEG-Kompression lässt sich das zu übertragende Datenvolumen wiederum noch weiter reduzieren. Das soll auch die Kosten für die Übertratung reduzieren. Ein Zwischenspeicher kann wiederum dazu beitragen, das Ereignis zu analysieren, ohne das weiter voranschreitende Geschehen aus den Augen zu verlieren.

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Videoüberwachung Polizeifahrzeug
Schematische Darstellung einer Videoüberwachung an einem Polizeiwagen
© Eagle Eye Networks

Der Anschluss der Kameras in den einzelnen Standorten an das Netz und damit an das Rechenzentrum erfolgt je nach System über den Mobilfunkstandard 4G. Die für das Übermitteln der Daten an die Zentrale notwendige Infrastruktur lässt sich über die Cloud in vielen Fällen hoch- und herunterskalieren. Wenn etwa neue Filialen oder Gebäudebereiche zu überwachen sind, stellen die zusätzlichen Kameras und das erhöhte Datenaufkommen somit kein Problem dar. Andererseits können Kameras, die drahtlos an das Netz angebunden sind, im Notfall die Sequenzen in niedrigerer Auflösung senden und auch mit 3G funktionieren. Zudem ist der Ausbau auf 5G oft möglich, ohne dass sofort zusätzliche Kosten entstehen.

Vor allem bei mobilen Kameras – mit je nach aktuellem Standort wechselnder Empfangsqualität – kommt es auf ein intelligentes Übertragungsmanagement an. In entsprechenden Netzen kann zum Beispiel ein Polizeiauto über Flatrate-Dienste auf Basis von Wireless-LTE-Breitband Videos an die Zentrale senden. Bei Verlust des Signals speichert das Gerät die Inhalte zunächst auf einer SD-Speicherkarte oder auf der zugewiesenen Bridge. Sobald der Empfang dann wieder steht, überträgt sie die Bilder weiter. Ein entsprechendes System synchronisiert sie anschließend mit dem in der Cloud gespeicherten Beweismaterial.

Offene Standards

Über standardisierte Protokolle und RESTful APIs (s. auch Kasten) lässt sich verschiedene Hardware in ein zentrales Netz integrieren. Die IT-Administratoren können so neben digitalen IP-Kameras beispielsweise auch analoge Kameras in eine neue Cloud-Plattform einbinden. Standardprotokolle unterstützen zudem verschiedene Funktionen und berücksichtigen Nutzerrollen. Durch sie verwalten Administratoren zentral die einzelnen Systeme. Software, Firmware sowie Versions-Updates verteilen sie automatisch über das Netz und spielen Systemkonfigurationen einheitlich aus. Das Simple-Network-Management-Protokoll (SNMP) überwacht beispielsweise die Funktionsweise sowohl von Geräten vor Ort als auch von digitalen Videorekordern oder Bridges. Ist eine Kameralinse etwa verdeckt oder verschmutzt, sollten Systeme dies registrieren und melden.

Daten- und Beweissicherheit

Videonetze stellen besondere Anforderungen an die Datenintegrität. Schließlich muss das aufgezeichnete Material gegebenenfalls in Gerichtsverfahren Beweiskraft haben. Hierfür kommt es nicht nur auf die Bildqualität an. Das Network Time Protocol (NTP) synchronisiert die Uhrzeit der Vor-Ort-Systeme mit jener der IT-Infrastruktur und erstellt so zutreffende zeitbasierte Datenreihen. Durch Zeitstempel lassen sich die Ereignisse rekonstruieren. Die Bilder müssen zudem vor Manipulation geschützt werden. Ebenso wichtig ist aber die Datenschutzkonformität. Anwender sollten sich in der sensiblen Angelegenheit „Videoüberwachung“ von Anfang an professionell juristisch beraten lassen. Wichtig ist darüber hinaus, das Angebot des Cloud-Dienstleisters genau zu prüfen: Aufgezeichnetes Videomaterial ist im Rechenzentrum in den meisten Fällen spätestens nach zwei bis drei Tagen zu löschen. Das sollte automatisch geschehen. Je nach Anbieter können Anwender Videosequenzen, die sie aufgrund eines berechtigten Interesses länger vorhalten dürfen, über eine Softwareplattform indizieren. Etwa für die Dauer eines Gerichtsverfahrens bei Einbruch oder Diebstahl.

Eine cloudbasierte Managementplattform macht für viele Betriebe eine Videoüberwachung erst möglich und erschwinglich. Doch sie stellt besondere Anforderungen, damit die Daten zuverlässig und sicher übertragen und verwaltet werden. Nur wenn diese erfüllt sind, können die Plattformen entsprechend funktionieren.

Rishi Lodhia, Managing Director EMEA bei Eagle Eye Networks

Kurzgefasst: REST API

REST API oder RESTful API steht für „Representational State Transfer – Application Programming Interface“. Dabei handelt es sich um einen Architekturstil für eine Programmschnittstelle (API), die HTTP-Anfragen für den Zugriff auf und die Verwendung von Daten verwendet. REST API macht also den Austausch von Informationen möglich, wenn diese sich auf unterschiedlichen Systemen befinden. Man spricht hier auch von der Maschine-Maschine-Kommunikation, da die verschiedenen Systeme und Geräte zusammengebracht werden und gewissermaßen die „gleiche Sprache“ sprechen. Die Informationen oder Daten können für die Datentypen GET, PUT, POST und DELETE verwendet werden, was sich auf das Abrufen, Aktualisieren, Erstellen und Löschen von Operationen in Bezug auf Ressourcen bezieht. Im Zeitalter von Desktop-PCs und mobilen Geräten wie Tablets oder Smartphones trifft man oft auf solche unterschiedlichen Systeme, die den Einsatz von REST-API notwendig machen.  (DK)

 


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