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VoIP: Mentalität des Abwartens

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

Intensive Vorbereitung ist ausschlaggebend

In den vergangenen Jahren hat sich jedoch viel getan. Dank Verschlüsselungsdiensten, Session Border Controllern und Lösungen aus der IT-Security ist es mittlerweile problemlos möglich, VoIP-Telefonie gegenüber den Zugriffen von Unbefugten abzusichern, leistungsfähige Netzwerke, Quality-of-Service-Mechanismen und die zunehmende Verfügbarkeit von Bandbreite sollen darüber hinaus für die nötige Sprachqualität sowie ausbleibende Störungen sorgen. Dennoch hält sich das ISDN-immanente Qualitätsversprechen im Markt hartnäckig. „Der offensichtliche Grund bei einem Gateway-Einsatz ist die Kostenersparnis“, erklärt Christoph Dyllick-Brenzinger, CEO des ITK-Dienstleisters und -Herstellers Datamate. „Andererseits treffe ich sehr häufig bei den Unternehmen, mit denen ich zusammenarbeite, auf die Hoffnung, dass durch das Festhalten an der alten Hardware die gewohnte Zuverlässigkeit bestehen bleibt.“ Das sei jedoch ein Trugschluss. Es sind laut Dyllick-Brenzinger immerhin nicht die Telefone oder die VoIP-Telefonanlage, die Probleme bei IP-Umstellung verursachen, sondern die Zusammenlegung von Daten und Sprache auf einen gemeinsamen Übertragungsweg.

Schlechte Reputation
„Ich denke, dass die schlechte Reputation von VoIP das größte Problempotenzial birgt“, so der Datamate-CEO. Sie soll dazu führen, dass viele Unternehmen untätig verharren oder versuchen, so lange es geht an der alten Technik festzuhalten. Darüber hinaus sieht Dyllick-Brenzinger eine Schwierigkeit im eng gesteckten Zeitrahmen. „Viel zu häufig läuft es folgendermaßen: Die Mitarbeiter werden darüber informiert, dass das Unternehmen auf VoIP umstellt und direkt nach der Umstellung tauchen plötzlich Probleme auf.“ In Folge seien die Unternehmen dann erstmal gefordert wieder Ruhe in ihre Telefonie zu bekommen anstatt die neuen Möglichkeiten von VoIP auszuloten. „Das ist eine Situation, in der niemand gewinnt“, so Dyllick-Brenzinger. Er rät daher dazu, sich intensiv und im Zweifel mit professioneller Unterstützung auf die eigene Umstellung vorzubereiten. Hingegen einfach umzustellen, ohne vorher die zukünftige VoIP-Telefonie getestet zu haben, führe hingegen in den meisten Fällen zu „Feuerwehreinsätzen“ und dem erwähnten Reputationsschaden für VoIP.

Viele Unternehmen können sich diese Zeit aber nicht mehr nehmen und stehen im Jahr 2018 vor der Herausforderung, eine umfassende Migrationsstrategie für TK-Anlage und Co. schnell und vor allem sicher auf die Beine zu stellen, die im Falle von VoIP das gesamte interne Netzwerk und das Thema Sicherheit mit einbezieht. In Anbetracht dieser enormen Herausforderung ist es nur nachvollziehbar, dass viele ITK-Entscheider die sanfte Migration via Media Gateway wählen. „Die TK-Ausstattung in den meisten Unternehmen ist historisch gewachsen und entsprechend heterogen“, berichtet Stephan Leschke von Ferrari Electronic. „Zudem gibt es neben den Telefonen auch weitere Dienste – beispielsweise Fax und Zutrittskontrolle – die auf dem ISDN-Standard basieren.“ Entsprechend komplex sei die Anschaffung einer komplett neuen, IP-fähigen Lösung. „Dafür war die Vorlaufzeit, die für die Umstellung auf IP durch die Netzbetreiber gewissermaßen vorgegeben war, extrem kurz. Es wurden ja nicht alle Unternehmen erst Anfang 2018 umgestellt und manche unserer Kunden hatten nur wenige Wochen zwischen Ankündigung und tatsächlicher Umstellung.“ Ein Gateway sei in diesem Fall die richtige Lösung, viele Kunden des
Herstellers hätten sich für die sanfte Migration entschieden.