Netzausbau in Deutschland

Die Zukunft braucht Bandbreite

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All-IP schafft die Basis der Unternehmenskommunikation von morgen – aber ist die deutsche Breitbandversorgung für diese Zukunft überhaupt schon gerüstet? Ein Blick auf die Infrastruktur und den Netzausbau in Deutschland.

In der Theorie macht Deutschland eine durchaus gute Figur, wenn es um das Thema Netzausbau geht. Immerhin können bereits 87 Prozent der hiesigen Haushalte auf einen Breitbandanschluss zurückgreifen, wie das Statistische Bundesamt in seinem „Statistischen Jahrbuch 2018“ schreibt. Und auch die politischen Appelle sind mehr als löblich. Die EU hat seinen Mitgliedsstaaten das Ziel gesteckt, dass bis 2020 mehr als 50 Prozent aller europäischen Haushalte über ultraschnelle Breitbandverbindungen mit über 100 Mbit/s verfügen sollen. Eine stabile Basis für diese Vorgaben wollte zuvor auch die Bundesregierung schaffen. 2015 hielt sie in der „Digitalen Agenda“ fest, dass allen deutschen Haushalten Anschlüsse mit Datengeschwindigkeiten von mindestens 50 MBit/s zur Verfügung stehen müssen. Die Crux: Das ausgegebene Ziel sollte eigentlich bereits bis 2018 umgesetzt werden. Ende letzten Jahres zeigte sich jedoch, dass dieses deutlich verfehlt wurde, wie aus einer kürzlich durch das „Handelsblatt“ veröffentlichen Anfrage der FDP-Fraktion an die Bundesregierung hervorgeht. „Ende 2018 hatten rund 88 Prozent der Haushalte in Deutschland Zugang zu schnellem Internet mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s“, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Bilger auf die Anfrage. Zwar bleibt somit „nur“ ein unterversorgter Anteil von zwölf Prozent, in der Fläche fällt dieser jedoch deutlich gewichtiger aus. Denn meist hat die Versorgung von Ballungsgebieten Priorität – ländliche Gebiete mit einer geringeren Besiedlungsdichte der Bewohner müssen hingegen hintanstehen.

Für viele private Nutzer ist es sicherlich ein Ärgernis, für Unternehmen können schlechte Übertragungsraten jedoch schnell geschäftskritisch werden. Denn wo es an Breitbandversorgung fehlt, kann auch von Digitaler Transformation keine Rede sein. Laut Daniela Kluckert, FDP-Politikerin und Mitglied des Bundestages, stehen 35 Prozent der deutschen Gewerbegebiete auch heute nur nternetzugänge mit Geschwindigkeiten langsamer als 50 Mbit/s zur Verfügung. „Damit lassen sich gerade einmal Mails mit Anhang verschicken! Deutsche Spitzentechnologie? Fehlanzeige“, so Kluckert.

Nur Platz 27
Dabei waren die Netzbetreiber auch hierzulande im vergangenen Jahr nicht untätig. Aus verschiedenen Untersuchungen der lokalen Übertragungsraten geht klar hervor: die Qualität der Breitbandversorgung steigt konstant. Laut Daten der britischen Vergleichsplattform Cable.co.uk ist die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit in Deutschland zwischen 2018 und 2019 von 24 auf 24,6 Mbit/s gestiegen. Eine erfreuliche Entwicklung, aber: Mit diesem Wert landet die Netzinfrastruktur der Bundesrepublik im internationalen Vergleich gerade einmal auf Platz 27. Vor einem Jahr war es noch Platz 25. Dabei zeigen einige europäische Nachbarn, wie es auch gehen kann. So erreichte Schweden mit 55,18 Mbit/s den vierten Rang. Dänemark ist mit 49,19 Mbit/s auf Platz 5, Norwegen mit 38,46 Mbit/s auf Platz 11. Aktueller Spitzenreiter laut Cable.co.uk: Taiwan mit 85,02 Mbit/s.

Der internationale Blick zeigt, wie andere Staaten Deutschland in Sachen Breitbandversorgung deklassieren und somit auch die besseren Chancen haben, digitale Technologien schneller in die Breite zu bringen und nicht nur in Clustern in hoch technologisierten Ballungszentren anzusiedeln. Problematisch ist darüber hinaus, dass hierzulande kaum eine infrastrukturelle Basis besteht, um den Sprung in die nächste Geschwindigkeitsklasse zu ermöglichen, der in den kommenden Jahren ohne Zweifel nötig sein wird. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist Deutschland weiterhin von Kupfer durchzogen – jedoch nicht von Glasfaser. Im Vergleich verfügt Südkorea laut OECD unter den Mitgliedsstaaten über den größten Fibre-Anteil, bringt es auf insgesamt 78,5 Prozent. Unter den europäischen Vertretern liegt abermals Schweden mit 64,3 Prozent vorn. Und Deutschland? Liegt mit einem Glasfaseranteil von 2,6 Prozent weit abgeschlagen auf Platz 33. Nur in fünf OECD-Ländern ist der Anteil der Glasfaseranschlüsse noch geringer als in Deutschland, darunter Österreich und Großbritannien.

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