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Digitalisierung: Führen im Zeitalter der Vernetzung

Traditionelle Führung funktioniert in einem hochdynamischen Umfeld nur noch teilweise. Neue Konzepte sind gefragt, um der wachsenden Komplexität Herr zu werden. Dabei gilt es, die Mitarbeiter und ihr Wissen einzubinden.

Team Bildquelle: © Cathy Yeulet - 123RF

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Insbesondere drei Entwicklungen verlangen die volle Aufmerksamkeit von Führungskräften und Mitarbeitern. Zum einen die zunehmende Vernetzung über Unternehmensgrenzen hinweg, also beispielsweise entlang von Wertschöpfungsketten. Neu ist dabei, dass eine Vernetzung zwischen den Unternehmen stattfindet. Damit dringt das, was Anfang der 2000er-Jahre im Business-to-Consumer (B2C)-Bereich begonnen hat, nun verstärkt in das Business-to-Business (B2B)-Geschäft vor.
Zum anderen nimmt die Automatisierung der Arbeitswelt deutlich zu. Dies führt zu kaum absehbaren Konsequenzen für Abläufe, Natur und Struktur von menschlicher Arbeit. Drittens wirkt sich die Globalisierung mit einer Vielzahl von Effekten in unterschiedlichsten Bereichen aus.

Es geht nicht weiter wie bisher

Dies sind nur einige der Entwicklungen, die dazu führen, dass heutzutage Unternehmen, und damit die Menschen vom Management bis zu den Mitarbeitern, mit Gegebenheiten konfrontiert sind, bei denen es ein „weiter so wie bisher“ nicht geben wird. Planbarkeit und Vorhersehbarkeit haben ihren ehemals hohen Stellenwert verloren. Lineares Fortschreiben von Entwicklungen aus der Vergangenheit taugt in der hochdynamischen Welt allerhöchstens noch für ein Fahren auf kürzeste Sicht.

Insbesondere das Management kann seine Aufgabe der Lenkung so nicht mehr erfüllen. Dazu wirken inzwischen viel zu viele und oft sich widersprechende Informationen auf die Entscheidungsträger ein. Damit verliert diese Art der Führung ihre Wirkung und letztlich ihre Legitimität.

Der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Fredmund Malik bezeichnete die Gegenwart einmal als große chaotische Transitionsphase, die aufgrund ihrer Komplexität unberechenbar und unvorhersagbar ist. Das Bisherige verliert zunehmend seine Bedeutung und Wirkung. Neue Methodiken und Herangehensweisen werden notwendig und sind durchaus auch vorhanden. Aber sie sind noch wenig gewohnt und noch weniger eingeübt. Damit fehlt oft das Vertrauen, das benötigt wird, um sich darauf einzulassen. Mit dem Alten und Vertrauten scheint man noch auf der sicheren Seite zu sein – aber nicht mehr für lange.

Führung braucht neue Herangehensweisen

Daraus leiten sich einige grundlegende Forderungen an die Art der Führung ab, denn sie muss sich mit etlichen Veränderungen auseinandersetzen.

Da ist zunächst einmal die zunehmende Komplexität in der heutigen, dynamischen und hochgradig nichtlinearen Umgebung. Es reicht nicht mehr aus, Pläne zu schmieden und sie umzusetzen. Besser ist es, die Komplexität zu akzeptieren und zu versuchen, diese durch das Erkennen von Mustern zu reduzieren. Führung ist also nicht mehr wissens-, sondern kontextbasiert; sie zeichnet sich durch das Schaffen einer Umgebung aus, in der die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit durch die Mitwirkung vieler reduziert wird. Die Führungskraft entscheidet also nicht mehr über das „Wie“, sondern verantwortet den Rahmen und gibt die Richtung vor.

Damit einher geht, dass bisherige, stark hierarchisch aufgebaute Organisationsformen durch neue ersetzt werden, weil sie immer weniger funktionieren werden. Zukünftig sind mehr Menschen aktiv beteiligt und agieren deutlich autonomer und eigenverantwortlicher. Damit muss sich das Management auf neue Formen der Zusammenarbeit einstellen. Führung morgen funktioniert nicht auf Basis der durch die Position innerhalb der Firma gegebenen Autorität, sondern sie muss sich als Begleiter und Mentor verstehen und wirken.

Daher sollten Führungspersonen ein Umfeld, einen Rahmen, und letztlich eine Kultur schaffen und aufrechterhalten, in der andere aktiv eingebunden und beteiligt werden können. Die oftmals große Barriere ist der Kontrollverlust, den eine Führungsperson vermeintlich erleidet. Denn sie ist ja nicht mehr die allein Verantwortliche, sondern agiert in verschiedenen Rollen. Im klassischen Sinne eines auf Expertise basierenden und dadurch legitimierten Führungsprinzips besitzt dieses Gefühl durchaus seine Berechtigung.

Nur bedeuten die eingangs geschilderten Veränderungen, dass das althergebrachte Verständnis von Führung sowieso immer weniger funktioniert. Es führt zu einer Bevormundung, einer Entmündigung und einer inneren Emigration von Menschen in Organisationen. Der Chef muss also kontinuierlich mehr arbeiten und entscheiden, was aber bei der Komplexität und Dynamik der Märkte immer weniger möglich ist. Einer allein kann das nicht mehr leisten – und zwar aus grundsätzlichen Erwägungen, nicht aufgrund mangelnder Fähigkeiten. Insofern bedeutet es einen noch größeren und echten Kontrollverlust, wenn jemand mit den überlieferten Verhaltensweisen und Methoden versucht, zu Rande zu kommen. Ein Dilemma und klassischer Teufelskreis.