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Kommentar: Vectoring: Wettbewerbsfördernde Regulierung erforderlich

Vectoring – aufgrund dieser Technologie hat sich erneut eine heftige Diskussion um die Regulierung der letzten Meile entzündet.

Wolfgang Spahn, CTO bei Keymile Bildquelle: © Keymile

Wolfgang Spahn, CTO bei Keymile

Nicht nur in der Theorie, auch in der Praxis bestätigt sich, dass Vectoring konstant hohe Bandbreiten bereitstellen kann. Zudem sorgt es für stabile und vorhersagbare Verhältnisse im Kupferkabel der letzten Meile. Dabei müssen alle Adern eines Kabels derzeit von einem Gerät kontrolliert werden, um diese Leistungssteigerung realisieren zu können. Der Einsatz von Vectoring steht damit jedoch nicht in Einklang mit den bisherigen Regeln für die Entbündelung, die auch mehreren Netzbetreibern parallel die Nutzung des gleichen Kabels ermöglicht.

Technische Fakten

Werden in einem Kupferkabel viele VDSL2-Signale parallel übertragen, reduziert sich die Übertragungsbandbreite aufgrund der gegenseitigen Beeinflussung der Signale (Übersprechen) deutlich – nur etwa die Hälfte der ursprünglichen Bandbreite steht typischerweise noch zur Verfügung. Vectoring kompensiert das Übersprechen der Störsignale im Kabel und erhöht die Bandbreite auf nahezu 100% des ursprünglichen Wertes ohne Störsignale – und das für alle Adernpaare. Nicht nur in der Theorie, auch in der Praxis lassen sich diese Ergebnisse erzielen. Dies bedeutet beispielsweise bei einem Kabel mit der Länge von 600 m (0,5 mmAderdurchmesser), dass alle Leitungen mit 100 MBit/s betrieben werden können.

Allerdings funktioniert Vectoring derzeit nur dann, wenn alle mit VDSL2 beschalteten Kupferdoppeladern in einem Kabel gemeinsam kontrolliert werden, sprich in einer Vectoring-Instanz. Diese vermisst das Übersprechen aller Doppeladern gegeneinander und versieht jedes DSL-Signal mit Korrekturen, die das Übersprechen kompensieren. Die Vectoring-Instanz kann sich auf einer VDSL2-Einschubkarte des DSLAMs befinden (BLV - Board-Level-Vectoring). Bei Kabeln mit vielen Adern muss jedoch die Vectoring-Instanz über mehrere DSLAM-Karten hinweg gebildet werden (SLV - System-Level-Vectoring).

Die nächste Integrationsstufe ist das Node-Level-Vectoring (NLV) – Vectoring über zwei oder mehrere DSLAMs und als letzte Stufe Node-Level-Vectoring über DSLAMs unterschiedlicher Hersteller. NLV zwischen DSLAMs eines Herstellers ist technisch realisierbar, wenn auch derzeit noch nicht üblich. Um die Kompatibilität zwischen den DSLAMs unterschiedlicher Hersteller zu erreichen, müsste erhebliche Vorarbeit geleistet werden: die Entwicklung von gemeinsamen Standards und Schnittstellen sowie die Sicherstellung des Datenschutzes – aufgrund der Komplexität wird dies voraussichtlich Jahre dauern.

Bis zu einer Standardisierung wird das in der Praxis Auswirkungen haben. Wird in einem Kupferkabel Vectoring eingesetzt, kann das nur am DSLAM eines Herstellers aufgelegt sein. Ein Szenario ist durchaus denkbar, in dem verschiedene Provider den gleichen DSLAM-Hersteller verwenden (NLV). Dies bedeutet zwar eine Herausforderung für die Akteure, müssten doch immer gleiche Softwarestände verwendet werden, Absprachen in Fehlerfällen getroffen und Systemänderungen sowie Erweiterungen gemeinsam geplant werden. Dies wäre jedoch nicht so schwierig zu realisieren wie das NLV zwischen DSLAMs verschiedener Hersteller.