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Connected Car: Fahrzeugdaten auswerten per Telematik

Das Connected Car ist heute Realität – doch was geschieht mit den Daten? Wer darf, wer kann sie auswerten? Die Neutral Vehicle Plattform bietet einen Lösungsansatz.

Connected Car Bildquelle: © cheskyw - 123RF

Telematikdaten aus vernetzten Fahrzeugen bieten eine Vielzahl von Vorteilen, die der gesamten Gesellschaft zugutekommen – indem sie Verbesserungen hinsichtlich sauberen, kostengünstigen und effizienten Verkehrsmittel möglich machen. Daten vernetzter Fahrzeuge sind beispielsweise ein wichtiger Baustein für moderne Planung in Städten und Gemeinden, die mit permanent zunehmender Verkehrsbelastung und Umweltverschmutzung fertig werden müssen.
 
Eine wachsende Menge an Daten bedeutet aber auch steigende Verantwortung. Insbesondere der Schutz vor Datenmissbrauch ist von größter Wichtigkeit. Für Unternehmen ist es heute unerlässlich, alle Daten, vor allem jene ihrer Kunden und Partner, aktiv gegen unberechtigten Zugriff zu sichern. Darüber hinaus erfordert ein verantwortungsbewusster und rechtmäßiger Umgang mit Daten stringente Verfahren: Transparenz gegenüber allen Beteiligten, Datenminimierung und Dokumentation der Datenflüsse gegenüber Datenschutzbehörden. Die im Mai 2018 wirksam werdende EU-Datenschutz-Grundverordnung setzt in dieser Hinsicht neue Maßstäbe. Sie wird Unternehmen, die mit personenbezogenen Daten rechtswidrig umgehen, erhebliche finanzielle Sanktionen auferlegen.
 
Freier Zugang zu Daten
 
Damit schafft der Gesetzgeber strenge Bestimmungen, mit denen Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet werden, und damit die Grundlage für eine verantwortungsbewusste Digital Economy, die allen Beteiligten legitimen Zugriff auf Daten ermöglicht. Allerdings könnte die freie Verfügbarkeit telemetrischer Fahrzeugdaten durch wirtschaftliche Interessengruppen bedroht werden - nämlich, wenn diese versuchen, im Wettbewerb um Zukunftstechnologien Teile der Mobilitätsbranche von datengetriebenen Geschäftsmodellen und Dienstleistungen auszuschließen.
 
Es ist daher wichtig, dass sich alle Branchen, die heute schon mit Mobilitätsdaten arbeiten oder dies in Zukunft tun könnten, über die essenzielle Bedeutung des ungehinderten Datenzugriffs im Klaren sind. Einer möglichen Einschränkung der bereits heute bestehenden vielfältigen Nutzung von Daten muss entgegengewirkt werden, um zukünftige Innovationen auf diesem Sektor nicht zu behindern. Daher sollten alle Stakeholder eine gemeinsame Strategie formulieren, mit der eine Oligopolisierung des Zugriffs auf telemetrische Fahrzeugdaten in unserer zunehmend vernetzten Welt ausgeschlossen wird.
 
Schnittstelle als Innovationsmotor: der OBD-Port
 
Der OBD-Port ist eine Schnittstelle zu dem als On Board Diagnostic (OBD) bezeichneten Diagnosesystem, das seit mehr als einem Jahrzehnt in jedem Fahrzeug eingebaut sein muss. Gegenwärtig bietet der ODB-Port in Echtzeit freien Zugang zu Fahrzeugdaten, wie Kilometerstand, Motordrehzahl, Tankfüllstand, Öldruck und -temperatur, Stellung des Gaspedals, Sauerstoffwerte der Lambdasonde, und vielen anderen Messwerten. Obwohl der Zweck des OBD-Ports ursprünglich darin bestand, Daten über Emissionen zu liefern, weiteten Fahrzeughersteller, Autowerkstätten, Elektronikproduzenten und etliche Dienstleistungsbranchen seine Verwendung rasch auf vielfältige Diagnose- und Servicefunktionen aus.
 
Diese Erweiterungen ermöglichten auch die Weiterentwicklung kommerzieller Software-Anwendungen zum Flottenmanagement. Diese bieten heutzutage Funktionen, wie Echtzeit-Fahrercoaching für höhere Fahrsicherheit, ökonomische Optimierung einer Flotte vor allem durch Kraftstoffeinsparung mit entsprechend verminderten Emissionen und eine vorausschauende Wartung, bei der Fahrzeugteile ausgetauscht werden können, bereits bevor das Fahrzeug mit einem Schaden liegenbleibt.
 
Mit der zunehmenden Nutzung des OBD-Ports wurde immer wieder auch die Frage der Missbrauchsanfälligkeit thematisiert. Vor allem, weil über Telematikgeräte, durch die jede OBD-Schnittstelle mit dem Mobilfunknetz verbunden werden kann, auch “Anfragen” an ein Fahrzeug gesendet werden können. Teilweise sind solche “Dongles” nicht einmal passwortgeschützt. Um Risiken vorzubeugen haben einige Branchenakteure technische Änderungen vorgeschlagen, die sowohl den Besitzern von Fahrzeugen als auch Dritten, wie etwa den Herstellern von Flottenmanagementsystemen, den Zugang zu den OBD-Daten verwehren würden. Damit wäre auch der breite ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Nutzen in Gefahr, den die Telematikdaten ermöglichen. Führende Telematikunternehmen machen es sich daher zur Aufgabe die Sicherheit dieser Systeme voranzutreiben und haben große Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt.
 
Darüber hinaus entwickelt eine Allianz aus Unternehmen und Verbänden derzeit ein Konzept , mit dem einerseits der ungehinderte Zugriff auf die innovationsträchtige OBD-Schnittstelle offen gehalten werden kann, andererseits aber auch die Sicherheitsprobleme nachhaltig adressiert würden.