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Online-Handel: Französische Online-Marktplätze als attraktiver Partner

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Die Eigenheiten des französischen Käufers

Das Profil des französischen Online-Shoppers

Drei Viertel aller Franzosen konsumieren regelmäßig im Internet. Dabei shoppen Männer genauso gerne online wie Frauen. Im Jahr 2017 hat der durchschnittliche Online-Käufer rund 2.200 Euro ausgegeben. Interessant dabei: Der gewöhnliche Warenkorb sinkt zwar kontinuierlich im Wert, dafür kaufen Franzosen häufiger online ein und geben insgesamt mehr aus als in den Jahren zuvor. So stieg die Zahl der Einkäufe seit 2010 von 12 auf 33 (LK Conseil). Die Franzosen haben also Lust, mehr online zu shoppen. Für die deutschen Online-Händler eine erfreuliche Nachricht, denn die Chance, Produkte erfolgreich zu verkaufen, ist groß.

Auch in Frankreich dominieren die jungen Kunden in der Gruppe der 18- bis 39-Jährigen den Online-Markt. So haben 2017 84 Prozent aus dieser Altersgruppe online eingekauft. Hinzu kommen die 40- bis 59-Jährigen, die zu 67 Prozent im Internet shoppen, sowie knapp die Hälfte aller 60- bis 69-Jährigen (Statista). Eines wird ganz deutlich: Es gibt kaum Generationslücken zwischen den französischen Online-Käufern. Ein deutlicher Vorteil für die deutschen Händler – so können viele verschiedene Produkte angeboten werden, die auf die unterschiedlichen Verbraucherprofile passen.

„Parlez vous français ?“

Um in Frankreich erfolgreich Produkte zu verkaufen, ist eines ganz unumgänglich: die französische Sprache. Sowohl Produktbeschreibungen und Informationen auf der Website als auch der Kundendienst sollten auf französisch angeboten werden. Andernfalls kann der Online-Händler neben dem Unmut der französischen Kunden auch in Konflikt mit dem Gesetz geraten: Seit 1994 gilt bei unseren Nachbarn nämlich eine Verordnung zum Schutz der Sprache, das sogenannte „Loi Toubon“. Es fordert, dass jegliche Informationen, die sich an den französischen Verbraucher richten, wie beispielsweise Etiketten, Prospekte oder Kataloge zusätzlich in französischer Sprache verfasst sein müssen (it-recht Kanzlei). Falls ein deutscher Online-Händler sich der französischen Sprache nicht mächtig genug fühlt, sollte dieser eine professionelle Übersetzung zurate ziehen. Alternativ bietet sich die Zusammenarbeit mit einem französischen Marktplatz an, wo etwa der Fulfillment-Service für alle Verkäufer verfügbar ist. Zudem kann der Kundendienst alle versandrelevanten Anfragen übernehmen.

Die Lieblingsprodukte der Franzosen

Wer im Begriff ist, Waren online nach Frankreich zu verkaufen, sollte zunächst überprüfen, ob überhaupt eine Nachfrage nach den Produkten aus dem eigenen Shop besteht. Dabei gilt oftmals: Wer bereits in Deutschland mit den eigenen Produkten erfolgreich ist, hat auch in Frankreich gute Chancen. Denn bei der Beliebtheit bestimmter Produktkategorien gibt es zwischen den beiden Ländern kaum Unterschiede. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland stehen Kleidung und Schuhe ganz oben auf der Wunschliste, an zweiter Stelle stehen Bücher, gefolgt von Heimelektronik. Auch hier bietet es sich an, mit dem Verkauf auf einem Online-Marktplatz zu starten. Auf diese Weise profitiert ein deutscher Online-Händler von einem umfangreichen Portfolio, zu dem er die eigenen Waren hinzufügen kann und erreicht so gleichzeitig einen großen Käuferkreis von derzeit etwa neun Millionen aktiven Kunden.

Bezahlen mit der Debit-oder Kreditkarte

Wenn es um die Bezahlung geht, schwören die Franzosen auf ihre Carte Bancaire. Diese Karte kann als Debit- oder Kreditkarte benutzt werden und ist für Einkäufe in Frankreich ein Muss. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der französischen Online-Shopper nutzt sie am liebsten als Bezahlmethode – lediglich 38 Prozent bevorzugen die Zahlung über PayPal oder einen ähnlichen Dienst. Zum Vergleich: in Deutschland nutzen 52 Prozent der Kunden am liebsten PayPal, während lediglich 12 Prozent mit Debit- oder Kreditkarte bezahlen (Postnord). Der deutsche Online-Händler sollte daher diese und mindestens eine weitere Alternative anbieten, damit die Kunden den Kauf nicht im letzten Moment abbrechen.

Wohin soll die Ware gehen?

Konnte der Kunde sein Wunschprodukt finden und mit der bevorzugten Methode bezahlen, geht es an den Versand. Das staatliche Postunternehmen La Poste übernimmt in Frankreich den Großteil der Lieferungen. Darunter größere bzw. Expresslieferungen, die für gewöhnlich von dem Tochterunternehmen Colissimo und Chronopost, dem französischen Pendant zu DPD, versendet werden. 2017 hat allein Chronopost knapp 200.000 Pakete täglich für den Online-Handel verschickt (eurosender).

Um die Versandkosten so gering wie möglich zu halten, empfiehlt sich die Nutzung eines Fulfillment-Service direkt in Frankreich. Die angebotenen Produkte können vor Ort gelagert und innerhalb Frankreichs schnell und günstig an den Kunden verschickt werden. Genau wie die Deutschen nehmen Franzosen ihre Pakete am liebsten ganz bequem zuhause an. Doch anders als bei uns, lassen sie ihre Produkte häufiger zu einer Pick-Up-Station liefern und holen das Bestellte dort selbst ab.

Der Schritt auf den französischen Online-Markt lohnt sich

Im Jahr 2017 war der französische Online-Handel 81,7 Milliarden Euro schwer, und die Prognose zeigt ein deutliches Wachstum. Um langfristig auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten deutsche Online-Händler also auch den Schritt ins benachbarte Frankreich wagen. Als Einstieg bieten sich vor allem französische Online-Marktplätze an: Händler profitieren von einem bestehenden Kundenkreis, umfangreichen Bezahl- und Versandmöglichkeiten und brauchen dank des Fulfillment-Services kaum Zeit in eine geordnete Lagerung und einen sicheren Versand in Frankreich investieren.

Der Schritt auf den französischen Online-Markt war noch nie so einfach wie heute. Wen die Lust gepackt hat, Produkte an die Kunden auf der anderen Rheinseite zu verkaufen, dem wünsche ich: bonne chance!

 

Thomas Roelens ist Head of Partnerships bei Cdiscount