Kommentar

Echtes Breitband in Deutschland – die Weichen werden heute gestellt

25. Januar 2012, 14:56 Uhr | Hartwig Tauber, Director General, FTTH Council Europe | Kommentar(e)
Hartwig Tauber, Director General beim FTTH Council Europe.
Hartwig Tauber, Director General beim FTTH Council Europe.
© FTTH Council Europe

Es gilt, eine der größten Krisen in der Geschichte der Europäischen Union zu bewältigen – wer hat da noch Zeit, sich um das Thema Breitband zu kümmern? Das FTTH Council Europe meint: jeder, der eine gesunde wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Europas im Sinn hat. Denn hochwertige Breitbandanschlüsse sind eine wichtige und notwendige Basis für ein gesundes Europa. Und die Weichen dafür müssen heute gestellt werden.

Deutschland im Jahr 2020. Man stelle sich folgende News-Meldungen vor: „Ein weiterer Großkonzern hat sich dazu entschlossen, seine Konzernzentrale ins Ausland zu verlegen. Als Grund wurde erneut angegeben, dass die Produktivität in Deutschland nicht mehr konkurrenzfähig ist. Aufgrund der fehlenden Breitbandversorgung können nur wenige Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten und direkte Vernetzung mit Zulieferbetrieben ist nur eingeschränkt möglich.“ Oder: „Die Kosten für das Gesundheitssystem explodieren weiter. Während unsere Nachbarländer bereist seit einigen Jahren laufende Kostenreduktionen durch Kranken- und Altenpflege zu Hause vermelden, können solche Systeme in Deutschland nicht eingeführt werden, da die notwendige Breitbandversorgung der Haushalte nicht gegeben ist.“ Und schließlich: „Der Trend der Abwanderung der gut ausgebildeten jungen Personen und Familien hält weiter an. Abiturienten entscheiden sich immer öfter für ein Studium im Ausland, da dort auch E-Learning möglich ist. Und junge Leute sind mit der Lebensqualität in Deutschland immer weniger zufrieden, da sie nur eingeschränkt kommunizieren können und die Entertainment-Dienste im internationalen Vergleich sehr bescheiden sind. In allen Fällen wird als Hauptgrund die fehlende Breitbandversorgung angegeben.“

Wer nun behauptet, diese Horror-Szenarien wären reine Fiktion, da Deutschland ja sowieso eine gute Breitbandversorgung habe, irrt sich. Denn tätsächlich hinkt das Land bereits heute im europäischen Vergleich stark hinterher, wenn man die Versorgung auf Basis von „echtem“ Breitband auf Glasfaserbasis bis zum Haushalt (FTTH) oder zumindest bis in den Keller des Gebäudes (FTTB) als Kriterium heranzieht. Doch nur diese Lösungen sind tatsächlich schnell genug, um den Bandbreitenbedarf sowohl heute als auch in Zukunft zu decken. Denn alle anderen, heute oft noch als „ausreichend“ angesehenen Technologien haben gravierende Nachteile. Dazu gehören langsame Uploads, Bandbreiten, die von der Anzahl der gleichzeitigen Nutzer abhängig sind, „bis zu“-Angaben, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben, oder Probleme bei der Servicequalität.


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