5G und Open-RAN

Digitalisierung neu denken

24. Februar 2022, 7:30 Uhr | Autor: Christoph Henkels / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)
Digitalisierung, Mindset
© Norbert Preiß / funkschau

Der Mobilfunkstandard 5G kann die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten, grundlegend verbessern. Er ermöglicht vollständige Vernetzung und einen innovativen Umgang mit Daten. Gemeinsam mit Open-RAN kann er aber vor allem einen Beitrag zu mehr digitaler Souveränität leisten.

6G ist bereits in Planung, doch 5G bislang noch nicht in vielen Unternehmen angekommen. Zwar geht der Ausbau des Netzes hierzulande voran, allerdings nicht in dem Tempo wie in Nordamerika und Ostasien. Das ist aber auch nicht das Entscheidende. Denn ein Rollout allein schafft ohnehin noch keine Akzeptanz bei den Unternehmen. Das Marketing der Mobilfunkunternehmen fokussiert sich derzeit zu stark auf die Privatanwender, obwohl der größte Nutzen der 5G-Technologie in der Verbindung mit dem Internet of Things (IoT) liegt – und das ist vor allem für Industrieunternehmen von Interesse. Sie haben durch die Einführung des neuen Mobilfunkstandards die Möglichkeit, ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Vor allem schafft die Technologie jedoch auch die Grundlage für mehr digitale Souveränität und damit Sicherheit in einer an sich immer stärker vernetzten Welt.  

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Vom Pilotprojekt zur Versuchsphase und zurück

Erste 5G-Anwendungsfälle für Unternehmen gibt es bereits. Im Hamburger Hafen wurde beispielsweise vor zwei Jahren das Projekt „5G-MoNarch“ von der Hamburger Port Authority (HPA), der Deutschen Telekom und Nokia erfolgreich abgeschlossen. Dabei ging es darum, Umweltdaten zu überwachen, Ampelschaltungen zu steuern und Augmented Reality-Anwendungen zu ermöglichen. Vodafone und Total wiederum haben die erste 5G-Tankstelle Europas auf die Beine gestellt. Das alles sind spannende Projekte, die das Potenzial von 5G in vielerlei Hinsicht zeigen. Doch sie sind nur der eine Teil der Geschichte. Der andere Teil liest sich so: Vieles ist in den Unternehmen im Status des Pilotprojekts steckengeblieben. Nur wenige Vorhaben sind bislang deutlich über die ersten Versuchsphasen hinausgekommen. Das ist fatal. Hat doch gerade die Pandemie deutlich gemacht, dass die Digitalisierung von Maschinen und Prozessen die Resilienz in kritischen Situationen steigern kann. 5G schafft dafür die technologische Grundlage. Umgekehrt bedeutet das: Nutzen Unternehmen diese Technologie nur zögerlich, schmälert das ihre Fähigkeit, Krisen erfolgreich zu bewältigen. Im Gegenteil: Sie setzen sich sogar einem zusätzlichen Risiko aus.

Der Grund für die außerordentliche Bedeutung von 5G liegt in den neuen Möglichkeiten zur Optimierung und Steuerung unternehmens-interner Prozesse, die der Mobilfunkstandard den Unternehmen an die Hand gibt. Zudem setzt ein großer Teil der Zukunftstechnologien – vom autonomen Fahren über die Robotik bis hin zu telemedizinischen Anwendungen oder Smart Farming – auf permanente Verfügbarkeit von 5G-Verbindungen sowie die damit einhergehenden niedrigen Latenzen und großen Bandbreiten. Kurzum: 5G ermöglicht Innovation – und dabei gleichzeitig ein Plus an Sicherheit für die Daten der Unternehmen.

G-Projekte gewinnen an Fahrt: Oft fehlt es noch an einer klaren Strategie

Obwohl 5G zu den wichtigsten Innovationen zählt, haben laut der aktuellen PAC-Studie „Building the business case for 5G“ viele Unternehmen noch keinen Fahrplan für dessen Einführung aufgestellt. Das betrifft vor allem die Telekommunikationsbranche, die trotz ihrer zentralen Rolle bei der Entwicklung der 5G-Infrastruktur mit die niedrigste Wahrscheinlichkeit aufweist, eine klare Strategie zu verfolgen: Nur ein Drittel gibt an, eine solche für die Integration von 5G in das eigene Geschäft zu haben. In anderen Branchen sieht das schon anders aus: Einige haben einen Vorsprung bei der Strategieentwicklung. Im Banken- und Versicherungssektor beispielsweise gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, eine klare Strategie für 5G zu haben, während der Anteil bei Versorgungsunternehmen bei nur 35 Prozent liegt.

Die Studie zeigt darüber hinaus, dass Firmen in verschiedenen Branchen bei der 5G-Einführung das Tempo erhöhen. Viele sind schon sehr weit bei der Umsetzung ihrer Roadmap. Hierbei profitieren sie von detaillierten Strategien, die vorhandene Betriebsabläufe und Technologien an die neuen Möglichkeiten anpassen, die 5G eröffnet. Viele andere experimentieren und erforschen und suchen sich Experten und Partner, die bei der Ausarbeitung eines schlüssigen Plans helfen. Wieder andere bleiben in einer abwartenden Haltung. Sie zögern zu investieren oder sind unsicher, was die richtige Vorgehensweise ist. „Wir beobachten, dass die Unternehmen sich allmählich ernsthaft mit den Auswirkungen beschäftigen, die 5G auf ihr Geschäft haben wird. Und trotz des großen Optimismus wird den Führungskräften langsam klar, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt, um die erforderlichen Grundlagen für echte Wertschöpfung durch 5G zu schaffen“, erklärt Ollie O’Donoghue, Industry Analyst bei PAC. Darüber hinaus müssten dringend Lösungen für eine wachsende Zahl von Herausforderungen gefunden werden: von der Reife der am Markt erhältlichen Lösungen bis hin zu robuster Sicherheit und solidem Datenmanagement, um Compliance-Bedenken zu zerstreuen.

Eine tragende Rolle komme laut der Studie darüber hinaus dem sich entwickelnden Ökosystem von Anbietern und Dienstleistern in diesem Bereich zu, da die Unternehmen mit zunehmendem Fortschritt ihrer 5G-Projekte und der damit wachsenden Komplexität mehr Unterstützung bräuchten. (DK)


  1. Digitalisierung neu denken
  2. Vernetzung als Grundlage

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