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PSD2 und Open Banking: Schreckgespenst oder Chancenbringer?

Google, Amazon und Facebook setzen mit der Ausweitung ihres Geschäftes auf weitere Branchen nun auch teils etablierte Unternehmen der Finanzindustrie unter Druck. Die Anfang des Jahres in Kraft getretene PSD2-Richtlinie bringt zusätzlichen Schwung in den Wettbewerb innerhalb des Finanzsektors.

Chance Bildquelle: © ightwise - 123RF

Bestandteil der neuen Richtlinie sind unter anderem eine starke Authentifizierung, Änderungen bei Kreditkartengebühren sowie die Stärkung des digitalen Wettbewerbs. Das fordert vor allem etablierte Bankinstitute heraus, denn diese neuen Regelungen stellen bislang geltende Geschäftsmodelle grundlegend infrage und öffnen den Weg für andere Finanzdienstleister wie FinTechs. Besonders Zahlungsauslöse (ZAD)- und Kontoinformationsdienstleister (KID) sollen so leichteren Zutritt zum Markt haben. Banken dürfen FinTechs deshalb nun nicht mehr daran hindern, im Auftrag von Kontoinhabern tätig zu werden und dafür deren Daten zu nutzen – vorausgesetzt, sie haben die Anforderungen für starke Authentizität erfüllt.

Die Bereitstellung eines sicheren Umfelds und der Ausbau der Finanzdienstleistungen bei gleichzeitiger Gewährleistung des Verbraucherschutzes gegen Betrug und Einhaltung der Rechenschaftspflicht wird allerdings für den Finanzsektor auch eine große Herausforderung darstellen. Bankinstitute sind skeptisch, was ihre zukünftige Stellung auf dem Finanzmarkt angeht. Werden sie mit dem Angebot der auf den Markt strömenden FinTechs konkurrieren können? Diese versprechen sich durch das sogenannte Open Banking, die Öffnung der Banken und Teile ihrer Daten für Drittanbieter, einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Herausforderungen und Chancen von PSD2 für die Branche

Im Zuge der neuen PSD2-Richtlinie sind Banken vor allem gefragt, differenzierte und vor allem kundenorientierte Angebote zu schaffen. Wichtig ist eine individuelle und digitale Banking-Strategie für Finanzinstitute, die es schafft, die rechtlichen Bedingungen zu erfüllen, den Zahlungsverkehr zu optimieren und die Rolle der Banken neu zu definieren. Diese haben drei strategische Optionen, sich in diesem Rahmen neu zu definieren:

  • Bank-as-a-Service: Die Anforderungen erfüllen und den Zugriff für Drittanbieter erleichtern.
  • Bank-as-a-Platform: Neue Produkte und Services mithilfe eines plattformbasierten Geschäftsmodells entwickeln und Drittanbieter integrieren.
  • Bank-as-an-Ecosystem: Ein einzigartiges Kundenerlebnis und höchste Kundenzufriedenheit ermöglichen, indem die Bank die Kundendaten orchestriert und ihr Geschäftsmodell um Location-Based-Services in Echtzeit erweitert.

Wer in der Lage ist, all jene Aspekte umzusetzen, wird im Wettbewerb auch langfristig bestehen können. Doch können PSD2 und Open Banking tatsächlich so viel verändern? Welche Herausforderungen gilt es zu bewältigen und welche Chancen bietet die neue Richtlinie? Antworten darauf finden sich im Folgenden.