Wachsender Datenbedarf und seine Folgen

Die versteckten Kosten der ständigen Verfügbarkeit

21. März 2022, 13:00 Uhr | Autor: Hannes Gredler / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)
Scale-Out-Storage
© studiom1/123rf

Smarte Geräte haben in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen. In der Folge ist die Datennutzung explosionsartig angestiegen. Doch das hat seinen Preis – und die Hauptlast haben bisher die Telekommunikationsunternehmen getragen.

Heute sind Haushalte überfüllt mit vernetzten Geräten. Von „smarten“ Fernsehern, Lautsprechern und Glühbirnen bis hin zu Mikrowellen – smarte Geräte haben in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen. Experten prognostizieren, dass in diesem Jahr weltweit über 10 Milliarden IoT-Geräte in Gebrauch sind. Viele dieser Geräte sind immer eingeschaltet und verbunden und können mit einem einfachen Sprachbefehl bedient werden. Das bedeutet, dass die Geräte auch dann Daten verarbeiten, wenn sie nicht eingeschaltet sind. Dieser explosionsartige Anstieg der Datennutzung hat jedoch seinen Preis, und bisher haben die Telekommunikationsunternehmen davon die Hauptlast getragen.

Daten sind nicht kostenlos. Eine höhere Netzkapazität erfordert Energie, und Energie kostet Geld. Multipliziert mit den Millionen von Verbrauchern in einem Netzwerk werden die entsprechenden Auswirkungen erheblich. Die meisten Breitbandtarife, die von Telekommunikationsbetreibern angeboten werden, ermöglichen einen unbegrenzten Datenzugang zu einem festen monatlichen Preis, wobei die Pakete nach Bandbreite und nicht nach Gesamtdatenverbrauch berechnet werden. Das ist gut für die Verbraucher, die immer mehr streamen und neue vernetzte Geräte in ihren Haushalten installieren, aber immer noch den gleichen Preis für das Internet bezahlen. Für die Unternehmen, die das Netz bereitstellen, ist jedes zusätzlich verbrauchte Datenbit mit Kosten verbunden.
 
Die meisten Verbraucher sind nicht bereit, mehr für diese zusätzlichen Daten zu zahlen, die ihre IoT-Geräte mit Energie versorgen und das stundenlange Anschauen von Netflix ermöglichen. Das bringt die Telekommunikationsunternehmen in eine Zwickmühle. Wie können sie ihre Kunden bei Laune halten, ohne die Preise zu erhöhen, und gleichzeitig verhindern, dass sie von der großen Zunahme des Datenverbrauchs durch den Zustrom von vernetzten Geräten überfordert werden?

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Die Herausforderungen des wachsenden Datenbedarfs

Anbieter von Netzwerkdiensten können in der Regel mit einem jährlichen Wachstum ihres Netzwerk-Traffics von 35 bis 40 Prozent rechnen – eine Zahl, die mit der zunehmenden Verbreitung von vernetzten Geräten noch weiter steigen wird. Dieser Datenverkehr wird hauptsächlich über CDNs (Content Delivery Networks) bereitgestellt, die Kopien beliebter Inhalte auf Servern im gesamten Netzwerk speichern. Dies mindert zwar die Investitionen in das Kernnetz, trägt aber nicht zur Senkung der Kosten in den Zugangsnetzen bei, die immer mehr Daten und Strom verbrauchen.

In Hinblick auf den Datenverbrauch sind nicht alle angeschlossenen Geräte gleich. Einige verbrauchen nur kleine Datenmengen, wenn sie benutzt werden, wie zum Beispiel ein Laptop, der zum Surfen im Internet benutzt wird. Smart-TVs hingegen gehören zu den größten Datensündern. Ein HD-TV-Stream verbraucht 5 MBit/s und ein 4k-Stream 10 Mbit/s. Dieser Verbrauch ist immer dann konstant, wenn der Fernseher in Betrieb ist, wobei sich die insgesamt gesendeten Daten schnell summieren, wenn die Verbraucher eine Folge nach der anderen streamen.

Andere Geräte, die auf der Liste der Datennutzer ganz oben stehen, sind Video-Chat-Dienste wie Skype und Zoom, Spiele, eine CCTV-Überwachungskamera, die Backups in der Cloud erstellt, und Smart-Home-Geräte, die immer eingeschaltet und verbunden sind, auch wenn niemand zu Hause ist. Diese letzte Gruppe wird oft übersehen, wenn es um den Datenverbrauch geht. Es ist zwar leicht zu verstehen, dass stundenlanges Streaming von HD-Fernsehen eine Menge Daten verbrauchen kann, aber viele Menschen wissen nicht, dass ihre intelligenten Lautsprecher, Glühbirnen, Türklingeln und andere IoT-Geräte zu Hause ständig Daten an ihre jeweiligen Server senden. Aus diesem Grund sind sie immer sofort einsatzbereit, was aber auch dazu führt, dass jedes neue Gerät in einem Haushalt aus der Netzperspektive so kostspielig ist.

Die sozialen Isolierungsmaßnahmen, mit denen die aktuelle Covid-19-Pandemie eingedämmt werden soll, zeigen deutlich, was passiert, wenn dieser Anstieg des Datenverbrauchs so plötzlich erfolgt. Viele Menschen bleiben zu Hause und arbeiten remote. Und sie nutzen ihre Heimnetze viel stärker als sonst. In Europa waren die Netze nicht in der Lage, diesen Zustrom zu bewältigen, so dass die Anbieter von Webinhalten gezwungen waren, das Streaming von Videos nur in Standardauflösung zuzulassen. Während diese erhöhte Netzbelastung derzeit der Pandemie geschuldet ist, bietet sie auch einen Blick in die Zukunft, was passieren kann, wenn die Zahl der verwendeten Geräte steigt. Es zeigt sich, dass die Netze ihre Effizienz und Skalierbarkeit steigern müssen, um dem gewachsen zu sein.


  1. Die versteckten Kosten der ständigen Verfügbarkeit
  2. Überwindung der Wachstumsbarrieren

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