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Cancom-CEO Klaus Weinmann im Interview: "Das Selbstverständnis muss sich wandeln"

Vor mehr als 25 Jahren wurde das IT-Systemhaus Cancom gegründet. Im funkschau-Interview berichtet CEO Klaus Weinmann, wie sich die IT-Branche seitdem verändert hat, was der IT-Channel in Hinblick auf die Digitalisierung leisten muss und wo Unternehmen ihre eigene Transformation beginnen sollten.

Cancom Klaus Weinmann Bildquelle: © Cancom

Klaus Weinmann, CEO und Gründer von Cancom: „Die Branche heute ist mit der in 1992 praktisch nicht mehr vergleichbar und eine Unternehmensgründung wie damals wäre im heutigen, reifen Markt auch nicht mehr möglich oder sinnvoll.“

funkschau: Herr Weinmann, haben Sie bei der Gründung mit dem jetzigen Erfolg von Cancom gerechnet? Was waren Ihre Erwartungen und haben Sie je am eingeschlagenen Weg gezweifelt?

Klaus Weinmann: Wir waren damals mitten im Studium als wir Cancom 1992 gegründet haben. Natürlich hatten wir große Ideen, Pläne und Erwartungen. Wir wollten damals auf 100 Millionen Mark Umsatz kommen und dafür hat man uns für verrückt erklärt. Die Entwicklung, auf die wir heute zurückblicken, ist jedoch beeindruckender als wir selbst als Studenten zu hoffen wagten. Aber natürlich lagen auch auf unserem Weg Steine und teure Erfahrungen sowie persönliche bittere Enttäuschungen. Als Cancom-CEO schaue ich aber am liebsten auf das, was noch vor uns liegt. Ich denke, wir sind heute so gut und stark aufgestellt, dass wir noch einiges erreichen können.      

funkschau: Würden Sie für unsere Leser dennoch einen kurzen Blick zurückwerfen und berichten, wie genau die Gründung und die ersten Jahre von Cancom verliefen?

Weinmann: Unsere Geschäftsidee fing neben dem Studium an, das wir mit dem Handel von Computern finanzieren wollten und was dann schnell besser als erwartet lief. Ein Name musste gefunden werden, genauso wie das erste Büro in Augsburg im Laufe des ersten Jahres. Wir machten schnell wichtige Erfahrungen zum Beispiel beim ersten Firmenzukauf und in der Zusammenarbeit mit Apple. Unser Unternehmen ist von Anfang an relativ schnell gewachsen. Als ich drei Jahre später mein Diplom gemacht habe, beschäftigte Cancom schon rund 50 Mitarbeiter.

funkschau: Seitdem hat sich auch die IT-Branche stark gewandelt. Wie haben sich parallel dazu die Anforderungen an ein Systemhaus verändert?

Weinmann: Die Branche heute ist mit der in 1992 praktisch nicht mehr vergleichbar und eine Unternehmensgründung wie damals wäre im heutigen, reifen Markt auch nicht mehr möglich oder sinnvoll. Die Unternehmens-IT ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder neuen Herausforderungen begegnet. Vor allem mit der Digitalen Transformation hat die Entwicklungsdynamik zugenommen. Neuartige Technologien und digitale Produkte bringen etablierte Geschäftsmodelle zum wanken oder neue hervor. IT ist zum Innovationstreiber und Business Enabler geworden. Damit steigt der Bedarf nach ganzheitlichen IT-Lösungen, die das Business nicht nur unterstützen, sondern entscheidend voranbringen. Das bedeutet für erfolgreiche Systemhäuser, das passende Leistungsangebot und Know-how von den Business-Prozessen der Kunden zu haben. Meiner Meinung nach stehen uns in den nächsten Jahren weitere spannende Veränderungen bevor. Für Systemhäuser, die den veränderten Anforderungen gerecht werden und sich zum Trusted Advisor weiterentwickeln, bedeutet das großes Potenzial. Das ist aber nicht mehr aus einer Studentenbude heraus machbar.