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Breitband: Quo vadis Deutschland?

Deutschland ist stolz auf seine Technologieführerschaft. Doch nun droht das Land den Anschluss im Bereich der Telekommunikation zu verlieren.

Bildquelle: © funkschau

Als die Bundesregierung 2009 die Breitbandstrategie für Deutschland vorstellte, lobten sich die Politiker gegenseitig. Mindestens 50 MBit/s für 75 Prozent der Bevölkerung bis 2014 klang nach einem guten und ehrgeizigen Ziel. Einen internationalen Vergleich scheute man aber. Denn sonst hätte man erklären müssen, warum zur selben Zeit die Regierung in Seoul bereits daran arbeitete, Südkorea zu einem „Gigabit-Land“ zu machen. Und dann hätte sich das deutsche Ziel, das gerade einmal 1/20 der Bandbreite anvisiert, doch sehr bescheiden gegeben.

Dennoch hat sich an den Zielen bis heute nichts geändert. Während die Digitale Agenda der Europäischen Union bereits 100 MBit/s anpeilt und Länder wie Schweden und Finnland diese Bandbreiten ihrer gesamten Bevölkerung zur Verfügung stellen wollen, bleibt Deutschland bei seinen bescheidenen Zielen. Und selbst hier besteht die Gefahr, dass diese nicht erreicht werden. Denn immer noch lehnen sich viele Entscheidungsträger zurück. Sie sind der Überzeugung, dass die angepeilten Ziele mit VDSL erreicht werden können – und übersehen dabei die Kleinigkeit, dass die Breitbandstrategie von „mindestens“ 50 MBit/s spricht, während VDSL lediglich „bis zu“ 50 MBit/s erlaubt – ein Umstand auf den ein Sprecher der Deutschen Telekom bereits bei einer ITG-Fachtagung im März 2010 hingewiesen hat, der jedoch gerne ignoriert wird.

Das Ergebnis der bisherigen „Strategie“ ist, dass Deutschland mittlerweile zu den Schlusslichtern gehört, wenn es um echtes Breitband der nächsten Generation auf Glasfaserbasis geht. In den aktuellen „Global Ranking“-Statistiken der weltweiten FTTH-Councils taucht Deutschland nicht einmal auf. Der Grund ist, dass in dieser Rangliste nur Staaten aufgenommen werden, in denen mindestens ein Prozent der Haushalte bereits Glasfaseranschlüsse nutzt, bei denen also die Faser entweder bis direkt in die Wohnung (Fibre-to-the-Home – FTTH) oder zumindest bis in den Keller (Fibre-to-the-Building – FTTB) reicht.

Neben den üblichen Verdächtigen aus Asien, wo bereits mehr als 1/3 der Haushalte FTTH oder FTTB nutzen – Südkorea, Japan, Hong Kong – ziehen auch immer mehr Europäische Staaten an Deutschland vorbei. Schweden, Norwegen, Slowenien oder Litauen haben mit mehr als zehn Prozent Glasfaserhaushalten bereits einen beachtlichen Vorsprung, und selbst Frankreich, Tschechien, Bulgarien, die Slowakei oder das krisengeschüttelte Portugal liegen deutlich vorne.