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Gastkommentar: Ist der Online-Handel krank?

Online-Bestellungen von ITK-Produkten sind in Deutschland schon länger üblich, wir können hier von einem reifen und weit fortgeschrittenen Markt sprechen. Doch ist dieser Markt gesund? Ein Kommentar von Heino Deubner, Geschäftsführer des Portals printer4you.com.

Heino Deubner, printer4you.com Bildquelle: © Printer4You

Heino Deubner, Geschäftsführer des Portals printer4you.com

In Deutschland wächst der Online- und Versandhandel immer weiter. Der E-Commerce-Verband BEVH rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum des Geschäfts um 9,3 Prozent auf insgesamt 63,9 Milliarden Euro. Die Segmente Online-Handel mit Elektronik und Telekommunikation, dicht gefolgt vom Handel mit Bekleidung, machten dabei im abgelaufenen zweiten Quartal den mit Abstand größten Anteil aus. Online-Bestellungen von ITK-Produkten sind in Deutschland schon länger üblich, wir können hier von einem reifen und weit fortgeschrittenem Markt sprechen. Doch ist dieser Markt gesund?

Online-Handel mit Druckern und Zubehör
Online-Händler – große, wie kleine – präsentieren ITK-Produkte übersichtlich und professionell, bieten einen kundenorientierten Kundenservice und liefern schnell und präzise die Ware zum Kunden. Alles funktioniert im Großen und Ganzen bestens. Im Fall des Online-Handels mit Druckern und dem Zubehör, wie Tinte und Toner, ist es zweifelhaft, von einem gesunden Markt sprechen zu können. Der Fortschritt von Software-Tools, die Online-Händler einsetzen, führte in den letzten Jahren dazu, dass Verkaufspreise mehrmals täglich mit denen der direkten Wettbewerber im Netz verglichen und dynamisch angepasst werden. Das wiederum führt dazu, dass insbesondere Drucker unter dem Einkaufspreis angeboten und auf Preisvergleichsportalen gelistet werden, um Besucher dieser Portale in den eigenen Web-Shop zu locken. Wenn dann das Verbrauchsmaterial eines Druckers, mit dem die Händler ein Folgegeschäft erzielen können, ebenso preisgesteuert und mit Verlust angeboten beziehungsweise verkauft wird, wo ist dann der wirtschaftliche Sinn insgesamt dahinter?

Einige Online-Händler versuchen bereits, den Kaufinteressenten von originalem Verbrauchsmaterial beim Besuch der Artikelseite von kompatiblen Produkten zu überzeugen, um so bei entsprechender Erfolgsquote „unter dem Strich“ positive Erträge zu erzielen. Doch was ist eigentlich der Grund für diesen Trend im Internethandel? Waren es die Kunden, die zuerst den Zwang zum stetigen Unterbieten des Preises ausübten? Waren es die Händler, die so auf sich aufmerksam machen und den Mitbewerber verdrängen wollten? Oder waren es die Hersteller, die einen so massiven Druck auf ihre Fachhändler ausübten, dass diese schlicht und einfach mit dem heute gängigen Vorgehen den Absatz fördern mussten?

Dem Abverkaufsdruck begegnen
Schaut man sich den Einfallsreichtum der Hersteller einmal an, so findet man dort seit Jahren die gelebte Praxis, in der Händler möglichst viel Ware auf einmal zu einem attraktiven Einkaufspreis erhalten können. Dies kann jedoch zu einem Abverkaufsdruck führen, welcher zu einer erneuten Senkung der Verkaufspreise im Internethandel verleitet und wiederum die Online-Händler mit dynamischen Preisanpassungen reagieren lässt, sodass Drucker weiterhin mit Verlust angeboten werden.

Full-Service-Angebote als Lösung
Wie kann die Branche dieser Misere entkommen? Ich bin überzeugt davon, dass der Online-Handel zukünftig Full-Service-Angebote ins Internet stellen wird, die den nackten Produktpreis etwas in den Hintergrund stellen werden. Der Internet-Kunde wird dann das für sich passende Gesamtpaket wählen können.

In der Druckerwelt sind die ersten Gehversuche gemacht. Epson versucht sich mit „ReadyInk“ und HP bietet schon eine ganze Weile das „Instant Ink“-Programm an. Online-Händler müssen ebenso versuchen, Service-Angebote, wie zum Beispiel Managed Print Services, im Internet anzubieten und zugänglich zu machen. Ich bin sicher, dass das in den nächsten Jahren auch passieren wird.